3 junge IPOs für den neuen Bullenmarkt

Marius Müllerhoff ist als freier Redakteur beschäftigt. Artikel von freien Redakteuren stellen deren eigene Meinung dar und müssen mit der von aktien nicht korrespondieren.

Forgent Power Solution - Der stille Profiteur des KI-Energiehungers dank Energiespeichersystemen

Forgent Power Solutions (FPS) feierte am 5. Februar 2026 sein Börsendebüt an der New York Stock Exchange. Das 2018 gegründete Unternehmen entwickelt modulare und skalierbare Stromversorgungssysteme für Industrie, Energieversorger und gewerbliche Kunden. Im Mittelpunkt stehen mobile und stationäre Notstromsysteme sowie Lösungen zur Stabilisierung von Stromnetzen. Dies ist ein Markt, der durch den wachsenden Energiebedarf von Rechenzentren und die zunehmende Elektrifizierung strukturell begünstigt wird.

Konkret beruht das Geschäftsmodell auf zwei Säulen: dem Direktverkauf industrieller Speichersysteme und wiederkehrenden Einnahmen durch Software-as-a-Service-Verträge sowie Wartungsleistungen. In der ersten Säule entwickelt, produziert und verkauft Forgent industrielle Stromversorgungssysteme direkt an Kunden aus Industrie, Energieversorgung und dem gewerblichen Sektor. Im Mittelpunkt stehen dabei Trocken- und flüssigkeitsgekühlte Transformatoren für Nieder- und Mittelspannung. Diese sind auf präzise Spannungsregelung, geringe Verluste und lange Lebensdauer ausgelegt und kommen überall dort zum Einsatz, wo eine unterbrechungsfreie, stabile Stromversorgung kritisch ist wie etwa in Rechenzentren, Produktionsanlagen oder in der Netzinfrastruktur. Ergänzt werden die Transformatoren durch mobile und stationäre Notstromsysteme sowie Lösungen zur Netzstabilisierung. Dieses Projektgeschäft ist naturgemäß zyklisch: Umsätze entstehen projektgebunden und hängen von Investitionsentscheidungen der Kunden ab.

Die zweite Säule soll genau diesen Zyklus abfedern. Hier geht es um wiederkehrende Einnahmen durch Wartungsverträge und eine eigene Steuerungssoftware, die als Software-as-a-Service vermarktet wird. Diese Software ermöglicht es Kunden, ihre Stromsysteme zu überwachen und zu steuern.

Im Wettbewerb steht Forgent Power Solutions mit etablierten Schwergewichten wie Caterpillar und Cummins im Bereich industrieller Generatoren sowie Fluence Energy bei Großbatteriespeichern. Forgent versucht, sich über spezialisierte Lösungen und kürzere Projektlaufzeiten zu differenzieren.

Forgent Power Solutions hat am 16. März 2026 seine Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 veröffentlicht. Die Aktie schoss im Hoch um knapp 18 % nach oben. Der Umsatz konnte um 69 % auf 296 Mio. US-Dollar zulegen. Man verzeichnete einen minimalen Verlust, der auf Sondereffekte (Abschreibungen) zurückzuführen ist. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 1,28 und 1,33 Mrd. US-Dollar. Dies entspricht einem Wachstum von rund 73 Prozent. Das war vermutlich einer der Gründe, die den Markt elektrisierten.

Der Chart macht einen konstruktiven Eindruck. Die Aktie steht ca. 10 % unter ihrem Allzeithoch. Der Ausbruch auf ein neues Allzeithoch bei 37,54 stellt das nächste Kaufsignal dar.

Forgent Power Solutions Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Solstice Advanced Materials – Der Honeywell-Ableger mit Zugang zu KI, Kernkraft und Kältemitteln steht knapp unter seinem Allzeithoch

Solstice Advanced Materials (SOLS) ist seit dem 30. Oktober 2025 ein eigenständig börsennotiertes Unternehmen, und doch alles andere als ein Neuling. Das Unternehmen ging aus einer Abspaltung von Honeywell (HON) hervor und erzielte als Teil des Konzerns bereits 2024 einen Nettoumsatz von knapp 3,8 Milliarden US-Dollar.

