Ketchup-König setzt alles auf eine Karte! Kraft Heinz stoppt Aufspaltung und startet 600 Mio. USD-Offensive!
Eigentlich war die Scheidung schon beschlossene Sache, doch nun wagt der Lebensmittel-Gigant Kraft Heinz (KHC) die spektakuläre Kehrtwende. Statt den Konzern in zwei Teile zu zerschlagen, bläst Kraft Heinz die geplante Aufspaltung überraschend ab. Der neue CEO setzt alles auf eine Karte. Mit einer aggressiven 600 Mio. USD-Investition und dem ausdrücklichen Segen von Großaktionär Warren Buffett soll der angeschlagene Riese im Ganzen saniert werden. Ist das der erhoffte Befreiungsschlag oder das letzte Aufbäumen einer verblassten Börsen-Legende?
Kraft Heinz - Ein Riese im Sanierungsmodus
Kraft Heinz, einer der weltweit größten Lebensmittelkonzerne, ist Heimat ikonischer Marken wie Heinz Ketchup, Philadelphia Frischkäse, Oscar Mayer und Lunchables. Doch der Glanz des 2015 durch die Fusion von Kraft und Heinz entstandenen Giganten ist längst verblasst. Das Unternehmen kämpft seit Jahren mit rückläufigen Umsätzen, da gesundheitsbewusste Verbraucher zunehmend einen Bogen um stark verarbeitete Lebensmittel machen und preissensible Kunden zu günstigeren Eigenmarken der Supermärkte greifen. Besonders das Nordamerika-Geschäft erwies sich als Sorgenkind, was zu Milliardenabschreibungen auf traditionsreiche Namen führte. Die Aktie spiegelte diese Misere wider und verlor massiv an Wert, während das Management nach einem Rezept suchte, um den einstigen Börsenliebling auf Wachstumskurs zu bringen.
Rolle rückwärts - Keine Aufspaltung, dafür volle Konzentration
Ursprünglich sah der Rettungsplan vor, den Konzern in der 2. Jahreshälfte 2026 wieder in zwei unabhängige Unternehmen aufzuspalten. "Global Taste Elevation" für die wachstumsstarken Marken wie Heinz und Philadelphia sowie "North American Grocery" für die schwächelnden Sorgenkinder. Doch der neue CEO Steve Cahillane, erst seit wenigen Wochen im Amt, hat diesen Plan nun überraschend gestoppt. Seine Analyse ergab, dass die Probleme lösbar und im eigenen Einflussbereich liegen und eine Aufspaltung nur unnötige Kosten und Ablenkung verursachen würde. Statt das Unternehmen zu zerlegen, bläst Cahillane die Trennung ab, um alle Ressourcen auf die operative Sanierung zu bündeln, eine Entscheidung, die für Aufsehen sorgte.
600 Mio. USD für das Comeback
Anstelle einer teuren Scheidung setzt Kraft Heinz nun auf eine aggressive Investitionsoffensive. Das Unternehmen plant, 600 Mio. USD in die Hand zu nehmen, um das kränkelnde US-Geschäft wiederzubeleben. Dieses Geld soll gezielt in Marketing, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung fließen. Ziel ist es, die Produktqualität zu verbessern und die Preisgestaltung zu optimieren, um verlorene Marktanteile zurückzuerobern. Analysten sehen darin zwar kurzfristig eine Belastung für die Gewinne, erkennen aber an, dass dies der notwendige Schritt ist, um die jahrelange Unterinvestition in die Marken zu korrigieren. Ob diese Kapitalspritze ausreicht, um gegen die starke Konkurrenz und den Trend zu Eigenmarken zu bestehen, bleibt fraglich.
Warren Buffett und Berkshire - Vom Kritiker zum Unterstützer
Ein entscheidender Akteur in diesem Drama ist Warren Buffett, dessen Holding Berkshire Hathaway mit einem Anteil von 27,5 % im Wert von ca. 8,1 Mrd. USD immer noch der größte Aktionär ist. Buffett hatte die geplante Aufspaltung ungewohnt offen kritisiert. Die Fusion sei zwar keine brillante Idee gewesen, aber eine Trennung würde die Probleme auch nicht lösen. Berkshires neuer CEO Greg Abel, der zuvor noch einen kompletten Ausstieg aus Kraft Heinz angedeutet hatte, lobte nun die Kehrtwende ausdrücklich. Er begrüßte die Entscheidung, die Aufspaltung auszusetzen, da sich das Management so voll auf die Wettbewerbsfähigkeit konzentrieren könne. Dieser Rückhalt aus Omaha dürfte dem Kraft-Heinz-Vorstand den nötigen Rückenwind geben, auch wenn die Drohung eines möglichen Aktienverkaufs durch Berkshire weiterhin wie ein Damoklesschwert über dem Kurs schwebt.
Die letzte Chance für den Ketchup-König
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kraft Heinz alles auf eine Karte setzt. Die Absage der Aufspaltung ist ein mutiges Bekenntnis zur eigenen Stärke, birgt aber auch hohe Risiken. CEO Cahillane muss nun beweisen, dass die Probleme tatsächlich lösbar sind und die 600 Mio. USD-Spritze nicht einfach verpufft. Mit dem Segen von Großaktionär Berkshire Hathaway hat er zwar Zeit gewonnen, doch die Geduld der Anleger ist begrenzt. Gelingt die Wende nicht, könnte die Diskussion um einen Verkauf oder eine Zerschlagung schneller zurückkehren, als es dem Management lieb ist.


Die Grafik zeigt die überraschende Wendung im Falle der Aufspaltung von Kraft Heinz. Der neue CEO sieht die Probleme als lösbar und investiert 600 Mio. USD in das US-Geschäft. Gelingt damit die Rettung?
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