Portfoliocheck: Mason Hawkins trennt sich von PayPal – ein bisschen und wohl zu spät…
Mason Hawkins ist Gründer und CEO von Southeastern Asset Management. Seit dem Start in 1975 ist deren Anlagephilosophie die konsequente Anwendung des bewährten Value-Ansatzes, der auf dem Besitz starker Unternehmen mit guten Mitarbeitern zu stark reduzierten Preisen basiert. So sollen Risiken reduziert und für die Investoren im Laufe der Zeit überdurchschnittliche Renditen erwirtschaftet werden.
Hawkins fokussiert sich auf eine überschaubare Zahl von Werten und hält seine Positionen zumeist viele Jahre lang. Dabei machen die 10 Top-Positionen oft mehr als die Hälfte des Portfolios seines "Flaggschiffs" aus, dem Longleaf Partners Funds – in früheren Jahren waren es auch schon mal drei Viertel. Hawkins investiert gern antizyklisch und setzt auf vernachlässigte Branchen, die gerade von der Wall Street vernachlässigt werden. Daher engagiert er sich bevorzugt in Unternehmen, die nicht als die großen Profiteure von Megatrends wahrgenommen werden, so dass sich in seinem Portfolio nur selten Hightech-Aktien finden, sondern eher Werte aus den klassischen Sektoren der "Old Economy".
"Drei Komponenten machen die Rendite einer Investition aus. Eine ist der Rabatt zum intrinsischen Wert. Die zweite ist das Wachstum des intrinsischen Wertes. Und die dritte ist die Geschwindigkeit, in der die Lücke zwischen Marktpreis und Wert geschlossen wird." (Mason Hawkins)
Lange Zeit hat sich sein konträrer Ansatz ausgezahlt, doch spätestens seit der Globalen Finanzkrise 2008/09 hinken Value-Aktien gegenüber den Wachstumswerten hinterher. Und so geriet auch Hawkins mit seiner Performance in Rückstand, was sich in den letzten Jahren noch verstärkt hat mit der Dominanz der großen Technologiewerte und dem neuen Boom in Richtung Künstliche Intelligenz.
Mit der eigenen Performance ist Mason Hawkins aktuell nicht zufrieden, wie er in seinem Investorenbrief zum 4. Quartal erklärte: "Der deutlichste Unterschied zwischen unserem Portfolio und dem Markt war in diesem Jahr bei den großen Gewinnern zu beobachten, wo über 35 % des Russell 2000 in diesem Jahr um durchschnittlich 70 %+ zulegten, während nur 15 % unseres Portfolios um durchschnittlich 30 % zulegten. Wie wir bereits im letzten Quartal geschrieben haben, haben sich seit den Markttiefs im April/Mai die weniger hochwertigen, unprofitablen Unternehmen im Index stark entwickelt. Dies setzte sich im 4. Quartal fort, wobei unprofitable Unternehmen im Vergleich zu profitablen Unternehmen eine durchschnittliche Outperformance von etwas mehr als 500 Basispunkten erzielten. Die gute Nachricht ist, dass "Rallyes von Unternehmen mit geringerer Qualität” schnell und stark umkehren können, was uns bei der unvermeidlichen Wende zugutekommen wird."
Und seit dem Jahresstart erleben wir eine Marktbereinigung, bei der solide Dividendenwerte besser abschneiden als die inzwischen strauchelnden Tech-Highflyer der vergangenen Jahre. Ob dies eine Zeitenwende darstellt oder nur eine Momentaufnahme, wird sich zeigen.
Hawkins gründet seine Investitionen jedenfalls auf reale Vermögenswerte und Marken, die einen wachsenden freien Cashflow (FCF) je Aktie erwirtschaften. Und er zeigt sich optimistisch, dass das aktuelle FCF-Multiplikatorverhältnis seines Portfolios von etwa 10 auf einen mittleren Zehnerbereich ansteigen kann und damit erhebliches Potenzial bietet.
Top Transaktionen im 3. Quartal 2025
Im letzten Quartal lag Mason Hawkins Turnoverrate mit 19 % wieder atypisch hoch. Unter seinen aktuell 49 Depotwerten finden sich sechs Neuzugänge.

