Die antizyklische Chance: Zinswende durch Jobless Growth!
Liebe Börsianer,
der Begriff "Jobless Growth" (jobloses Wachstum) beschreibt ein wirtschaftliches Phänomen, bei dem die Wirtschaft zwar wächst, aber gleichzeitig keine neuen Arbeitsplätze geschaffen werden oder die Beschäftigung sogar sinkt. Aufgrund der rasanten Entwicklung der Künstlichen Intelligenz hat dieser Begriff eine neue Dimension erreicht. Am Freitag stieg die Block-Aktie um +17 % nach folgender Nachricht des CEOs:
Block reduziert seine Belegschaft um fast die Hälfte – von über 10.000 auf knapp unter 6.000 Mitarbeiter. Das entspricht etwa 4.000 Entlassungen. Dorsey führt an, dass Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz die Art und Weise, wie Unternehmen geführt werden, grundlegend verändert haben. Er ist der Überzeugung, dass ein kleineres, mit KI-Tools ausgestattetes Team "mehr erreichen und es besser machen kann". Er bezeichnet Block nun als ein "Intelligence-native"-Unternehmen.
Wenn Block Inc. die Mitarbeiterzahl von 10.000 auf 6.000 senkt, aber dennoch plant, den Marktanteil auszuweiten, ist das das Paradebeispiel für Jobless Growth. Die KI übernimmt die Routineaufgaben, die Skalierung und teilweise sogar komplexe Entscheidungsprozesse.
Der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation ist eines der zentralen Themen der Makroökonomie und wird klassischerweise durch die Phillips-Kurve beschrieben. Die Phillips-Kurve besagt, dass zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation eine inverse (umgekehrte) Beziehung besteht. Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, gibt es mehr Arbeitssuchende als offene Stellen. Das schwächt die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer. Da Unternehmen leicht Ersatz finden, müssen sie keine hohen Gehaltssprünge anbieten, um Mitarbeiter zu halten oder zu gewinnen. Da Löhne ein massiver Kostenfaktor für Unternehmen sind, sinkt der Druck, die Preise für Endprodukte zu erhöhen, um die Gewinnmargen zu schützen.
Die FED hat ein sogenanntes duales Mandat. Sie ist gesetzlich verpflichtet, zwei Ziele gleichzeitig zu verfolgen: erstens Preisstabilität (Zielmarke meist ca. 2 % Inflation) und zweitens ein maximaler Beschäftigungsstand. Wenn die Inflation hoch ist, muss die FED die Zinsen anheben (restriktive Geldpolitik), um die Wirtschaft abzukühlen. Das erhöht jedoch leider oft auch die Arbeitslosigkeit.
Sobald die Arbeitslosigkeit steigt und dadurch der Inflationsdruck nachlässt, ändert sich die Priorität der FED, und ihr Fokus liegt dann auf der Beschäftigung. Sie kann die Zinsen senken und an den offenen Märkten US-Staatsanleihen kaufen.
Wie reagiere ich darauf? Hier sind zwei Beispiele: Ich kaufe weitere Unternehmensanleihen von Apple und McDonald’s, die derzeit jährliche Renditen von über 5 % bieten. Wenn das langfristige Zinsniveau fällt, werden diese Anleihen im Kurs stark steigen. Zudem habe ich wieder begonnen, Short Puts auf den Hausbauer D.R. Horton zu schreiben. Wenn die Zinsen deutlich fallen, wird das den Hausbau-Sektor in den USA enorm beflügeln.
Viele Grüße
Simon Betschinger
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