Die 50/80 Regel von Mark Minervini, und welche Aktien davon zeitnah betroffen sein könnten!

Marius Müllerhoff ist als freier Redakteur beschäftigt. Artikel von freien Redakteuren stellen deren eigene Meinung dar und müssen mit der von aktien nicht korrespondieren.

Mark Minervini, einer der erfolgreichsten Momentum-Trader Amerikas und zweifacher Gewinner der U.S. Investing Championship, hat mit seiner 50/80-Regel eine der wichtigsten Warnungen für Anleger und Trader formuliert.
Konkret hat Mark Minervini in seiner über 40-jährigen Traderlaufbahn folgendes beobachtet: Von ehemaligen Marktführern (sog. "true market leaders"), die ein signifikantes Top gebildet haben, fallen 50 Prozent um mindestens 80 Prozent und 80 Prozent um mindestens 50 Prozent. Der durchschnittliche Rückgang liegt bei rund 70 %. Viele erholen sich nie mehr oder brauchen Jahre dafür.
Besonders gefährdet sind Titel, die zuvor über Monate stark gestiegen sind, hohe Bewertungen erreicht haben und von großen Erwartungen getragen wurden. Dreht das Marktumfeld, ziehen sich institutionelle Anleger häufig zurück. Der Verkaufsdruck kann dann deutlich stärker ausfallen, als viele Anleger erwarten.
Die Regel soll Anleger und Trader davor schützen, sich emotional an ehemalige Gewinner zu binden. Auch starke Unternehmen mit großartigen Stories verlieren nach ihrem Höhepunkt oft massiv an Wert, z. B. Quantencomputing Aktien nach Q4 2025, Microstrategy nach Q4 2024, Nvidia in 2022, Pandemieaktien Peloton und Teladoc nach 2020/2021, Cisco/Microsoft/Qualcomm nach 2000.
Minervini betont deshalb: Gewinne systematisch mitnehmen, auf "price action" achten und nicht auf eine schnelle Erholung hoffen. Die 50/80-Regel erinnert daran, dass in jedem Bullenmarkt die heutigen Helden sich zu großen Verlierern von morgen entwickeln können. Wer das verinnerlicht, schützt sein Kapital.
Schauen wir uns einige Unternehmen an, die aktuell auf dem Weg sind, in das Muster der 50/80-Regel zu "fallen".

Western Digital Corporation – Datenspeicherhersteller mit einem Rückgang von 46 % nach einer bemerkenswerten Rallye von über 1100 % in 12 Monaten

Western Digital Corp. (WDC) gehört zu den wichtigsten Anbietern von Datenspeichern weltweit und wurde 1970 in Kalifornien gegründet.
Ursprünglich als Halbleiterhersteller gestartet, konzentriert sich das Unternehmen heute vollständig auf Speicherlösungen für Rechenzentren, Unternehmen und Privatkunden. Western Digital gliedert sein Geschäft in drei Hauptsegmente: Cloud, Client und Consumer.
Im Cloud-Segment verkauft das Unternehmen Festplatten mit hoher Speicherkapazität an Betreiber von Rechenzentren und Hyperscaler wie große Cloud-Anbieter. Hier setzt Western Digital zunehmend auf Technologien wie energiegestützte Festplatten, die höhere Kapazitäten bei geringerem Stromverbrauch ermöglichen, ein wichtiger Faktor angesichts des steigenden Energiebedarfs von Rechenzentren im Zeitalter künstlicher Intelligenz.
Das Client-Segment umfasst Festplatten und Speicherlösungen, die direkt an Computerhersteller, sogenannte OEM (Original Equipment Manufacturer, Erstausrüster), geliefert werden und in Laptops, Desktop-Computern und Spielekonsolen verbaut sind. Bekannte Produktlinien sind hier WD Black für Gaming und Hochleistungsanwendungen sowie WD Blue für den Standardgebrauch.
Im Consumer-Segment verkauft Western Digital Speicherprodukte direkt an Endkunden, etwa externe Festplatten der Marke My Passport oder WD Elements sowie Netzwerkspeicher für zu Hause unter dem Namen WD Red. Nach der Abspaltung des Flash-Speichergeschäfts im Jahr 2025, das seither eigenständig als SanDisk Corporation firmiert, konzentriert sich Western Digital nun fast ausschließlich auf klassische Festplattentechnologie, während das frühere SSD- und NAND-Geschäft eigenständig unter dem Namen SanDisk weitergeführt wird.
Aktuell profitiert Western Digital stark von der wachsenden Nachfrage nach Speicherkapazität durch den Ausbau künstlicher Intelligenz, da Rechenzentren enorme Datenmengen speichern müssen.
Ende April 2026 veröffentlichte Western Digital die Zahlen zum dritten Quartal 2026, das Ende März 2026 endete. Der Umsatz stieg um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,34 Milliarden US-Dollar und übertraf die Markterwartungen. Der Gewinn je Aktie lag bei 2,72 US-Dollar und lag ebenfalls deutlich über den Analystenschätzungen.
Zwischen Juli 2025 und Juli 2026 schoss die Aktie um atemberaubende 1100 Prozent nach oben. Damit gehörte die Aktie eindeutig zu den "True Market Leaders". Jedoch entwickelte sich die Aktie immer mehr parabolisch. Insbesondere das "Climax Top"-Verhalten zwischen dem 15. Juni und dem 22. Juni hätte Minervini sicherlich dazu veranlasst, die Aktie zu verkaufen. Seit Mitte Juni setzt sie stärker zurück. Am vergangenen Freitag am Tagestiefpunkt belief sich der Rückgang vom Allzeithoch Mitte Juni auf 46 Prozent. Es fehlt also nicht mehr viel, damit die Aktie die Regel von Minervini erfüllt.