Neu eingestiegen ist Hawkins bei Rayonier, die über 2 Mio. Morgen Waldfläche in den Vereinigten Staaten besitzen und verwalten. Damit ist das Unternehmen einer der größten privaten Grundbesitzer in Nordamerika und da Rayonier als Real Investment Trust (REIT) organisiert ist, muss es keine Bundessteuern auf Erträge aus Holzernteaktivitäten zahlen.
Ebenfalls ganz neu im Portfolio ist Avantor, ein Anbieter von Produkten und Dienstleistungen im Bereich Biopharma, Gesundheitswesen, Bildung und Behörden und die Neuerwerbung GCI Liberty bietet über seine hundertprozentige Tochtergesellschaft unter der Marke GCI eine umfassende Palette an Daten-, Mobilfunk-, Video-, Sprach- und Managed Services für Privatkunden, Unternehmen, Behörden sowie Bildungs- und medizinische Einrichtungen in Alaska an.
Zu seinem Engagement bei GCI Liberty erklärte Mason Hawkins: "Wir haben GCI gekauft, nachdem es im Juli von Liberty Broadband abgespalten wurde. GCI ist sowohl im Privatkunden- als auch im Unternehmensbereich der Breitbandmarktführer in Alaska und verfügt darüber hinaus über das zweitgrößte Mobilfunknetz. Aufgrund der Lage, des Klimas und der Topografie Alaskas sind die Vermögenswerte des Unternehmens im Wesentlichen nicht reproduzierbar. Eine Kombination aus attraktiven Steuervorteilen durch die Ausgliederung und einem Geschäft, das in naher Zukunft einen erheblichen freien Cashflow generieren wird, könnte GCI zur nächsten Version von Liberty Media machen".
Zudem stockte er seinen Bestand an PotlatchDeltic um 123 % auf. Getrennt hat sich Hawkins im Gegenzug von HF Sinclair und Millicom International Cellular, die bereits im Vorquartal um ein Drittel bzw. die Hälfte reduziert worden waren. Zudem flog das führende US-Heimwerkerportal Angi aus seinem Portfolio, wo es dank des Spin-offs durch die Mutter IAC gelandet war. Des Weiteren steht Hyatt Hotels kurz vor dem Exitus nach einem Anteilsverkauf um 97 % und bei Melco Resorts and Entertainment baute Hawkins seine Position um 69 % ab und bei PVH um 32 %.
Beim Zahlungsdino PayPal stutzte Mason Hawkins nur ganz moderat. Das Unternehmen steht schon länger unter Druck, weil das Wachstum stagniert und man technologisch den Anschluss verpasst zu haben scheint. Vor zweieinhalb Jahren wurde mit Alex Chriss ein neuer CEO ernannt und der krempelte das Unternehmen völlig um. Der Fokus lag wieder auf Innovation, Profitabilität und Kundenerfahrung, doch die Umsätze blieben hinter den Erwartungen zurück und die jüngsten Quartalszahlen sorgten für einen ohrenbetäubenden Aufschrei.
PayPal steigerte den Umsatz im 2025er Schlussquartal im Jahresvergleich um 4 % 8,7 Mrd. USD und das bereinigte Ergebnis je Aktie um 3 % auf 1,23 USD. Nachdem der Konzern das Gewinnziel im Jahresverlauf zweimal angehoben hatte, verfehlte PayPal nun auf Jahressicht die Prognosespanne beim bereinigten Ergebnis je Aktie – und das, obwohl die rund 6 Mrd. USD, die man pro Jahr an freiem Cashflow einspielt, beinahe vollständig in Aktienrückkäufe fließen.
Das Unternehmen feuerte daraufhin CEO Alex Chriss. Und dabei ging es nicht um die Zahlen selbst, sondern einige Entwicklungen hinter den Zahlen. Man verliert im Bereich Branded Checkout weiter an Boden und obwohl die Zahl der Transaktionen gestiegen ist und ebenso die Transaktionsmarge, sank die Zahl der Transaktionen je aktivem Kunden und annähernd 5 %. Die zahlreichen transformativen Impulse, die Alex Chriss seit zwei Jahren in die Wege geleitet hat, zahlen sich bisher nicht wie erhofft aus. Und das Board hat angesichts des immer weiter abschmelzenden Aktienkurses nun die Reißleine gezogen: "Im Jahr 2025 hat PayPal in mehreren Geschäftsbereichen eine solide Leistung erzielt. Wir konnten Umsatz, Transaktionsmarge und Gewinn pro Aktie steigern und damit die Stärke unserer zunehmend diversifizierten Plattform unterstreichen. Gleichzeitig war unsere Umsetzung insbesondere im Bereich Branded Checkout noch nicht ganz zufriedenstellend. Wie heute bekanntgegeben, spiegelt die Ernennung von Enrique Lores zum nächsten Präsidenten und CEO von PayPal durch den Vorstand das klare Bekenntnis zur Stärkung der Umsetzung, Innovation und Ergebnisse wider. Wir sind uns völlig einig über den Weg in die Zukunft, während PayPal in die nächste Wachstumsphase eintritt."
