Warum die Modern Monetary Theory uns ein viel besseres Verständnis unseres Geldsystems vermittelt?

Liebe Leser,

die Modern Monetary Theory (MMT) geht auf eine Strömung des Postkeynesianismus zurück. Genauer genommen gilt als der Begründer der chartalistischen Geldtheorie Georg Friedrich Knapp, der die Begründung des Geldes 1905 in seinem Werk über die Staatliche Theorie des Geldes so definierte:

"Das Geld ist ein Geschöpf der Rechtsordnung. Es ist im Laufe der Geschichte in den verschiedensten Formen aufgetreten. Eine Theorie des Geldes kann daher nur rechtsgeschichtlich sein."

Konkret wird damit gemeint, dass der Wert des Geldes durch den Staat und seine Gesetze zustande kommt und nur auf seiner sozialen Akzeptanz beruht. Der Wert des Geldes leite sich also nicht von seinem Güterwert ab, sondern von seiner Funktion für die Wirtschaft. So hat es bereits 1776 der Begründer der klassischen Nationalökonomie Adam Smith formuliert.

Wie oft hören wir, wer hohe Staatsschulden anhäuft, gefährdet die Handlungsfähigkeit unseres Staates, sogar die kommenden Generationen werden dadurch stark belastet und das ganze endet dann in einer starken Inflation mit hohen Zinsen. Kommt Ihnen diese Sichtweise bekannt vor?

Vielleicht sollten Sie einmal den Blickwinkel verändern. Nur wenn wir ein grundsätzliches Verständnis über das Geldsystem aufweisen, können wir auf die großen gesellschaftlichen Probleme gezielte Hilfestellung geben.

Wie lautet die Kernthese hinter der MMT? Was ist der Unterschied zur herkömmlichen Geldtheorie? Warum wird Geld überhaupt gebraucht und warum akzeptiert es die Gesellschaft?

Beginnen wir mit den Basics. Die MMT geht davon aus, dass der Staat der Schöpfer der Währung ist und es Privathaushalten sowie Unternehmen erst ermöglicht, durch seine Ausgaben Steuern zu zahlen. Privathaushalte müssen also erst Einnahmen erzielen, um Ausgaben tätigen zu können, der Staat muss das nicht. Die herkömmliche Geldtheorie sieht das anders. Sie geht davon aus, dass sich Staaten über Steuern oder über Kreditaufnahmen via Staatsanleihen finanzieren. Um mehr Geld ausgeben zu können, muss das Steueraufkommen entweder erhöht werden oder/und die Kreditlast erhöht werden.

Geld ist nichts anderes als der Ausdruck seiner Schuldbeziehungen. Es ist eine Kohärenz zwischen mindestens einem Schuldner sowie einem Gläubiger. Theoretisch könnte jeder von uns Geld herausgeben. Aber: Wir akzeptieren staatliches Geld, weil jeder von uns auch Zahlungen an den Staat zu leisten hat und deswegen auch staatliches Geld gebraucht wird. Allerdings hat das Geld auch andere Zwecke wie Vermögensspeicherung oder die Funktion des allgemeinen Tauschmittels. Mit dem Satz von Georg Friedrich Knapp "Geld ist ein Geschöpf der Rechtsordnung" ist also gemeint, dass Geld als rechtliches, nicht aber als wirtschaftliches Konstrukt zu verstehen ist.

Staatsausgaben anhand eines Fußballspiels erklärt

Lassen Sie es mir Ihnen an einem Beispiel verdeutlichen, wie Staatsausgaben nach der MMT funktionieren. Stellen Sie sich eine Fußballmannschaft vor. Das Geldsystem widerspiegelt den Stand der Tore. Die Spielakteure sind dabei das Finanzministerium, die Zentralbanken sowie Geschäftsbanken und ihre Kunden. Doch die Spieler einer Mannschaft sind nur so gut wie ihr Trainer, in diesem Fall ist das der Staat. Gibt der Staat Geld aus, wird das Finanzministerium die Zentralbanken anweisen, das Zentralbankkonto der Geschäftsbanken zu erhöhen und damit würde auch das Konto des Zahlungsempfängers, dem Kunden, steigen. Sehen Sie es so, als gehe eine Mannschaft in Führung. Auf der elektronischen Anzeigetafel steht es 1 zu 0. Bei Steuern verhält es sich genau umgekehrt. Die gegnerische Mannschaft gleich aus, das Zentralbankkonto der Geschäftsbank belastet das Konto des Zahlungspflichtigen.


Führen hohe Staatsausgaben wirklich zu Inflation?

