Machen Broadcom und TSMC gemeinsame Sache? Beide erwägen eine Aufspaltung des Chipherstellers Intel!

Laut einem Bericht des Wall Street Journal vom Samstag, den 15. Februar 2025, besteht großes Interesse von Broadcom (AVGO) und Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSM) den in letzter Zeit stark unter Druck geratenen Chiphersteller Intel (INTC) aus den USA aufzuspalten und gemeinsam zu übernehmen. Das WSJ habe Informationen von Personen erhalten, die mit der Angelegenheit vertraut sind.

Schließen sich Broadcom und TSMC für ein Angebot zusammen?

Broadcom ist in den letzten Jahren neben seinen Unternehmenssoftware- und Sicherheitslösungen ein weltweit führender Anbieter und Entwickler von Halbleitertechnologie geworden und bedient dabei Märkte wie Rechenzentren, Netzwerke, Breitband, drahtlose Netzwerke und das Speichergeschäft. Aus diesem Grund zeigt Broadcom offenbar großes Interesse an Intels Chipdesign- und Marketinggeschäft, um das technische Spektrum noch weiter zu diversifizieren. Broadcom selbst ist ein Fabless-Unternehmen, besitzt keine eigenen Fertigungsstätten und möchte dies auch bleiben. Deshalb könnte man sich bei der möglichen Übernahme einen Partner wie TSMC vorstellen, an dessen Gießereien man bereits Teile seiner eigenen Halbleiterfertigung vergibt. Der weltweit größte Auftragschiphersteller TSMC habe selbst geprüft alle bestehenden Chipfabriken von Intel als Teil einer Investorengruppe zu betreiben. Zu den Kunden des taiwanesischen Unternehmens gehören der KI-Chip-Marktführer Nvidia und AMD, Intels erbitterter Rivale auf dem PC- und Servermarkt. Beide Unternehmen, Broadcom und TSMC, würden sich also perfekt ergänzen, um möglicherweise gemeinsam ein Angebot für Intel abzugeben, um die jeweils für sie interessanten Bereiche zu bekommen.

Intels Schicksal spielt entscheidende Rolle für die nationale Sicherheit

Der Vorstandsvorsitzende von Intel Frank Yeary leitet derzeit die Gespräche mit den möglichen Interessenten und konzentriere sich dabei vor allem darauf, den Wert für die Aktionäre zu maximieren. Eine entscheidende Rolle bei einem zustande kommenden Deal hat jedoch auch die Regierung rund um Präsident Donald Trump. Die Trump-Administration hat mehrfach betont, dass die Chipfabriken von großer nationaler Bedeutung sind und es Probleme für die nationale Sicherheit geben könnte, wenn diese von einem ausländischen Unternehmen betrieben werden. US-Vizepräsident JD Vance hatte bei seinem Besuch des Gipfeltreffens in Paris versichert, dass die USA die amerikanischen Technologien der Künstlichen Intelligenz schützen werden und Chips in den USA hergestellt werden. Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass solch ein Übernahmeangebot aus dem Ausland geblockt wird.

Intel war einer der größten Profiteure des CHIPS-Act mit 7,9 Mrd. USD

Das weiße Haus unterstützt nur Unternehmen, die auch in den Produktionsstandort USA investieren wollen. TSMC erwäge auf Trumps Ersuchen den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an Intels Fabriken. Intel war einer der größten Profiteure im Rahmen des CHIPS-Act (Creating Helpful Incentives to Produce Semiconductors) des Jahres 2022. Mit dem 53 Mrd. USD großen Hilfspaket sollten finanzielle Anreize für Firmen geschaffen werden, um in die heimische amerikanische Chipproduktion zu investieren. Intel erhielt 7,9 Mrd. USD für den Bau neuer Fabriken in Arizona, New Mexico, Ohio und Oregon. Der ehemalige CEO Pat Gelsinger baute das Gießereigeschäft auf und startete einen ehrgeizigen Umstrukturierungs- und Sanierungsplan. Doch die Erfolge blieben erstmal aus und Intel schrieb hohe Verluste durch die benötigten Investitionen. Der Vorstand verlor das Vertrauen in Gelsinger und schickte ihn letztes Jahr vorzeitig in den Ruhestand.

Marktkapitalisierung von Intel liegt bei einem Bruchteil von Broadcom und TSMC

Intel besitzt derzeit nur noch eine Marktkapitalisierung von 106,57 Mrd. USD und ist in den letzten fünf Jahren um fast 65 % gefallen. Das kapitalintensive Vorhaben zur Stärkung der Fertigung, belastete den Cashflow und führte zu einer Reduktion der Belegschaft um etwa 15 %. Deutlich besser sieht es bei seinen Konkurrenten aus. TSMC und Broadcom kommen auf eine Bewertung von über 1 Bio. USD. Beide Unternehmen konnten ihre Aktienkurse in den letzten Jahren deutlich ausbauen. Broadcom konnte seinen Kurs in 2 Jahren mehr als verfünffachen und TSMC fast verdreifachen.

 


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