Uniabbrecher, Skilehrer, Lieferwagenfahrer und dann Milliardär – Nelson Peltz

Es ist wahrlich eine bemerkenswerte Geschichte, wie sich ein Mann in seinen 20er Jahren mit einem Wochenlohn von mageren $100,00 zu einem der reichsten Amerikaner hocharbeiten konnte. Lesen Sie hier die Geschichte des Selfmade Milliardärs Nelson Peltz.

nelson-peltz-007Nelson Peltz wurde am 24. Juni 1942 in Brooklyn, New York, als Sohn des jüdischen Ehepaares Claire und Maurice Herbert Peltz geboren. Über seine Kinder- und Jugendzeit ist nichts bekannt. Zu Beginn der 1960er Jahre schrieb sich der junge Mann an der renommierten Wharton School der University of Pennsylvania ein. Zum Unmut seiner Eltern schmiss er aber 1963 das Wirtschaftsstudium, um seinem Traum nachzugehen und Skilehrer in Oregon zu werden. Traumhaft schien diese Erfahrung allerdings nicht gewesen zu sein, denn bereits ein Jahr später kehrte Peltz zurück und begann im Familiengeschäft zu arbeiten. Sein Großvater Adolph gründete 1896 A. Peltz & Sons, ein Nahrungsmittelliefergeschäft für Restaurants. Die Firma wurde zu diesem Zeitpunkt von seinem Vater geführt und Nelson begann als Lieferwagenfahrer. Er lieferte täglich frische und gefrorene Produkte an New Yorker Restaurants aus. Sein Gehalt belief sich auf $100,00 pro Woche; selbst für die 1960er ein magerer Verdienst.

Sein Vater Maurice erkannte, dass Nelson und sein Bruder Robert großes Geschick an den Tag legten und ließ den Geschwistern immer mehr Freiraum bei der operativen Leitung des Geschäfts. Die Brüder sorgten für eine rapide Expansion in wenigen Jahren. Ständig kauften sie kleinere Konkurrenten auf und weiteten die Geschäftstätigkeiten auf die Produktion von Lebensmitteln aus. 1972 suchten die Brüder dann den Exit und brachten das ehemals kleine Familienunternehmen unter dem Namen Flagstaff Corp. an die Börse. Die Firma hatte im IPO-Jahr einen Umsatz von $150 Mio.
(1982 meldete Flagstaff Insolvenz an und Nelsons Bruder Robert kaufte die Assets des ursprünglichen Familienunternehmens aus der Insolvenzmasse heraus. So endeten die Geschäftsbeziehungen der Brüder.)

Morgenluft

Während es Robert Peltz gut kapitalisiert etwas ruhiger angehen ließ, hatte Nelson Blut geleckt. Im Stil eines Corporate Raiders wie Carl Icahn suchte der Uniabbrecher nach Unternehmen oder Unternehmensteilen, die er für unterbewertet hielt und günstig aufkaufen konnte. Diese Akquisitionen restrukturierte er dann und veräußerte sie im Anschluss wieder – nach Möglichkeit zu einem Vielfachen des Kaufpreises. So kauften Peltz und sein Partner Peter May (ehemaliger CFO bei Flagstaff) 1983 Anteile am Warenautomatenhersteller Triangle Industries. Die Marktkapitalisierung von Triangle belief sich zu diesem Zeitpunkt auf $80 Mio.. Peltz ließ sich zum Vorstandsvorsitzenden wählen und bestieg den Posten des CEO. Er trimmte den Maschinenhersteller auf Wachstum. 1988 folgte der Exit. Die Aktien von Triangle hatten beim Verkauf an Pechiney einen Marktwert von über $4 Mrd.
Als Lehrbeispiel für die renommierte Harvard Business School diente lange Jahre ein Peltz-Deal aus der Getränkeindustrie. So kaufte er 1997 zusammen mit May den Getränkehersteller Snapple für $300 Mio. von Quaker Oats und restrukturierte das Unternehmen. 2000 veräußerte er Snapple an das Großunternehmen Cadbury Schweppes für $1,4 Mrd.
Seine Deals finanzierte Peltz zumeist über Junk Bonds. Er sammelte also Fremdkapital mit hochverzinsten Anleihen ein, arbeitete mit dem Geld und zahlte nach Abschluss seiner Deals die Gläubiger aus.

Trian Fund Management

2005 gründeten Peltz, May und Ed Garden den Hedge Fund Trian Fund Management, der noch heute Bestand hat. Trian tritt in der Regel als aktivistischer Investor auf. Dabei analysieren Peltz und sein Team zuerst ein potentielles Investitionsobjekt. In der Regel ist das ein Unternehmen mit starken Marken, welches im Branchenvergleich zurückgefallen ist und nach Möglichkeit aus der Nahrungsmittel- oder Verbrauchsgüterindustrie kommt. Ist ein solches Unternehmen identifiziert, erfolgt der Einstieg und die anschließende Annäherung an den Vorstand. Dabei haben Peltz & Co. stets einen Plan parat, wie die aktuellen Probleme des Unternehmens gelöst werden könnten. Peltz oder einer seiner Mitstreiter bekleiden dann zumeist Positionen im Aufsichtsrat und bestimmen aktiv über die Geschicke des Unternehmens mit.
Das Portfolio von Trian ist stets fokussiert. Aktuell besteht es aus neun Positionen. Auf der Internetseite von Trian kann man sich alle aktuellen und vergangenen Engagements des Hedge Funds ansehen. Ebenfalls dort aufgeführt sind die Motive, die zum Einstieg geführt haben sowie die Verbesserungen, die man erreichen konnte bzw. zu erreichen hofft. Ziel von Peltz und Kollegen ist es stets, den Umsatz zu erhöhen und die Kosten zu senken. Der Fokus der Restrukturierungsbemühungen liegt also ganz klar auf der Gewinn- und Verlustrechnung und nicht zwangsläufig auf der Bilanz.

