Zwei spannende US-Börsenneulinge für die Watchliste!

Marius Müllerhoff ist als freier Redakteur beschäftigt. Artikel von freien Redakteuren stellen deren eigene Meinung dar und müssen mit der von aktien nicht korrespondieren.

Legence - Profilierter Dienstleister für den KI-Infrastrukturboom steht am Allzeithoch

Legence Corp. (LGN) hat sich als bedeutender Akteur im Bereich der nachhaltigen Gebäudeinfrastruktur etabliert. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1906 zurück, als es unter dem Namen Therma in Kalifornien gegründet wurde. Nach der Übernahme durch den Finanzinvestor Blackstone im Jahr 2020 und einer umfassenden Expansionsphase folgte im September 2025 der Börsengang (IPO).

Das Geschäftsmodell konzentriert sich auf die Planung, Installation und Wartung hochkomplexer Gebäudesysteme. Hierzu zählen vor allem "HVAC" (Heating, Ventilation and Air Conditioning) bzw. Heizung, Lüftung und Klimatisierung sowie "MEP" (Mechanical, Electrical and Plumbing) bzw. Mechanik, Elektrik und Sanitär. Die Einnahmen stammen aus Dienstleistungen für funktionskritische Infrastrukturen wie Rechenzentren, Labore der Biowissenschaften und Krankenhäuser, wobei über 60 Prozent der Unternehmen im Nasdaq-100-Index zum Kundenstamm gehören. Im Wettbewerbsumfeld misst sich Legence vor allem mit Branchengrößen wie Johnson Controls und spezialisierten Firmen wie Limbach Holdings.

Die Story, die der Markt vermutlich aktuell bei Legence spielt, ist, dass das Unternehmen zu einem großen Profiteur des KI-Infrastrukturbooms gehört. Denn dieser Boom basiert physisch auf leistungsstarken GPU, die in riesigen Rechenzentren enorme Mengen an Wärme erzeugen. Legence hat sich hier als einer der profiliertesten Dienstleister positioniert. So ist das Unternehmen auf die komplexesten Aspekte dieser Infrastruktur spezialisiert: das Thermomanagement und die Energieeffizienz. Während klassische Bürogebäude Standardlösungen erfordern, benötigen KI-Rechenzentren hochspezialisierte "MEP"-Systeme. Da die Leistungsdichte pro Server-Rack durch KI-Anwendungen massiv ansteigt, stoßen herkömmliche Luftkühlungen an ihre Grenzen. Legence bietet hierfür fortschrittliche Lösungen wie die Flüssigkeitskühlung an, die für den stabilen Betrieb von Hochleistungsrechnern essenziell ist. Das Unternehmen agiert somit als "Schaufelverkäufer" im KI-Goldrausch, da keine neue Rechenkapazität ohne die entsprechende Kühl- und Strominfrastruktur entstehen kann.

Die ersten Quartalszahlen nach dem IPO wurden am 14. November vorgelegt. Das Unternehmen meldete für das dritte Quartal 2025 einen Umsatz von 708 Mio. US-Dollar, was einer Steigerung von 26 % im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht und die Erwartungen des Marktes übertraf. Der "EPS" (Earnings per Share) bzw. Gewinn je Aktie lag bei 0,16 US-Dollar und übertraf damit ebenfalls die Analystenschätzungen. Besonders positiv entwickelte sich der Auftragsbestand, der um 29 % auf 3,1 Mrd. US-Dollar anwuchs. Für das Geschäftsjahr 2026 gab das Management eine Prognose für den Umsatz in einer Spanne von 2,65 bis 2,85 Mrd. US-Dollar ab. Ein wesentlicher Meilenstein war zudem der Abschluss der Übernahme der Bowers Group, welche die Marktposition im Bereich der Wartungsdienste weiter festigt. Die Aktie eröffnete mit einem Gap Up von 5 % und schoss im Hoch auf bis zu gut 26 % nach oben.

Das KUV (2027) liegt bei 1,5. Das ist nicht teuer, wenn man das Wachstum berücksichtigt. Das KGV (2027) beläuft sich aktuell auf 47,3. Das ist eine sportliche Bewertung.

Im Unterschied zu der überwältigenden Mehrheit der jüngsten IPO-Aktien, befindet sich Legence am Allzeithoch. Diese relative Stärke im IPO-Bereich ist extrem bullisch. Aus Tradersicht bietet es sich an, auf eine Seitwärtskonsolidierung zu warten und dann den Ausbruch aus dieser Konsolidierung zu handeln.

Legence Chart

Quellen: https://desk.traderfox.com/

Medline - Medizintechnik- und Logistikkonzern steht knapp unter Allzeithoch

Medline (MDLN) hat sich in den letzten Jahrzehnten von einem kleinen Hersteller von OP-Kitteln zu einem der weltweit führenden Anbieter medizinischer Bedarfsgüter entwickelt.

Gegründet wurde Medline im Jahr 1966 von James und Jon Mills, nachdem Vorgängerfirmen bereits seit 1910 operierten. Jahrzehntelang wuchs das Unternehmen organisch und durch Logistik-Expansion. Im Jahr 2021 übernahm ein Konsortium aus Private-Equity-Gesellschaften wie Blackstone, Carlyle und Hellman & Friedman eine Mehrheitsbeteiligung in einer der größten Leveraged-Buyout-Transaktionen der Branche. Am 17. Dezember 2025 erfolgte der IPO an der Nasdaq.

Das Geschäftsmodell ist zweigeteilt: Medline stellt selbst medizinische Produkte her – von Einmalhandschuhen über chirurgische Instrumente bis hin zu Wundversorgung – und vertreibt diese direkt an Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen. Diese kombinierte Rolle als Hersteller und Händler verschafft dem Unternehmen klare Kostenvorteile. In einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld behauptet sich Medline erfolgreich gegen etablierte Branchengrößen wie Cardinal Health und Henry Schein.

Das KUV (2027) beläuft sich auf 1,1. Das KGV (2027) beträgt 27,7.

Die Chancen für Medline liegen vor allem im demografischen Wandel und der damit verbundenen steigenden Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen

Die ersten Quartalszahlen seit dem IPO wurden 25. Februar vorgelegt. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025 erzielte Medline einen Umsatz von 6,1 Mrd. US-Dollar, was einer Steigerung von 9 % gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Damit wurden die Erwartungen der Analysten von 5,9 Mrd. US-Dollar übertroffen. Auch beim "EPS" konnte das Unternehmen glänzen: Mit 0,85 US-Dollar lag das Ergebnis über dem Vorjahreswert von 0,78 US-Dollar und übertraf die Marktschätzung von 0,81 US-Dollar. Für das kommende Geschäftsjahr gab das Management eine optimistische Prognose ab und rechnet mit einem Gesamtumsatz zwischen 25 und 26 Mrd. US-Dollar. Trotz dieser erfreulichen Zahlen reagierte die Aktie sehr volatile. Zunächst kam es zu einem Gap Down von gut -5 %. Dann schoss sie nach oben und markierte ein neues Allzeithoch. Letztlich schloss die Aktie den Tag mit -3,7 % ab. Aktuell befindet sie sich unter dem gleitenden 20 Tagedurchschnitt. Ich würde mir wünschen, dass die Aktie es wieder über den 20 Tagedurchschnitt schafft und für eine Weile seitwärts konsolidiert. Dem Ausbruch aus dieser Konsolidierung kann gefolgt werden.

Medline Chart

Quellen: https://desk.traderfox.com/


Bildherkunft: AdobeStock_1916015543

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