Gold: Neuer Rekord über 4.400 USD!
Der Goldpreis hat am Montag erstmals die Marke von 4.400 USD je Feinunze überschritten und damit ein neues Allzeithoch erreicht. Ausschlaggebend waren schwächer als erwartete US-Konjunkturdaten, steigende Erwartungen weiterer Zinssenkungen sowie eine erneute Zunahme geopolitischer und fiskalischer Risiken. Seit Jahresbeginn hat Gold damit zum 51. Mal einen neuen Höchststand markiert und sich 2025 um nahezu 70 % verteuert.
Die sinkende Inflation und der abkühlende Arbeitsmarkt nähren die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen
In der Spitze kostete eine Feinunze Gold 4.445,8 USD, der Kassapreis lag zuletzt bei rund 4.415 USD. Auslöser der jüngsten Bewegung waren Inflationsdaten aus den USA, die unter den Markterwartungen lagen. Die Teuerungsrate betrug im November 2,7 % gegenüber dem Vorjahresmonat und näherte sich damit weiter dem Inflationsziel der US-Notenbank von 2 %. Gleichzeitig deuten neue Arbeitsmarktdaten auf eine Abkühlung hin. Die Notenbank hatte ihre Leitzinsen bereits in der Vorwoche gesenkt und verfolgt im Rahmen ihres Doppelmandats neben der Preisstabilität auch das Ziel der Vollbeschäftigung. Die Kombination aus sinkender Inflation und nachlassender Dynamik am Arbeitsmarkt hat die Erwartung zusätzlicher Zinsschritte nach unten verstärkt.
Zusammenhang zwischen Anleiherenditen und Goldpreis hat sich abgeschwächt
Gold profitiert klassisch von einem solchen Umfeld. Da das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft, verliert es bei hohen Zinsen gegenüber verzinslichen Anlagen an Attraktivität. Sinkende Renditen kehren diesen Effekt um. Allerdings hat sich der traditionell enge Konnex zwischen Anleiherenditen und Goldpreis in den vergangenen Jahren reduziert. Hintergrund ist das wachsende Misstrauen gegenüber Staatsanleihen, ausgelöst durch stark steigende Haushaltsdefizite in den USA, Europa und anderen Industrieländern. Parallel dazu gerät auch der USD unter Druck. Wiederholte politische Einflussnahmen von US-Präsident Donald Trump auf die Geldpolitik haben die Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank verstärkt.
Silberpreis stieg seit Jahresbeginn um 128 %
Diese Entwicklung spiegelt sich auch bei Silber wider. Der Silberpreis erreichte zuletzt mit rund 69 USD je Feinunze ebenfalls ein Rekordniveau und legte seit Jahresbeginn um 128 % zu. Neben der Rolle als Edelmetall profitiert Silber zusätzlich von industrieller Nachfrage, insbesondere aus den Bereichen Solarenergie und Elektromobilität. An den Aktienmärkten reagierten auch die Minenwerte: US-notierte Gold- und Silberproduzenten legten im vorbörslichen Handel zu, entsprechende Minenindizes verzeichneten Kursgewinne von rund 2,7 %.
Blockade gegen sanktionierte venezolanische Öltanker schürt die Nachfrage zusätzlich
Weitere Unterstützung erhält der Goldpreis von geopolitischen Faktoren. Die jüngste Eskalation zwischen den USA und Venezuela, ausgelöst durch eine Blockade gegen sanktionierte venezolanische Öltanker, hat die Nachfrage nach sicheren Anlagen erneut erhöht. Bereits im Oktober hatte ein Haushaltsstreit in den USA, der zeitweise zum Stillstand der Regierungsgeschäfte führte, den Goldpreis erstmals über die Marke von 4.000 USD getragen. Nach einer anschließenden Seitwärtsphase gewinnt das Edelmetall nun wieder deutlich an Dynamik.
Anleger verfolgen mit Argusaugen die Debatte um den nächsten Vorsitz der Notenbank
Gleichzeitig richten Investoren den Blick auf die geldpolitische Zukunft der USA. Das Rennen um den nächsten Vorsitz der Notenbank wird aufmerksam verfolgt. "Entscheidend ist die langfristige fiskalische Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten", betont Matthew McLennan, Leiter des Global-Value-Teams bei First Eagle Investments. Diese sei die Voraussetzung für eine unabhängige Notenbank und eine stabile Geldordnung.
Fazit
Gold reagiert nicht allein auf kurzfristige Zinserwartungen, sondern auf eine Kombination aus nachlassender Konjunkturdynamik, hohen Staatsdefiziten, geopolitischen Risiken und Zweifeln an der Stabilität von Währungen und Anleihemärkten. Solange diese Faktoren bestehen, bleibt der Goldpreis fundamental gestützt. Dies dürfte selbst dann gelten, wenn es nach der starken Rally kurzfristig zu Rücksetzern kommen sollte.
Bildherkunft: AdobeStock_116965318