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Bloom Energy – Brennstoffzellenhersteller mit einem Rücksetzer von 44 % nach einer fulminanten Aufwärtsbewegung von über 1300 % in 12 Monaten

Wie bereits in meinem Artikel von letzter Woche erwähnt hat Bloom Energy (BE) in den abgelaufenen zwölf Monaten eine massive Rallye hingelegt (siehe auch: https://aktienmagazin.de/blog/aktienanalysen/zunahme-an-leerverkaufssetups-bei-leaderaktien-diese-gehoren-auf-die-s-175344.html). So schoss die Aktie zwischen Ende Juni 2025 und Ende Juni 2026 von 23 US-Dollar auf 351 US-Dollar nach oben. Das entspricht einer Performance von über +1300 Prozent. Damit gehörte das Unternehmen definitiv zu den "True Market Leaders".
Bei Bloom Energy handelt es sich um einen führenden Anbieter von Festoxid-Brennstoffzellen und profitiert vom wachsenden Strombedarf durch Rechenzentren.
Im Jahr 2001 in Kalifornien gegründete stellt Bloom Energy stationäre Brennstoffzellen her, die Erdgas oder Wasserstoff direkt vor Ort in Strom umwandeln, ohne Verbrennung. Das Hauptprodukt ist die Bloom Energy Server-Plattform, ergänzt durch langfristige Serviceverträge. Kunden sind unter anderem Rechenzentrumsbetreiber, Versorger und Industrieunternehmen.
Die übergeordnete Marktstory ist der Energiehunger der Künstlichen Intelligenz: Da das Stromnetz nicht mit dem Ausbau der Rechenzentren Schritt hält, setzen Betreiber verstärkt auf dezentrale Stromerzeugung.
Im April 2026 erweiterte Bloom seine Partnerschaft mit Oracle auf bis zu 2,8 Gigawatt. Die zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen vom 28. April 2026 zeigten einen Rekordumsatz von 751,1 Millionen US-Dollar, ein Plus von 130 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg auf 0,44 US-Dollar von 0,03 US-Dollar. Das Management hob die Jahresprognose deutlich an, auf ein Umsatzwachstum von rund 80 Prozent.
Zwischen Ende April und Mitte Juni konsolidierte die Aktie seitwärts. Der Ausbruch Ende Juni schlug fehl und dazu unter hohem Volumen. Hier hätte Minervini vermutlich den Verkaufsknopf gedrückt. Seit Ende Juni ist die Aktie dann stark gefallen. Am Freitag am Tagestiefpunkt belief sich der Rückgang vom Allzeithoch auf 44 Prozent. Sie ist damit auf gutem Wege, die 50/80-Regel von Minervini zeitnah zu erfüllen.