Enrique Lores ist kein Unbekannter, denn er führte jahrelang HP Enterprises. Aber er ist – nach Dan Schulman und Alex Chriss, erneut kein Experte im Bereich Zahlungswesen, sondern eher bekannt für maximale Kostenkontrolle und Effizienz. Und das sind nicht unbedingt die Stellschrauben, um PayPal wieder in die Erfolgsspur zurückzubringen.
So sieht dies auch der ehemalige PayPal-Präsident David Marcus, der CEO und Gründer des Zahlungsdienstleisters Lightspark ist, der in einigen Bereichen mit PayPal konkurriert. Marcus sagte, er habe sich nach seinem Weggang von PayPal zu Facebook vor 12 Jahren (inmitten "tiefer Frustration”) zurückgehalten, aber die jüngsten Entwicklungen hätten ihn dazu veranlasst, sich zu äußern, da "das Muster, das ich beobachtet habe, sich nicht von selbst korrigiert”.
Und die Kritik von Marcus hat es in sich: "Ich behaupte nicht, dass ich jede Entscheidung anders getroffen hätte. Die Leitung eines börsennotierten Unternehmens in dieser Größenordnung ist mit Kompromissen verbunden, die ich nach meinem Ausscheiden nicht mehr eingehen musste. Aber das Muster, immer wieder Vorhersehbarkeit gegenüber Plattformrisiken zu bevorzugen, war eine Entscheidung und keine Unvermeidbarkeit. (…) Im Laufe der Zeit verlor das Unternehmen, das alle Vorteile hatte und das bedeutendste und relevanteste Zahlungsunternehmen unserer Zeit hätte werden können, sein Mojo, seinen Produktvorteil und seine Wettbewerbsfähigkeit in einem Markt, der vor unseren Augen neu gestaltet und erfunden wird."
Marcus hob zudem die seiner Meinung nach größten Probleme der letzten Jahre hervor, darunter den Verlust der Fähigkeit von PayPal, Kunden zu bankfinanzierten Transaktionen zu lenken, und den Rückgang des Anteils an Checkouts unter den profitabelsten Kunden, wobei sich "das gleiche Muster" bei Krediten, buy now pay later und neuen Transaktionswegen wiederholte. Er äußerte sich auch zur Unternehmensführung und sagte, der scheidende CEO Alex Chriss "kam aus der Softwarebranche, nicht aus dem Zahlungsverkehr” und "hatte keine Muskelgedächtnis für Transaktionsökonomie, Netzwerkeffekte oder Abwicklungsinfrastruktur”, und dass der neue CEO Enrique Lores "vielleicht eine großartiger Führungskraft ist, aber zumindest auf dem Papier ist er ein Hardware-Manager. Für ein Zahlungsunternehmen.”
Der Aktienkurs quittierte die Entwicklung mit einem Einbruch um 20 % und markierte ein neues Allzeittief. Seit der Abspaltung vom Internetauktionshaus Ebay Mitte 2015 hatte sich PayPal als Zahlungsstandard im Internet etablieren können und während der Corona-Pandemie schien es keine Grenzen mehr zu geben. Die Marktkapitalisierung erreichte 2021 in der Spitze 350 Mrd. USD bei einem Aktienkurs jenseits der 300 USD. Aktuell sind es noch 38 Mrd. USD bei einem Aktienkurs von lediglich noch 41 USD. Alleine in den letzten 12 Monaten erodierte der Kurs um 41 % und positive Impulse sind momentan kaum zu erkennen. Abgesehen von dem weiterhin enormen Free Cashflow von 6 Mrd. USD pro Jahr, für den PayPal nun noch mehr eigene Aktien zurückkaufen kann – immerhin 15 % der ausstehenden Aktien. Pro Jahr. Aber das alleine dürfte kaum ausreichen, um das Ruder herumzureißen.