Solstice stellt Hochleistungsmaterialien für kritische Industrien her darunter Kältemittel, Halbleiterfertigung, Rechenzentrumskühlung, Kernkraft, Schutzfasern und Medizinverpackungen.

Konkret gliedert sich das Unternehmen in zwei Segmente: Kältemittel & Angewandte Lösungen sowie Elektronik- & Spezialmaterialien. Das erste Segment ist das größte Standbein des Unternehmens und machte 2025 etwa 70 Prozent des Gesamtumsatzes aus, welcher sich auf 3,89 Mrd. US-Dollar belief. Es umfasst die Herstellung von Kältemitteln mit geringem Treibhauspotenzial, Treibmitteln für Schäume und Dämmstoffe, Aerosolpropellanten, Reinigungslösungsmitteln sowie medizinischen Hochbarrieren-Verpackungsmaterialien unter der Marke Aclar. Hinzu kommt ein wachsendes Geschäft mit Dienstleistungen rund um Kernbrennstoff-Vorprodukte. Hier bildet die Fluor-Chemie die Grundlage für Solstice' einzigartige Position bei der Herstellung von Zwischenprodukten für Kernbrennstoffe. Die Kunden stammen aus der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik, der Automobilindustrie, dem Bausektor und der Medizinbranche.

Das zweite Segment beliefert vor allem die Halbleiter-, Verteidigungs-, Pharma- und Bauindustrie. Zu den Produkten zählen Sputtertargets für die Chipfertigung, ultraleichte hochfeste Fasern unter der Marke Spectra (bekannt für schusssichere Schutzwesten) sowie hochreine Laborchemikalien unter den Marken Fluka und Hydranal.

Die Kundenbasis umfasst über 3.000 Abnehmer in mehr als 120 Ländern.

Die KI-Revolution spielt Solstice direkt in die Hände. So erzeugen KI-Chips wie Grafik-Prozessoren enorme Wärmemengen. Solstice' Phasenwechselmaterialien (Stoffe, die beim Übergang zwischen fest und flüssig Wärme aufnehmen) sind speziell für die Kühlung von Grafik-Prozessoren in Rechenzentren ausgelegt. Daneben liefert das Unternehmen Kältemittel für industrielle Kühlsysteme, die in Rechenzentren eingesetzt werden. Zusätzlich sind die Sputtertargets und die elektronischen Polymere von Solstice auf die Anforderungen moderner Chiparchitekturen mit kleineren Strukturbreiten ausgerichtet. Das Elektroniksparte profitiert direkt von den KI-bedingten Rückenwinden und der steigenden Nachfrage nach fortschrittlicheren Chips.

Im Wettbewerb steht Solstice vor allem mit DuPont de Nemours und Air Products and Chemicals, zwei ebenfalls breit aufgestellten Spezialchemiekonzernen, die in ähnlichen Endmärkten aktiv sind.

Am 11. Februar 2026 veröffentlichte das Unternehmen seine Zahlen für das vierte Quartal 2025. Der Umsatz belief sich auf 987 Mio. US-Dollar, ein Anstieg von 8 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Management einen Umsatz zwischen 3,9 und 4,1 Milliarden US-Dollar. Wachstumstreiber sind laut Unternehmensangaben insbesondere Rechenzentren, künstliche Intelligenz und Kernkraft.

Der Chart sieht bullisch aus. Die Aktie ist dabei eine Tasse mit Henkel Formation abzuschließen. Der erste mögliche Kaufpunkt war am vergangenen Freitag über dem Hoch vom Donnerstag. Alternativ kann man sich beim Ausbruch auf ein neues Allzeithoch bei 84,45 US-Dollar positionieren.

