Amazon launcht neue Sprachassistentin Alexa mit eigener Persönlichkeit

Die Sprachassistentin Alexa ist eines der am weitesten verbreiteten Produkte von Amazon. Seit ihrer Einführung im Jahr 2014 hat sie weltweit auf 600 Mio. Geräten Einzug gehalten, was allein im vergangenen Jahr einer Zunahme von 20 % entsprach. Nun hat Amazon eine neue Version von Alexa auf den Markt gebracht. Sie kann wie ein menschlicher Dialogpartner individuell auf den Nutzer eingehen.

Die neue Alexa lernt ihre Nutzer kennen und geht individuell auf sie ein

Die bisherige Alexa konnte lediglich mit Befehlen, die vorher definiert waren, gesteuert werden und auch ihre Antworten waren holzschnittartig von ihren Erfindern vorformuliert. Ein komplexer Dialog oder eine von den Entwicklern nicht antizipierte Anfrage überforderten die Sprachassistentin. Spätestens mit dem Aufkommen generativer KI-Modelle wie OpenAIs GPT war Alexa veraltet. Doch gestern erfolgte der Neustart. In New York stellte der Amazon-Gerätechef Panos Panay eine neue Alexa vor, die über erheblich mehr Kompetenzen verfügt.

Mit der neuen Alexa lassen sich Texte wie Bilder generieren, Dialoge ohne Unterbrechung führen und differenzierte Bestellungen aufgeben. Doch damit nicht genug: Die neue Alexa lernt ihre Nutzer quasi kennen. So memoriert sie ihre Vorlieben und speichert es ab, wenn sie den Namen ihrer Familienmitglieder genannt haben. Sie erkennt jeden ihrer Nutzer an seiner Stimme und kann ihre Reaktion individuell auf ihn abstimmen. Wenn der Nutzer es zulässt, dass Alexa mit seinem Smartphone konnektiert wird, verwaltet Alexa für ihn die dort gespeicherten SMS und Termine. Und auch wenn der Nutzer seinen Befehl während der Eingabe plötzlich verändert, stellt dies kein Hindernis mehr für Alexa dar. Sie denkt mit und reagiert umgehend. Die Entwicklung des Smart Homes schreitet mit der neuen Alexa ebenfalls voran. In Verbindung mit den Sicherheitskameras der Firma Ring, die ebenfalls dem Amazon-Konzern angehört, kann Alexa nun nach einer Abwesenheit der Bewohner Auskunft darüber geben, wann eine Lieferung eintraf, oder ob jemand den Hund ausgeführt hat. Und während der Anwesenheit der Bewohner kann die Steuerung des Smart Homes punktgenau gestaltet werden. Wenn die Kinder zum Beispiel im Wohnzimmer ein Hörspiel oder Musik hören, ihre Eltern aber schlafen möchten, wird der Ton im Wohnzimmer zugeschaltet, aber für das Schlafzimmer der Eltern deaktiviert.

Jetzt zieht Alexa mit aktuellen Chatbots gleich

Überhaupt rücken Kinder mehr in das Blickfeld der neuen Generation von Alexa. So kann sie, ausgehend von einer einfachen Beschreibung, dazu gehörende Bilder generieren. Und den Erwachsenen hilft sie bei der Analyse von Nachrichten und Dokumenten. Diese Fähigkeiten basieren auf der Technologie des KI-Start-ups Anthropic und lassen Alexa nun mit aktuellen Chatbots gleichziehen. Der Produktvorstand von Anthropic, Mike Krieger, betont, dass man es sich zum Ziel gesetzt hatte, "Alexa eine eigene Persönlichkeit" zu geben. Wie hoch genau der Anteil von Anthropic, auf den Alexa zugreift, zu beziffern ist, ließ Amazon allerdings offen. Sicher sei nur, dass Alexa sich gleichzeitig verschiedener KI-Modelle bedient.

Alexa will für ihre Nutzer der "beste Freund für die digitale Welt" werden

Für die Apps von Drittanbietern ist Alexa offen. Sie können einfach an die innovative Plattform andocken, um dann von Alexa koordiniert zu werden. Dies eröffnet Alexa ein großes Marktpotenzial, da andere Apps in ihr System integriert und ihrer Steuerung untergeordnet werden können. Für die Drittanbieter, die keine Schnittstelle für Alexa im Angebot haben, werden KI-Agenten zur Hilfe herangezogen. Diese agieren dann, zentral gesteuert von Alexa, im Auftrag des Nutzers. Für Prime-Kunden ist Alexa kostenlos. Ihnen empfiehlt Alexa sich als "bester Freund für die digitale Welt."

Der aktuelle Kurs des Papiers von Amazon könnte sich als gute Kaufgelegenheit anbieten

In den vergangenen vier Wochen ist die Aktie von Amazon von einem Hoch bei knapp 234 Euro auf fast 195 Euro zurückgefallen. Doch seit dem 25. Februar zeigt sich eine bullische Umkehr, sodass das Papier auf derzeit circa 207 Euro wieder zulegen konnte. Im letzten Geschäftsjahr konnte der Konzern seinen Umsatz um 11,8 % von 514 Mrd. USD auf 574,8 Mrd. USD steigern. Der Gewinn nahm in demselben Betrachtungszeitraum von -2,7 Mrd. USD auf 30,4 Mrd. USD zu. Die Bewertung ist mit einem KGV von 72,6 hoch. Allerdings sind die Aussichten in KI-, Cloud und anderen Segmenten als vielversprechend einzuschätzen. Die neue Version von Alexa kann dafür als ein Beleg gelten. Im Zusammenspiel mit der bullischen Umkehr könnte sich der gegenwärtige Moment als günstige Einstiegsgelegenheit erweisen.

 

 


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