Gold: Dammbruch bei 5.000 USD und Silber im dreistelligen Rausch!

Die Finanzmärkte sind Zeugen einer historischen Neubewertung des Edelmetallsektors, denn Gold hat zum Wochenauftakt die psychologisch und charttechnisch entscheidende Barriere von 5.000 USD durchbrochen. In einer dynamischen Bewegung kletterte der Preis für die Feinunze (31,1 Gramm) im frühen Montagshandel um über 2 % auf ein neues Allzeithoch von 5.111 USD. Damit setzt sich die Aufwärtsbewegung fort, die Gold bereits in der Vorwoche ein Plus von 8,5 % bescherte. Noch explosiver präsentiert sich der kleine Bruder Silber, denn nachdem am Freitag erstmals die 100-USD-Marke fiel, schoss die Notierung am Montag um weitere 6 % auf 109 USD nach oben. Zum Vergleich notierte Silber noch vor genau einem Jahr bei rund 30 USD.

Trumps Rückzieher im Grönlandstreit kann Risse in der Nato nicht kitten

Treibstoff dieser Rallye ist eine toxische Mischung aus geopolitischer Eskalation und dem rapiden Vertrauensverlust in den US-Dollar. Marktbeobachter verweisen auf die jüngsten Krisenherde, die von der US-Militäroperation in Venezuela über Unruhen im Iran bis hin zum Streit um Grönland reichen. Zwar hat US-Präsident Donald Trump seine Zolldrohungen gegen acht europäische Staaten kurzfristig zurückgezogen, doch das institutionelle Gefüge der NATO zeigt tiefe Risse. Carsten Fritsch, Analyst der Commerzbank, kommentiert die Lage unmissverständlich mit der Aussage, dass die neuerliche Eskalation seitens des US-Präsidenten gegenüber Nato-Verbündeten das Vertrauen der Marktteilnehmer in den US-Dollar weiter erschüttern dürfte.

Morgan Stanley empfiehlt wegen Justizskandal um Powell 20 Prozent Goldquote

Parallel dazu erreicht der Konflikt zwischen dem Weißen Haus und der US-Notenbank eine neue Dimension. Eine strafrechtliche Untersuchung des Justizministeriums gegen Fed-Chef Jerome Powell, die offiziell wegen Bauarbeiten eingeleitet wurde und vielleicht als politisches Druckmittel zu interpretieren ist, untergräbt die Unabhängigkeit der Währungshüter. Investoren reagieren mit Flucht aus US-Staatsanleihen und dem Dollar. Mike Wilson, Chefstratege bei Morgan Stanley, bringt den Paradigmenwechsel auf den Punkt und bezeichnet Gold heute mehr denn je als ein Anti-Fiat-Währungsinvestment. Er rät Anlegern, radikal umzudenken und statt der klassischen Aufteilung nun 20 % des Portfolios direkt in Gold zu allokieren.

Chinas Zentralbank kauft offiziell 27 Tonnen Gold als Schutz vor Sanktionen

Diese Strategie wird längst nicht mehr nur von westlichen Vermögensverwaltern gefahren. Asiatische Investoren, insbesondere Family Offices und die chinesische Zentralbank, kaufen den Markt leer, um sich gegen US-Sanktionen zu immunisieren. Allein im Jahr 2025 meldete China offizielle Zukäufe von 27 Tonnen, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte. Thomas Kulp von der DZ Bank sieht hierin eine Bestätigung der globalen Fragmentierung und schätzt, dass eine Verschlechterung der weltweiten geopolitischen Verhältnisse in der Regel dazu führt, dass sowohl private als auch institutionelle Anleger den Goldanteil in ihren Portfolios erhöhen.

Goldman Sachs erhöht das Kursziel auf 5.400 USD

Während Gold als monetärer Anker fungiert, wird Silber zusätzlich von einer massiven physischen Knappheit getrieben. Die industrielle Nachfrage aus den Sektoren KI, Elektrifizierung und Erneuerbare Energien trifft auf ein leergefegtes Angebot. Berichte über Warteschlangen vor Edelmetallhändlern in Singapur und ausverkaufte Raffinerien in der Türkei zeugen von einem klassischen Squeeze. Goldman Sachs reagierte bereits auf diese Entwicklung und hob das Gold-Kursziel auf 5.400 USD an.

ICBC sieht Potenzial bis 7.150 USD wegen explodierender US-Zinslast

Während der Konsens der LBMA-Analysten für das laufende Jahr einen Durchschnittspreis von 4.742 USD erwartet, taxiert Julia Du von der ICBC Standard Bank das Potenzial in der Spitze bereits auf 7.150 USD. In einer globalen Situation, in der die US-Zinslast das Verteidigungsbudget übersteigt und Zentralbanken politisch unter Beschuss stehen, dürfte der Trendkanal für Sachwerte auch in Zukunft nordwärts ausgerichtet bleiben.


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