In Hawkins Portfolio hatte PayPal Ende September eine Gewichtung von 1,9 % und der Schaden hält sich damit in Grenzen. Eine Erfolgsgeschichte ist PayPal allerdings nicht, auch nicht für Mason Hawkins.

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox
Top Positionen zum Ende des 3. Quartals 2025
Im letzten Quartal sank Hawkins Portfoliowert marginal von 1,98 auf 1,96 Mrd. USD. Die drei größten Beteiligungen machen rund 21 % aus, während es die fünf Schwergewichte auf gut 30 % bringen.
An der Spitze von Hawkins Portfolio halten sich zyklischen Konsumwerte mit einer Gewichtung von 21,5 % vor defensiven Konsumwerten mit 14 %, Immobilienunternehmen mit 13 %, Kommunikationsdiensten mit 11,5 % und dem Gesundheitssektor mit 11 %. Es schließen sich Industriewerte mit 9,5 % an vor Energieunternehmen, die es noch auf 8 % bringen nach zuvor 11 %. Schlusslichter bilden Technologiewerte mit 6 %, Finanzunternehmen mit 5 % und Rohstoffwerte mit 1 %.

An der Spitze des Portfolios bleibt unangefochten das Erdgasunternehmen CNX Resources, an dem Hawkins über 3,5 % der Anteile hält.
Auf Rang zwei folgt erneut Mattel. Zu seinem Engagement bei dem Hersteller von Kinderspielzeug, Medien und Konsumgütern erklärte Hawkins: "Das Unternehmen befindet sich in der stärksten Position seit über 10 Jahren und verfügt über mehrere Möglichkeiten, erfolgreich zu sein. Über 80 % des Wertes von Mattel stammen aus wachsenden Marken wie Hot Wheels, Barbie und UNO. Mattel verfügt über eine starke Bilanz, die 2025 Aktienrückkäufe im Wert von 600 Mio. USD ermöglichte, und wir gehen davon aus, dass 2026 weitere Aktienrückkäufe zu diesen reduzierten Preisen erfolgen werden. Grundsätzlich wächst das Spielzeuggeschäft weiter und die Bruttomargen bleiben mit 50 % stark. Mattel hat vielversprechende Aussichten für 2026 im Bereich des eigenen geistigen Eigentums, da die Filme "Masters of the Universe" und "Matchbox" sowie zwei Videospiele veröffentlicht werden".
Neuer Drittplatzierter ist die Neuerwebung Rayonier und neuer Vierter Ketchup-König Kraft Heinz. Das Unternehmen ist seit seinem Zusammenschluss chronisch erfolglos und will sich nun wieder aufspalten. Das stößt nicht auf Gegenliebe des größten Aktionärs Warren Buffett, und unmittelbar nach dessen Verabschiedung in den (Un-)Ruhestand am Jahresende, meldete Berkshire Hathaway der Börsenaufsicht seine Absicht, den größten Teil seiner Kraft Heinz-Aktien sukzessive zu verkaufen.
Um zwei Ränge auf den fünften Platz abgerutscht ist IAC. Der Incubator hat so erfolgreiche Unternehmen wie Expadia, HSN Home Shopping Network, Ticketmaster, Interval, LendingTree, Expedia, die Tinder-Mutter Match Group oder die "Kreativcommunity" Vimeo aufgebaut und dann via Spin-off an seine Aktionäre verschenkt. Und dies tat man zuletzt auch mit der größten Beteiligung Angi, dem in den USA führenden Heimwerkerportal. Doch so richtig in die Gänge kommt das einstige Erfolgsunternehmen schon seit einigen Jahren nicht mehr und der Aktienkurs zeichnet dieses traurige Bild adäquat nach.
Es schließt sich FedEx an vor der zweiten Neuerwerbung PotlatchDeltic, Albertsons, Regeneron Pharmaceuticals und PVH, die vom fünften auf den zehnten Rang durchgereicht wurden. Für PayPal reichte es auch hier nicht zu einem Spitzenplatz…
Bildherkunft: AdobeStock_294621290
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