Solstice Advanced Materials Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

York Space Systems - Standardisierung statt Einzelanfertigung im Satellitengeschäft

York Space Systems (YSS) ist eines der jüngsten börsennotierten Raumfahrtunternehmen der USA und zieht seit seinem Börsengang am 29. Januar 2026 die Aufmerksamkeit von Wachstumsinvestoren auf sich. Das 2012 im US-Bundesstaat Colorado gegründete Unternehmen hatte von Anfang an eine klare Mission: Satelliten schneller, günstiger und skalierbarer herzustellen als die etablierte Konkurrenz.

Das Herzstück des Geschäftsmodells sind standardisierte Satellitenbusse, also die technische Basisplattform eines Satelliten, die je nach Kundenwunsch mit unterschiedlichen Nutzlasten bestückt werden kann. Dieser modulare Ansatz verkürzt Entwicklungszeiten erheblich, senkt die Stückkosten und erlaubt eine industrielle Serienfertigung, die im Raumfahrtsektor bislang selten ist. Die Hauptkunden stammen aus dem US-Verteidigungs- und Sicherheitsbereich, ergänzt durch ausgewählte kommerzielle Auftraggeber. Bedeutende Aufträge kommen von der Space Development Agency bzw. Weltraum-Entwicklungsbehörde des US-Verteidigungsministeriums für den Aufbau neuer Kommunikationsnetzwerke im Orbit.

Im Wettbewerb steht York Space Systems mit Traditionskonzernen wie Lockheed Martin und Northrop Grumman sowie mit dem spezialisierten Newcomer Rocket Lab. Während die etablierten Anbieter oft auf hochkomplexe Einzelanfertigungen setzen, positioniert sich York Space Systems über Geschwindigkeit und Kosteneffizienz, insbesondere für Kleinsatelliten.

Die letzten Quartalszahlen wurden am 19.Mäz vorgelegt. Sie pulverisierten die Märkte. Die Aktie schoss im Hoch um 24 % nach oben. Der Quartalsumsatz belief sich auf 104 Mio. US-Dollar, verfehlte damit jedoch die Erwartungen der Analysten leicht. Trotzdem entspricht dies einem Anstieg von 38 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Auch der Verlust je Aktie mit minus 0,24 US-Dollar verfehlte die Analystenerwartung von minus 0,18 US-Dollar. Der Jahresumsatz stieg auf 386 Mio. US-Dollar, was einem Anstieg von knapp 50% entspricht

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Management einen Umsatz zwischen 545 und 595 Millionen US-Dollar. Mehr als 70 % des angestrebten Umsatzes sind bereits durch bestehende Auftragsbestände gedeckt. Das Management bezeichnete 2026 als möglichen Wendepunkt hin zur Profitabilität. Außerdem baute das Unternehmen seine vertikale Integration durch die Übernahmen von ATLAS Space Operations und Orbion Space Technology aus. ATLAS erweitert die Bodeninfrastruktur, Orbion bringt Antriebstechnologie ins Haus. Beides soll die Margen mittelfristig verbessern. Im Februar 2026 unterzeichnete das Unternehmen einen kommerziellen Vertrag über 187 Millionen US-Dollar für den Bau einer Konstellation von mehr als 20 Satelliten auf der neuen M-CLASS-Plattform. Das muss den Anlegern geschmeckt haben.

Chattechnisch macht die Aktie einen sehr bullischen Eindruck. Letzte Woche konnte sie auf ein neues Allzeithoch ausbrechen, als sie die sog. IPO-Base abschloss. Im Anschluss kam sie jedoch zunächst zurück. Ein gewisses Maß an Volatilität beim Ausbruch aus einer IPO-Base ist nicht unüblich. Diese Zone wird daher auch als "turbulence zone" bezeichnet. Über 40,05 US-Dollar bietet es sich an, eine Position zu eröffnen.

York Space Systems Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox


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