Wenn wir ehrlich sind, hat es im letzten Jahrzehnt eine strikte Trennung zwischen Zentralbank und Finanzministerium, so wie es die traditionelle Geldtheorie propagiert, in ihrer Reinform nie gegeben. Nur auf einem Stück Papier erscheint die Zentralbank politisch unabhängig. Sie kann jedoch jederzeit im Notfall der Staatsräsion untergeordnet werden. Die gängige Geldtheorie findet keine Antwort, warum es eine niedrige Inflation trotz der seit der Finanzkrise stark gestiegenen Geldmenge gibt. Politik und Wissenschaft wollen uns immer weismachen, dass hohe Staatsausgaben automatisch zu einer hohen Inflationsrate führen müssen. Wie sieht das die MMT?

Bei der Modern Monetary Theory kann es eine Inflation nur dann geben, wenn die Ausgaben die vorhandenen Ressourcen bzw. die Produktionskapazitäten des Staates übersteigen.
Konkret kann dies kostenbedingt oder nachfragebedingt geschehen. Also entweder steigen die Produktionskosten oder aber die Nachfrage von Unternehmen, Haushalten oder des Staates wächst schneller als Produktionskapazitäten ausgeweitet werden können. Inflation ist also nicht die Folge expansiver Geldpolitik.

Wie kann der Staat dann der Inflation entgegenwirken? Einerseits geht dies durch Erhöhung von Importpreisen, andererseits durch Kürzung von Ausgaben und nicht zu vergessen durch Steuererhöhungen.


Wie könnte mit Hilfe der MMT Arbeitslosigkeit beseitigt werden?

Vollbeschäftigung ist tatsächlich in den meisten Ländern eine Ausnahme. Arbeitslosigkeit führt zu sozialer Isolation mit oft schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen, v.a. betrifft es die Psyche des Menschen empfindlich. In der MMT ist eine Jobgarantie als ein makroökonomisches Steuerungstool zu verstehen. In wirtschaftlichen Abschwüngen würde der Staat für zusätzliche Arbeitsplätze und für Nachfrage schaffen, indem Jobs zur Verbesserung des Zustandes von Städten und Gemeinden ins Leben gerufen werden. Bei wirtschaftlichen Aufschwüngen werden Beschäftigte mit Jobgarantie wieder in besser bezahlte privatwirtschaftliche Jobs entlassen. Der Staat reduziert dann seine Ausgaben.

Ist es nicht so, dass der Staat in den letzten Jahrzehnten kaputtgespart wurde? Infrastruktur, der Gesundheitssektor sowie Bildung haben stark gelitten. Innovationen führen zu Wohlstand. Dies geht nur wenn Rentensysteme wieder reformiert werden, Gesundheit und Pflege ausgebaut werden, mehr Mittel für Forschung, Bildung und Ausbildung aufgewendet werden. Steuern sorgen für eine Akzeptanz der Währung und können einen Weg zeigen, wie man die Gesamtnachfrage und Geldmenge steuert. Die MMT sieht in einer expansiven Fiskalpolitik im Vergleich zu Geldpolitik eine größere Finanzstabilität. Banken sollen eine geringere Rolle wie bisher bekommen, da sie viel zu sehr auf Gewinn anstatt auf gesamtökonomisch vernünftige Ziele ausgerichtet sind.

Gerade für eine ökologische Transformation sollte der Staat seine Ausgaben deutlich erhöhen. Dadurch werden insgesamt auch viele neue Arbeitsplätze entstehen.

Die MMT bietet enorme Chancen. Staatsschulden sind dann problemlos, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden. Wenn Dinge wie eine marode Infrastruktur oder ein Staatsfonds in Aktien angepackt werden, könnte man auch wieder einige Systeme reparieren.

Warum kann zum Beispiel Japan sein hohes Staatsdefizit von ca. 225 Prozent des Bruttoinlandsproduktes problemlos über die Sparquote der Japaner abdecken? Ganz einfach: Es wurde gewaltig in Infrastruktur investiert, Unternehmenssteuern wurden gesenkt, durch eines Leistungsbilanzüberschusses wird man zum weltweiten Kreditgeber. Das Ergebnis ist ein Konjunkturaufschwung, niedrige Arbeitslosenquote und kaum eine Inflation. Die Notenbank kauft mittlerweile sogar Aktien über ETFs und so hat der Staat wieder einen Teil seiner Ausgaben in Form einer Aktienmarktrendite finanziert.

Solange die Rolle des Staates politisch nicht missbraucht wird, ist die MMT eine Riesen Chance. Wenn sie sinnvoll angewendet wird, kann es für die ganze Gesellschaft positive Effekte bieten.

Liebe Anleger,

ich wünsche Ihnen noch viele erfolgreiche Investments!

Bis zur nächsten spannenden Story,

Michael Seibold

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