AMD schlägt die Schätzungen – und wird trotzdem abgestraft
Advanced Micro Devices hat im vierten Quartal die Erwartungen klar übertroffen. Gewinn und Umsatz lagen deutlich über den Konsensschätzungen, der Nettogewinn sprang auf 1,51 Mrd. USD, und der Umsatz legte im Jahresvergleich um 34 % zu. Dennoch geriet die Aktie im nachbörslichen Handel unter Druck und verlor rund 8 %.
Der Haken liegt im Ausblick
Der Grund für den Kursrutsch ist weniger das abgelaufene Quartal als der Blick nach vorne. Für das erste Quartal stellt AMD einen Umsatz von rund 9,8 Mrd. USD in Aussicht, was zwar über dem offiziellen Marktkonsens liegt, aber unter den implizit sehr hohen Erwartungen einiger Analysten. Im Umfeld eines anhaltenden KI-Investitionsbooms hatten Teile des Marktes auf einen noch aggressiveren Ausblick gesetzt.
KI-Fantasie allein reicht nicht mehr
AMD profitiert klar vom KI-Trend, bleibt aber im Markt für Hochleistungs-GPUs deutlich hinter dem dominierenden Wettbewerber Nvidia zurück. Zwar konnte das Unternehmen zuletzt namhafte Kunden wie OpenAI und Oracle gewinnen, doch Investoren verlangen inzwischen nicht nur Wachstum, sondern auch Beweise für eine schnellere Skalierung im KI-Geschäft.

Rechenzentren liefern, China bleibt ein Thema
Das Rechenzentrumssegment wuchs um 39 % auf 5,4 Mrd. USD, getragen von Server-CPUs und KI-Beschleunigern. CEO Lisa Su betonte zudem, dass der KI-Boom auch die Nachfrage nach klassischen Serverprozessoren ankurbelt. Gleichzeitig bleibt China ein Unsicherheitsfaktor: Trotz Exportbeschränkungen erzielte AMD im vierten Quartal 390 Mio. USD Umsatz mit KI-Chips in der Region, erwartet im laufenden Quartal jedoch einen deutlichen Rückgang.
PC-Geschäft überrascht positiv
Auch im Client- und Gaming-Segment zeigte sich Stärke. Der Umsatz stieg um 37 % auf 3,9 Mrd. USD, getragen von Ryzen-Prozessoren, mit denen Advanced Micro Devices weiter Marktanteile von Intel gewinnt. Deutlich verhaltener entwickelte sich hingegen das eingebettete Geschäft. Dieser Bereich umfasst spezialisierte Chips für Industrieanlagen, Netzwerktechnik, Automotive-Anwendungen und andere langfristige Kundenprojekte, die weniger von kurzfristigen Technologietrends profitieren. Die Erlöse stiegen hier nur um 3 %, was auf eine noch laufende Lagerbereinigung und zurückhaltende Investitionen in klassischen Industriebereichen hindeutet und den insgesamt gemischten Eindruck unterstreicht.
Unterm Strich zeigt AMD operativ eine starke Dynamik, doch an der Börse gilt derzeit ein anderes Gesetz: Wer im KI-Zeitalter nicht übererfüllt, wird schnell abgestraft.

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