Die Trump-Zölle werden als Black-Swan-Event in die Börsengeschichtsbücher eingehen! 

Liebe Leser, 

die Zollankündigungen von Donald Trump im Rosengarten werden als Schwarzer Schwan in die Geschichtsbücher eingehen. So werden extrem seltene Ereignisse genannt, die an den Börsen für drastische Ausschläge sorgen.  

Wir alle wussten, dass Trump Zölle liebt. Wir alle wussten, dass Trump Zölle als Verhandlungsmasse betrachtet, um andere politische Ziele zu erreichen. Aber niemand hat damit gerechnet, dass Donald Trump Zölle in einer Höhe erlassen würde, die sowohl seiner eigenen Wirtschaft enorm schaden als auch den internationalen Handel mit den USA nahezu komplett zum Erliegen bringen werden. 

Die US-Börse reagiert entsetzt und voller Panik. Aktien von Firmen wie Nike (-12 %), Apple (-9 %) oder RH (-40 %) rauschten am Donnerstag in die Tiefe. Die Firmen haben gemeinsam, dass sie ihre Produkte größtenteils im Ausland produzieren lassen.  

Donald Trump und sein Team erzählen die Geschichte, dass sie Arbeitsplätze zurück in die Staaten holen wollen. Das kann bei Spitzentechnologien in der Computerindustrie Sinn machen. Aber Entwicklungsländer wie Thailand, Indonesien oder Vietnam mit Zollsätzen zu belegen, die den Handel fast unmöglich machen, schadet am Ende den amerikanischen Bürgern.   

Wollen US-Bürger in Schuhfabriken am Fließband stehen? Eher nicht. Es ist auch komplett sinnbefreit, dass Schuhe zu zehnfach höheren Stundenlöhnen gefertigt werden. Das treibt die Preise für Schuhe enorm in die Höhe. Allen geht es schlechter.  

Steuersenkungen werden die höheren Preise nicht kompensieren können. Die Zölle verschlechtern das Leben der US-Bürger. Zölle verkleinern den gesamten Kuchen, den es zu verteilen gibt.  

Der Wohlstand aus dem internationalen Handel entsteht im Wesentlichen dadurch, dass sich Länder und ihre Firmen spezialisieren können. Wir Ökonomen sprechen von komparativen Vorteilen. Das Arbeitskräftepotenzial in den USA ist begrenzt. Sie können nicht alles selbst produzieren. Für jedes Produkt, das sie herstellen, müssen sie auf die Herstellung von etwas anderem verzichten. Das sind relative Kosten. Es ist sinnvoll und wohlstandsbringend, wenn Länder Produkte mit den höchsten relativen Kosten aus dem Ausland importieren.  

Wie wird es weitergehen? 

Wenn die Zölle bleiben, versinkt die Weltwirtschaft in einer tiefen Rezession. Europa und der Rest der Welt werden sich dann vermutlich auf eine Freihandelszone ohne die USA einigen. Aber es wird einige Jahre dauern, bis die neuen Handelsströme etabliert sind.  

Für wahrscheinlicher halte ich das Szenario, dass die Zustimmungswerte von Trump in der eigenen Bevölkerung bröckeln werden. Die Hälfte der Amerikaner hält Aktien im Depot. Wenn die Umfragen schlecht für Trump ausfallen, wird er eher bereit sein, Deals zu machen und zu vernünftigen Handelsbedingungen zurückzukehren.  

 

Viele Grüße 
Simon Betschinger 


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