Anthropic-Chef warnt in Davos vor radikalen Verwerfungen

Anthropic entwickelt große KI-Sprachmodelle wie Claude und positioniert sich klar als Anbieter für Unternehmenskunden. Im Mittelpunkt stehen sichere, gut steuerbare Modelle, die in bestehende Geschäftsprozesse integriert werden können und produktive Anwendungen ermöglichen. Anders als viele Wettbewerber verzichtet Anthropic bewusst auf eine starke Ausrichtung auf Endkundenprodukte und setzt stattdessen auf langfristige Enterprise-Verträge, Stabilität und Vertrauen als Differenzierungsmerkmal.

Davos-Warnung: Wachstum und Verwerfungen zugleich

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zeichnete CEO Dario Amodei ein ambivalentes Bild der KI-Zukunft. Künstliche Intelligenz könne eine Phase außergewöhnlich hohen globalen Wirtschaftswachstums auslösen, gleichzeitig aber auch Arbeitslosigkeit und Ungleichheit deutlich verschärfen. Eine Welt mit fünf bis zehn % BIP-Wachstum bei ähnlich hoher Arbeitslosenquote sei historisch neu, aus ökonomischer Sicht jedoch keineswegs widersprüchlich. Amodei betonte, dass es sich um die bislang disruptivste Technologie handle, mit entsprechend weitreichenden gesellschaftlichen Folgen.

Wettbewerb mit Big Tech und klare Positionierung

Im Konkurrenzumfeld sieht sich Anthropic strategisch anders aufgestellt als Alphabet und OpenAI. Während diese Anbieter im Konsumentenmarkt einen existenziellen Wettbewerb führen, konzentriert sich Anthropic auf Unternehmen. Für Google gehe es um die Zukunft des Suchgeschäfts, für OpenAI um das gesamte Geschäftsmodell. Diese Prioritäten unterschieden sich grundlegend von Anthropics Enterprise-Fokus. Die Fortschritte von Googles Gemini im Endkundenbereich würdigte Amodei ausdrücklich, unterstrich jedoch die unterschiedliche strategische Stoßrichtung.

IPO-Frage offen, Kapitalbedarf enorm

Einen konkreten Börsengang plant Anthropic derzeit nicht. Der Fokus liege auf Umsatzwachstum, der Weiterentwicklung der Modelle und dem Vertrieb. Gleichzeitig räumte Amodei ein, dass die KI-Industrie extrem kapitalintensiv sei und private Finanzierungsquellen langfristig begrenzt sein könnten. Diese Realität erklärt die engen Partnerschaften mit Microsoft, Nvidia und Amazon. Microsoft gilt inzwischen als einer der größten Kunden und soll jährlich rund 500 Mio. USD für Anthropic-KI ausgeben. Zudem hat sich Anthropic verpflichtet, etwa 30 Mrd. USD für Rechenkapazitäten auf Microsoft Azure zu investieren.