Auch wenn Nelson Peltz und sein Hedge Fund Trian keine gängigen Namen in deutschen Haushalten sind, so sind die Errungenschaften doch international bekannt. Zum Beispiel trägt der Zusammenschluss von DuPont und Dow Chemical die Handschrift von Peltz, ebenso wie die geplante Aufspaltung in drei separate Unternehmen. Außerdem sorgte er für die Aufspaltung von Kraft in Kraft Foods und Mondelez.
Die aktuell größten Positionen von Trian sind Procter & Gamble und General Electric. Besonders der GE-Deal steht bisher unter keinen guten Vorzeichen. Der Einstieg erfolgte 2015, als man 71 Mio. Aktien des Industrieriesen erwarb. Heute liegt Trian damit mehr als 50% hinten. Peltz und Co. glauben aber nach wie vor an den Turnaround und hegen keine Pläne, ihre Anteile zu veräußern. Schließlich holte man mit Larry Culp einen ausgewiesenen Experten in Sachen Restrukturierung an Bord.
Trotz des GE-Debakels kann sich der Track Record von Trian mehr als nur sehen lassen. Die jährliche durchschnittliche Rendite beläuft sich auf 11,9% seit Gründung. In den letzten drei Jahren waren allerdings nur noch 6,5%.

Peltz privat

Nelson Peltz trat in seinem Leben bereits dreimal vor den Traualtar. Aus den ersten beiden Ehen hat er jeweils ein Kind. Mit seiner jetzigen Ehefrau, dem ehemaligen Model Claudia Heffner, hat er bemerkenswerte 8 Kinder in die Welt gesetzt. Seine Körpergröße fällt mit 1,65 m eher klein aus, ganz im Gegensatz zu seinem Bankkonto: Forbes schätzt sein Privatvermögen auf $1,6 Mrd.
Peltz‘ jüngster Deal ist übrigens einen Blick wert, sofern man risikoreiche und disruptive Investitionen mag: im März 2019 gab der kanadische Cannabisproduzent Aurora bekannt, dass man Nelson Peltz als strategischen Berater gewinnen konnte. Ferner wurde ihm ein Optionsrecht eingeräumt, 20 Mio. Aurora-Aktien zu CAD 10,34 zu erwerben.

Zitate

- „Diversifizierung ist etwas für Menschen ohne Urteilsvermögen.“
- „Unser Ziel ist es, mit dem Management zusammenzuarbeiten, nicht es zu ersetzen.“
- „Man soll das komplette Research machen, aber trotzdem auf seinen Bauch hören.“
- „Was wir zum Leben brauchen, finden wir auf dem Income Statement.“
- „Die Industriellen des 19. Jahrhunderts waren hoch bezahlt und wurden scharf kritisiert. Ich glaube, wir müssen dasselbe Schicksal ertragen.“
- „Ich habe früher jeden Jahresbericht gelesen, den ich in meine Finger bekam.“
- „Wir versuchen Unternehmen, gute Unternehmen, zu finden, die ihr Potenzial nicht komplett ausschöpfen.“
- „Unser Erfolgsgeheimnis ist gesunder Menschenverstand. Wir haben nichts erfunden.“
- „Ich habe von mir erwartet, große Dinge zu erreichen, und ich wüsste nicht, was ich Großartiges erreicht habe. Ich glaube nicht, dass einzig und allein Geld zu verdienen, eine große Leistung ist.“
- „Unser Timing ist keinesfalls perfekt. Manchmal dauert es etwas länger, Wert zu schaffen. Aber wenn das Unternehmen mehr Gewinn einfährt, spiegelt sich das letztendlich auch im Aktienkurs wieder.“
- „Wir investieren dort, wo wir einen wirklichen Plan haben, wie man das Unternehmen flott machen kann.“
- „Die drei Hauptzutaten sind: Erstens, Unternehmen, die zu günstigen Multiples notieren, Zweitens, die offensichtlich nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen und Drittens, wo wir einen Plan liefern können, um den Gewinn substanziell zu steigern.“
- „Wir können nicht brillant im Hinblick auf 50 Unternehmen sein, aber wir können ziemlich clever sein, was sechs bis acht Unternehmen anbelangt.“
- „Wir mögen große Dividendenzahler und Unternehmen mit hoher Bonität. Solche Firmen fangen sich keinen Schnupfen ein und sterben einfach.“
- „Den größten Teil meiner Karriere verbrachte ich damit, Firmen zu führen oder zu reparieren, und nicht damit, auf einen Bloomberg-Bildschirm zu starren.“
- „Weißt du, welchen Ausdruck man nicht mehr hört? Arbitrage. Die Märkte sind zu effizient geworden.“
- „Ich hasse den Namen Mondelez. Das klingt wie eine Krankheit.“