Kostenloser Versand als Wachstumswaffe – warum MercadoLibre bewusst auf Marge verzichtet
MercadoLibre hat im vierten Quartal 2025 das Wachstum in seinen Kernmärkten weiter beschleunigt. In Brasilien und Mexiko legte das Bruttowarenvolumen jeweils um 35 % zu, während die Zahl der verkauften Artikel in Brasilien sogar um 45 % stieg. CEO Ariel Szarfsztejn führte diese Dynamik vor allem auf strategische Investitionen zurück, darunter die Senkung der Schwelle für kostenlosen Versand. Das stärkte die Konversionsraten und erhöhte die Kaufhäufigkeit deutlich. Gleichzeitig betonte das Management, dass Künstliche Intelligenz zunehmend alle Geschäftsbereiche durchdringe und bereits messbar zur Umsatzbeschleunigung beitrage.
KI als Wachstumstreiber im gesamten Ökosystem
Ein zentraler Hebel ist der konsequente Einsatz von KI. Im Werbegeschäft stiegen die Erlöse um 67 % gegenüber dem Vorjahr, was das Management ausdrücklich auf datengetriebene Optimierung und bessere Monetarisierung zurückführte. Auch im Fintech-Segment zeigt sich der Effekt: Der KI-Assistent von Mercado Pago löst inzwischen 87 % aller Nutzeranfragen ohne menschliche Unterstützung. Die Strategie zielt darauf ab, ein geschlossenes, technologisch integriertes Handels- und Finanzökosystem aufzubauen, das Kundenbindung und Margen langfristig verbessert.
Fintech wächst rasant, Kreditportfolio verdoppelt
CFO Martín de los Santos verwies auf ein Umsatzwachstum von 45 % im vierten Quartal und 39 % im Gesamtjahr. Besonders dynamisch entwickelte sich das Kreditgeschäft: Das Kreditportfolio verdoppelte sich nahezu auf 12,5 Mrd. USD, allein im vierten Quartal wurden fast 3 Mio. neue Kreditkarten ausgegeben. Die monatlich aktiven Nutzer wuchsen seit zehn Quartalen in Folge um rund 30 %. Die verwalteten Vermögen erreichten knapp 19 Mrd. USD, ein Plus von 78 % gegenüber dem Vorjahr. Zwar wurde ein leichter Anstieg notleidender Kredite eingeräumt, doch die Quote im Kreditkartengeschäft sank im vierten Quartal auf 4,4 %.
Bewusste Margenbelastung durch Investitionen
Die Kehrseite des aggressiven Expansionskurses ist eine spürbare Margenkompression. Laut CFO summieren sich die Effekte aus kostenlosem Versand, Ausbau des Eigenhandels, grenzüberschreitendem Handel und Kreditkartenoffensive auf eine Belastung von rund fünf bis sechs Prozentpunkten. Auch höhere Finanzierungskosten, insbesondere in Argentinien, drückten auf die Profitabilität. Das Management stellte jedoch klar, dass es sich um eine bewusste strategische Entscheidung handelt, um Marktanteile zu sichern und langfristige Wettbewerbsvorteile auszubauen. Sinkende Stückkosten im Logistiknetzwerk Brasiliens zeigen, dass Skaleneffekte bereits greifen.

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