Gold und Silber: Historischer Abverkauf nach Rekordjagd – Bullenmarkt am Scheideweg!

Der massive Bullenmarkt bei den Edelmetallen hat zum Auftakt in das 1. Quartal 2026 einen herben Rückschlag erlitten. Nachdem Gold und Silber über Monate hinweg von einem Rekordhoch zum nächsten eilten, setzte am vergangenen Freitag eine Verkaufswelle von historischem Ausmaß ein, die sich zu Beginn dieser Woche weiter verschärfte. Investoren realisieren in großem Stil Gewinne, während ein wieder erstarkender USD und entscheidende personelle Weichenstellungen in der US-Geldpolitik die Attraktivität der unverzinsten sicheren Häfen kurzfristig dämpfen. Diese Entwicklung markiert eine drastische Kehrtwende für ein Marktsegment, das erst am vergangenen Donnerstagmorgen mit Notierungen von fast 5.600 USD bei Gold und 122 USD bei Silber schwindelerregende Höhen erreicht hatte.

Nominierung des Hardliners Kevin Warsh setzt die Notierungen massiv unter Druck

Der Goldpreis gab zuletzt um rund 5 % nach und notierte bei 4.616,79 USD pro Unze. Dies folgte auf einen dramatischen Einbruch am Freitag, als das gelbe Metall fast 10 % an Wert verlor und die psychologisch signifikante Marke von 5.000 USD nach unten durchbrach. Noch heftiger traf es das Silber: Nach einem beispiellosen Sturzflug um 30 % am Freitag – dem schlechtesten Handelstag seit März 1980 – sank der Preis zum Wochenstart zeitweise um weitere 12 % auf 78,30 USD. José Torres, Senior-Ökonom bei Interactive Brokers, kommentiert diese Dynamik wie folgt: "Der ‚Buy America‘-Trade ist zurück, und die Unabhängigkeitswette, die Gold und Silber auf Rekordhöhen getrieben hat, löst sich auf." Hintergrund ist die Nominierung von Kevin Warsh durch US-Präsident Donald Trump für die Nachfolge von Jerome Powell an der Spitze der Federal Reserve im Mai. Warsh gilt als Verfechter einer strafferen Geldpolitik, was den USD beflügelt und die Opportunitätskosten für den Goldbesitz steigen lässt.

Die Terminbörsen reagieren mit drastischen Marginerhöhungen auf das Luftloch nach der Rekordfahrt

Die Börsenbetreiber reagierten umgehend auf die extremen Volatilitäten. Die CME Group hob die Margin-Anforderungen für Gold-Futures von 6 % auf 8 % und für Silber-Kontrakte signifikant von 11 % auf 15 % an. Trotz des aktuellen Ausverkaufs sehen Experten darin eher eine technische Bereinigung als das Ende des langfristigen Aufwärtstrends. Christopher Forbes von CMC Markets beschreibt den Rückgang als "klassisches Luftloch nach einem außergewöhnlichen Lauf". Laut Forbes haben "Gewinnmitnahmen, ein festerer Dollar und neue geopolitische Schlagzeilen aus Washington die Luft aus einem überfüllten Trade gelassen". Während der USD-Index seit Donnerstag um 0,8 % zulegte, sorgten Meldungen über eine mögliche Entspannung im Verhältnis zwischen den USA und dem Iran zusätzlich für eine Beruhigung der Risikoprämien, was sich auch in einem Rückgang der Rohölpreise um etwa 4 % widerspiegelte.

Langfristige Aussichten bleiben positiv

Trotz der jüngsten Verluste bleibt die Bilanz für das laufende Jahr im grünen Bereich: Silber notiert seit Beginn der 1. Jahreshälfte immer noch rund 16 % im Plus, Gold liegt etwa 8 % über dem Jahresstartwert. Dies folgt auf ein phänomenales Vorjahr, in dem Gold um 65 % und Silber um 145 % zulegten. Für die kommenden Monate bleibt die Volatilität zwar hoch, doch Marktbeobachter wie Forbes halten an einem bullischen Szenario auf Sicht von 12 Monaten fest. Sollte sich die US-Notenbank entgegen der aktuellen Erwartungen taubenhaft zeigen oder der USD erneut schwächeln, dürften Käufer schnell an den Markt zurückkehren und die Kurse wieder in Richtung der jüngsten Rekordmarken treiben.

Silbermarkt dient als exemplarischer Indikator für eine technische Marktbereinigung

Der aktuelle Crash bei Gold und Silber dürfte kein fundamentaler Zusammenbruch sein, sondern das Platzen einer spekulativen Blase, die primär durch die Personalie Warsh und die Rückkehr zum USD-optimistischen "Trump-Trade" ausgelöst wurde. Exemplarisch zeigt sich dies am Silbermarkt, wo die massive Erhöhung der Margin-Anforderungen auf 15 % gezielt spekulatives Kapital aus dem Markt drängt und so die Basis für eine gesündere, wenn auch volatilere Bodenbildung schafft.


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