Allianz: Operatives Rekordergebnis von 17,4 Mrd. Euro trifft auf konservative Prognose!

Die Allianz hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem neuen Höchstwert beim operativen Ergebnis abgeschlossen, sieht sich an der Börse jedoch mit einer verhaltenen Reaktion konfrontiert. Der Münchener Versicherungskonzern steigerte sein operatives Ergebnis um 8 % auf 17,4 Mrd. Euro und erreichte damit das obere Ende der eigenen Zielspanne. Dennoch notiert die Aktie im frühen Donnerstagshandel rund 2 % im Minus, da Marktteilnehmer den Ausblick für 2026 als wenig ambitioniert bewerten. Das Management begegnet dieser Skepsis mit einer massiven Ausschüttungspolitik. Neben einer Erhöhung der Dividende auf 17,10 Euro je Aktie kündigte der Konzern ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 2,5 Mrd. Euro an, das zwischen März und Jahresende 2026 durchgeführt werden soll.

Ein massives Aktienrückkaufprogramm und eine Solvenzquote von 218 % unterstreichen die finanzielle Stärke des Konzerns

Die Kapitalstärke des Dax-Konzerns präsentiert sich dabei so robust wie selten zuvor. Die Solvenzquote, ein zentraler Indikator für die Krisenfestigkeit, lag zum Bilanzstichtag bei 218 % und damit deutlich über dem internen Zielkorridor von 180 %. Diese Substanz ermöglicht das größte Rückkaufprogramm seit 2017. Philip Kett, Analyst bei Jefferies, hob hervor, dass das angekündigte Volumen die Konsensschätzungen um fast 30 % übertreffe. Konzernchef Oliver Bäte sieht in den Zahlen einen Beleg für die Widerstandskraft des Geschäftsmodells: "Unsere Leistungsfähigkeit geht weit über unsere finanzielle Disziplin und operative Resilienz hinaus." Er betonte zudem, dass die Allianz auch in einem "sich schnell ändernden und zunehmend polarisierten Umfeld" ihre Versprechen verlässlich einlöse. Dennoch offenbarten die Detailergebnisse des 4. Quartals, in dem 4,3 Mrd. Euro operativer Gewinn erzielt wurden, in einzelnen Segmenten Schwächen, die unter den Erwartungen der Analysten blieben.

Während das Schaden- und Unfallgeschäft von weniger Naturkatastrophen profitiert, treibt Allianz Partners die Effizienz durch Künstliche Intelligenz voran

Strategisch und operativ zeigten sich im abgelaufenen Jahr deutliche Verschiebungen innerhalb der Sparten. Das Schaden- und Unfallgeschäft fungierte als wesentlicher Ertragsbringer, begünstigt durch eine geringere Belastung aus Naturkatastrophen. Im hart umkämpften deutschen Kfz-Versicherungsmarkt gelang es der Allianz, den Bestand an Neuverträgen um 12 % zu steigern. In Großbritannien hingegen verzichtete der Konzern zugunsten der Profitabilität auf Volumenwachstum. Technologische Neuerungen treiben insbesondere die Einheit Allianz Partners an: Hier wird verstärkt auf Künstliche Intelligenz zur Effizienzsteigerung gesetzt, was perspektivisch auch Stellenanpassungen beinhaltet, sich aber bereits positiv im Segmentergebnis niederschlug. Auch die Vermögensverwaltung erzielte Bestwerte: Das für Dritte verwaltete Vermögen erreichte zum 31. Dezember 2025 den Rekordwert von 1,99 Bio. Euro, getrieben durch Nettomittelzuflüsse von 139 Mrd. Euro.

Mit einem Jahresüberschuss von 11,1 Mrd. Euro übertrifft der Konzern die Vorjahreswerte erheblich

Das gesamte Geschäftsvolumen der Allianz – bestehend aus Prämien und Gebühren – wuchs um 8 % auf 186,9 Mrd. Euro. Der Jahresüberschuss für die Anteilseigner kletterte um rund 11 % auf 11,1 Mrd. Euro. Kritischer Punkt für Investoren ist jedoch die Guidance: Für das Geschäftsjahr 2026 prognostiziert die Allianz erneut ein operatives Ergebnis von 17,4 Mrd. Euro, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 1 Mrd. Euro. Analyst Ben Cohen von RBC Capital Markets bezeichnete diesen Ausblick als "enttäuschend", da er Spielraum für ein Ziel von 18 Mrd. Euro gesehen habe.

Die operative Stärke und die hohe Ausschüttung kompensieren das fehlende Gewinnwachstum in der Prognose für 2026

Das Jahresergebnis 2025 dokumentiert eine Diskrepanz zwischen operativer Ist-Stärke und vorsichtiger Zukunftserwartung. Während die Schaden-Kosten-Quote von 92,2 % im Sachgeschäft und die Rekordzuflüsse im Asset Management eine hohe Wettbewerbsfähigkeit beweisen, signalisiert die Prognose für 2026 Stagnation auf hohem Niveau. Die Anhebung der Dividende um 1,70 Euro auf 17,10 Euro sowie der Rückkauf von 2,5 Mrd. Euro an eigenen Aktien fungieren in diesem Kontext als direkter Ausgleich für das fehlende prognostizierte Gewinnwachstum im kommenden Jahr.


Bildherkunft: AdobeStock_1918409746