Mercedes: Massive Margenschwäche und Katerstimmung – Källenius setzt auf Modelloffensive!

Der Autobauer Mercedes-Benz verzeichnet für das Geschäftsjahr 2025 einen Rückgang des operativen Gewinns um 57 % auf 5,82 Mrd. Euro. Die bereinigte Umsatzrendite der Autosparte fiel im Vorjahresvergleich von 8,1 % auf 5 %, was innerhalb der gesenkten Prognose liegt. An der Börse verliert die Aktie am Donnerstagvormittag in der Folge bis zu 5 %. Die Bilanzkennzahlen resultieren aus kumulierten Belastungen durch gestiegene US-Einfuhrzölle – zuletzt 15 % seit August 2025 – sowie einer rückläufigen Nachfrage im chinesischen Markt.

Nach dem Scheitern der reinen Elektro-Strategie erzwingen Handelskriege und China-Schwäche nun mehr lokale Produktion

Die Ursachenanalyse des Managements verweist auf externe Markteinflüsse sowie interne strategische Faktoren. Die ursprüngliche Fokussierung auf eine reine Elektrostrategie ("Electric Only") revidiert der Konzern angesichts der Marktrealitäten, da die bisherigen EQ-Modelle bei der Kernkundschaft auf zurückhaltende Resonanz stießen. Konzernchef Ola Källenius erklärte dazu: "In einem dynamischen Marktumfeld lagen unsere finanziellen Ergebnisse im Rahmen unserer Prognose." Um den Absatz in den Schlüsselmärkten zu stabilisieren, passt Mercedes die industrielle Aufstellung an. In China wird die lokale Fertigungstiefe erhöht und spezifische Modelle wie der überarbeitete GLE direkt im Werk Peking produziert. In den USA reagiert das Unternehmen auf die protektionistische Zollpolitik mit einer Ausweitung der Produktion im Werk Tuscaloosa, wo künftig auch der GLC gefertigt wird, um Importzölle zu umgehen.

Mit dem elektrischen CLA und einem überraschenden Nachfolger für die A-Klasse soll die Wende ab 2027 gelingen

Um Marktanteile zu sichern, startet der Konzern eine Produkt- und Modelloffensive. Zwischen 2025 und 2027 kommen mehrere Dutzend neue und überarbeitete Modelle auf den Markt. Im Fokus stehen der elektrische CLA sowie der SUV-Bestseller GLC, deren Bestellungen laut Unternehmensangaben über den Erwartungen liegen. Eine strategische Korrektur erfolgt im Kompaktsegment: Die A-Klasse erhält 2028 einen Nachfolger und verbleibt im Portfolio, womit Mercedes künftig fünf Einstiegsmodelle auf der MMA-Plattform anbietet. Ziel ist es, Kunden in Europa durch niedrigere Einstiegspreise zu binden. Die neuen Fahrzeuggenerationen setzen dabei auf ein traditionelleres Design und eine überarbeitete Softwarearchitektur.

Der Umsatz sinkt auf 132 Milliarden Euro, während der durchschnittliche Fahrzeugpreis spürbar nachgibt

Die Finanzkennzahlen des abgelaufenen Jahres zeigen einen Umsatzrückgang von 9 % auf 132,21 Mrd. Euro. Das Ebit markiert mit 5,82 Mrd. Euro den tiefsten Stand seit 2019. Ohne die US-Zölle hätte die Marge im Autogeschäft rechnerisch bei 6,1 % gelegen. Das Absatzvolumen sank um 10 % auf 2,16 Mio. ausgelieferte Pkw und Vans, der niedrigste Wert seit 2014. Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Fahrzeug reduzierte sich im Jahresvergleich von 71.000 Euro auf 68.100 Euro.

Für 2026 droht eine weitere Margenschrumpfung, weshalb die Kosten pro Fahrzeug um zehn Prozent sinken müssen

Für das laufende Jahr 2026 prognostiziert Mercedes einen Umsatz auf Vorjahresniveau und eine Marge im Autogeschäft zwischen 3 und 5 %. Die positiven Bilanzeffekte der Modelloffensive erwartet der Vorstand erst für das Jahr 2027. Zur Stützung der Profitabilität hat der Konzern das Ziel ausgegeben, die Produktionskosten pro Fahrzeug bis 2027 um 10 % gegenüber 2024 zu senken. Die finanzielle Basis bildet eine leicht auf 32,2 Mrd. Euro gestiegene Nettoliquidität, während der Free Cashflow des Industriegeschäfts auf 5,4 Mrd. Euro gesunken ist. Mit einer Renditeerwartung von maximal fünf Prozent bleibt 2026 ein Jahr der Stagnation, das allein durch strikte Kostensenkungen überbrückt werden muss, bis die Modelloffensive 2027 messbare Ergebnisse liefert.


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