Wachstums-Check über TraderFox

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Sandisk Corp. - NAND-Flash-Speicherhersteller mit einem Rückgang von 44 % nach einer sensationellen Rallye von knapp 5000 % in 12 Monaten

Sandisk Corp. (SNDK) zählt zu den ältesten Namen der digitalen Speicherbranche und hat in den letzten zwölf Monaten eine bemerkenswerte zweite Blütezeit erlebt.
Das 1988 in Kalifornien gegründete Unternehmen wurde einst durch Speicherkarten wie CompactFlash und Secure Digital bekannt. Nach der Übernahme durch Western Digital im Jahr 2016 wurde die Sparte 2025 wieder als eigenständiges Unternehmen abgespalten (siehe oben).
Heute konzentriert sich Sandisk vollständig auf NAND-Flash-Speicher, also Chips ohne bewegliche Teile zur dauerhaften Datenspeicherung. Das Geschäftsmodell ruht auf drei Säulen. Die wichtigste sind "Solid State Drives" für Rechenzentren, also besonders schnelle Speicherlaufwerke ohne rotierende Festplattenteile für Cloud-Anbieter. Hinzu kommen eingebettete Speicherlösungen für Smartphones und Elektronikgeräte sowie klassische Endkundenprodukte wie USB-Sticks und Speicherkarten.
Der Markt spielt aktuell die "Story" der explodierenden Datenspeichernachfrage durch Künstliche Intelligenz und Cloud-Infrastruktur, verbunden mit einer strukturellen NAND-Knappheit, die Sandisk erhebliche Preismacht verschafft.
Am 30. April 2026 legte Sandisk die Zahlen für das dritte Geschäftsquartal vor. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 251 Prozent auf 5,95 Milliarden US-Dollar und übertraf die Erwartungen der Analysten von rund 4,7 Milliarden US-Dollar deutlich. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 23,41 US-Dollar, verglichen mit einem Verlust im Vorjahresquartal und weit über der Prognose der Wall Street von 14,50 US-Dollar. Für das vierte Quartal stellte das Management einen Umsatz zwischen 7,75 und 8,25 Milliarden US-Dollar sowie einen Gewinn je Aktie zwischen 30 und 33 US-Dollar in Aussicht.
Zwischen Juni 2025 und Juni 2026 schoss die Aktie sensationell um knapp 5000 Prozent nach oben. Das ist der Stempel eines "True Market Leaders". Ähnlich zu Western Digital Corp. bildete die Aktie eine Art "Climax Top" im Juni, welche Minervini vermutlich genutzt hätte, um sich von der Aktie zu trennen. Vom Allzeithoch am 22. Juni hat die Aktie in der Zwischenzeit 44 Prozent zurückgesetzt. Damit fehlt nicht mehr viel, um die 50/80-Regel von Minervini zu erfüllen.

Wachstums-Check über TraderFox

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Weitere "True Market Leaders", die die 50/80-Regel zeitnah erfüllen könnten

Astera Labs (ALAB), das Konnektivitäts-Chips entwickelt, die Datenverbindungen zwischen Prozessoren, Speicher und Netzwerken in Rechenzentren stabilisieren und beschleunigen, ist einer weiterer Kandidat. Nach einer Rally von knapp 470 Prozent in zwölf Monaten hat die Aktie über die letzten Wochen 42 Prozent korrigiert.
Der ursprünglich Bitcoin-Miner Hut 8 (HUT), der sein Geschäft zu einem Anbieter von Rechenzentren und Energie für Hochleistungsrechnen ("High-Performance-Computing") umgebaut hat, ist in zwölf Monaten um knapp 840 Prozent nach oben geschossen. In den letzten Wochen gab es einen Rücksetzer von 41 Prozent.
DigitalOcean (DOCN) bietet einfache, günstige Cloud-Dienste für kleine und mittelständische Unternehmen sowie Entwicklerteams an. Kernprodukte sind virtuelle Server und verwaltete Datenbanken. Die Aktie legte um gut 560 Prozent in zwölf Monaten zu. Seit dem 17. Juni hat sie um 41 Prozent korrigiert.


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