Nasdaq plant den 23-Stunden-Handel

Die US-Technologiebörse Nasdaq (NASDAQ: NDAQ) plant einen tiefgreifenden Umbau des Aktienhandels: Künftig sollen Aktien und börsengehandelte Produkte an Werktagen bis zu 23 Stunden täglich handelbar sein. Dafür will Nasdaq in Kürze entsprechende Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC einreichen. Der Schritt ist eine Reaktion auf die stark gestiegene Nachfrage nach einem nahezu durchgängigen Handel mit US-Aktien, insbesondere von internationalen Investoren. Die USA stellen etwa zwei Drittel der weltweiten Börsenkapitalisierung, zudem beliefen sich ausländische Beteiligungen an US-Aktien zuletzt auf ca. 17 Bio. USD. Nasdaq sieht darin einen klaren Auftrag, den Zugang zum Markt zeitlich flexibler zu gestalten.

Konkrete Pläne für ein 23/5 Handelsmodell

Konkret will Nasdaq die bisherigen 16 Handelsstunden pro Tag auf 23 Stunden ausweiten. Geplant sind künftig zwei tägliche Handelssessions: eine Tagessession von 4:00 Uhr bis 20:00 Uhr US-Ostküstenzeit, die weiterhin Vorbörse, regulären Handel sowie Nachbörse umfasst, und eine Nachtsession von 21:00 Uhr bis 4:00 Uhr. Dazwischen ist eine einstündige Pause für Wartung, Tests und Abwicklung vorgesehen. Der Wochenhandel soll bereits am Sonntagabend starten und am Freitagabend enden. Trades in der frühen Nacht würden dabei formal dem folgenden Handelstag zugerechnet. Einen Starttermin peilt Nasdaq für die 2. Jahreshälfte 2026 an.

Technische Voraussetzungen und regulatorischer Rückenwind

Voraussetzung für den Rund-um-die-Uhr-Handel sind erhebliche technische Anpassungen. Insbesondere der zentrale Kundendatenprozessor sowie die Abwicklungsinfrastruktur müssen dauerhaft verfügbar sein. Die zentrale Clearingstelle DTCC plant, den durchgehenden Wertpapier-Clearingbetrieb bis Ende 2026 einzuführen. Regulatorisch erhält Nasdaq Rückenwind: Auch die New York Stock Exchange und Cboe Global Markets haben bereits Pläne für verlängerte oder durchgehende Handelszeiten angekündigt. Der Trend zu globaleren, elektronischen Märkten stellt damit den jahrzehntealten Standard fester Börsenöffnungszeiten zunehmend infrage.

Chance für Investoren und Skepsis der Banken

Befürworter sehen vor allem Vorteile für Anleger außerhalb der USA, die künftig auf Nachrichten und Ereignisse in ihren eigenen Zeitzonen reagieren können. Bereits heute wächst der Handel während der US-Nachtstunden, oft über alternative Handelsplattformen abseits der klassischen Börsen. Große Wall-Street-Banken äußern jedoch Bedenken: Geringere Liquidität, höhere Volatilität und unklare Wirtschaftlichkeit könnten den Nutzen schmälern. Nasdaq hält dagegen und verweist auf robuste Handelssysteme, die auch in Phasen hoher Marktbelastung stabil funktionieren sollen.


Mit dem geplanten 23/5-Handelsmodell reagiert Nasdaq gezielt auf die wachsende Bedeutung internationaler Investoren und die Globalisierung der US-Aktienmärkte.


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