lululemon zündet Reset-Knopf! Internationales Geschäft und CEO-Wechsel bringen Fantasie in den Kurs!

lululemon athletica (LULU) war lange der Inbegriff des Athleisure-Booms. Jetzt steht die Marke nach einem schwierigen Jahr vor der Chance auf ein Comeback. Ein überraschend starkes Quartal, ein klarer Neustart an der Spitze und ein milliardenschwerer Rückkaufplan geben der Aktie nachbörslich neuen Rückenwind. Die Aktie springt um fast 10 % auf 205 USD.

Vom Kult-Leggings-Star zum Comeback-Kandidaten

lululemon ist ein Premium-Anbieter für funktionelle Sport- und Lifestyle-Bekleidung, Schuhe und Accessoires, berühmt geworden mit hochmargigen Yoga-Leggings, Tops und Athleisure-Styles, die in Studios genauso wie im Alltag getragen werden. Genau diese Mischung aus Marke, Community-Gefühl und "Performance trifft Design" hat die Aktie über Jahre nach oben katapultiert. In den letzten Quartalen kam aber Sand ins Getriebe. In Nordamerika ließ die Dynamik nach, der Wettbewerb im Athleisure-Markt wurde härter und die Aktie geriet trotz weiterhin starker Marke unter Druck, weil Investoren plötzlich wieder auf Wachstumstempo, Rabatte und Margen schauten.

3. Quartal - Umsatz über Erwartungen, aber Margen unter Zugzwang

Im 3. Quartal des Geschäftsjahres 2025 meldete lululemon 7 % Umsatzwachstum auf rund 2,6 Mrd. USD und lag damit über den Markterwartungen. Auch der Gewinn je Aktie von 2,59 USD fiel deutlich besser aus als gedacht. Gleichzeitig zeigte die Bilanz die Baustellen. Die Bruttomarge rutschte um 2,9 % auf 55,6 % ab, das Betriebsergebnis sank auf 435,9 Mio. USD, und die operative Marge fiel auf 17,0 %. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Rabatte, höhere Kosten durch Zolleffekte und ein intensiverer Wettbewerb die Profitabilität drücken. Unterm Strich lag der Quartalsgewinn bei rund 307 Mio. USD nach 352 Mio. im Vorjahr. Dazu stiegen die Lagerbestände um 11 % auf 2,0 Mrd. USD an, was erklärt, warum Investoren so genau auf Preisnachlässe und Bestandsmanagement achten.

Zwei Welten - Amerika bremst, International liefert Wachstumsmotor

Der wichtigste Kontrast steckt in der regionalen Aufteilung. Americas war im Quartal der Bremsklotz. Der Umsatz schrumpfte um 2 % und die vergleichbaren Umsätze gingen um 5 % zurück, während International zum Wachstumsanker wurde. 33 % Umsatzwachstum und 18 % höhere vergleichbare Umsätze überzeugten. Der Grund ist eine Mischung aus Marktreife und Stimmung. In Nordamerika ist lululemon stärker mit Sättigungstendenzen, aggressiver Konkurrenz und einer stärker preisbewussten Kundschaft konfrontiert, während international, besonders in China, die Marke noch mehr "Runway" hat, neue Stores und höhere Markenbegehrlichkeit für Rückenwind sorgen. Genau deshalb wirkt das Unternehmen derzeit wie ein zweimotoriges Flugzeug. Der internationale Motor zieht, aber Amerika entscheidet, wie schnell man wieder Höhe gewinnt.

Chefwechsel als Neustart - McDonald geht und wer übernimmt

Zusätzliche Spannung brachte die Führungsnachricht. CEO Calvin McDonald tritt zum 31. Januar 2026 zurück und bleibt bis 31. März 2026 als Senior Advisor an Bord. Der Vorstand startet eine umfassende Nachfolgesuche. Übergangsweise übernehmen CFO Meghan Frank und Chief Commercial Officer André Maestrini als Interims-Co-CEOs, während Board Chair Marti Morfitt zur Executive Chair wird. Offiziell wird der Zeitpunkt als sinnvoller Wechsel nahe dem Ende des aktuellen Planzyklus beschrieben. Praktisch ist es aber auch ein klares Signal an den Markt. lululemon will die US-Schwäche und die Frage nach Produkt- und Marketingtreffgenauigkeit mit frischem Zug angehen.

Mehr Produkt-Tempo, mehr Aktivierung und mehr Disziplin

Beim Blick nach vorn bleibt der Ton vorsichtig, aber konstruktiv. Für das 4. Quartal erwartet lululemon 3,50 bis 3,585 Mrd. USD Umsatz und 4,66 bis 4,76 USD Gewinn pro Aktie. Für das Gesamtjahr wurde der Rahmen leicht angehoben auf 10,962 bis 11,047 Mrd. USD Umsatz und 12,92 bis 13,02 USD an Gewinnen. Gleichzeitig nennt das Management einen Belastungsblock von rund 210 Mio. USD durch Zölle und den Wegfall der De-minimis-Regel, was erklärt, warum die Margen kurzfristig empfindlich reagieren. Strategisch setzt lululemon stärker auf schnellere Produktzyklen mit deutlich mehr neuen Styles, Überarbeitung wichtiger "Franchises" und einem schnelleren Design-to-Shelf. Die Nachfrage soll durch verbessertes Marketing und Store- und Online-Erlebnis aktiviert werden, während die internationale Expansion weiter der große Wachstumspfad bleibt.

Warum die Aktie nachbörslich fast 10% sprang

Der Kursimpuls kam aus einer selten starken Kombination. lululemon schlug die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn je Aktie, hob den Jahresausblick leicht an und legte noch einen Aktionärs-Booster nach, indem der Vorstand das Aktienrückkaufprogramm um 1 Mrd. USD erhöhte. Damit waren rund 1,6 Mrd. USD verfügbar. Dazu kommt der psychologische Effekt. Nach einem massiven Kursrückgang wird ein CEO-Wechsel oft als Reset-Knopf interpretiert. Die Hoffnung ist hoch, dass ein neues Führungsteam das US-Geschäft wieder straffer steuert, Produkt und Marke schärft und die Margen stabilisiert. Genau dieses Narrativ, besser als befürchtet plus Neustart-Signal, hat den nachbörslichen Sprung ausgelöst.

Chart von lululemon. Die Aktie kämpft seit einiger Zeit mit einbrechenden Umsätzen im Amerikageschäft und sinkenden Margen durch höhere Zölle. Ein CEO-Wechsel soll nun den Turnaround bringen. Der Kurs springt über 10 % auf 205 USD.


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