Novo Nordisk: Aktie bricht nach Prognose-Senkung um 17 % ein – „Most Favored Nation“-Regel belastet Ausblick für 2026!
Die Aktien von Novo Nordisk verzeichneten am frühen Mittwochmorgen an der Börse in Kopenhagen einen massiven Wertverlust von 17 %, wodurch sämtliche Kursgewinne des laufenden Jahres mit einem Schlag neutralisiert wurden. Auslöser für diese drastische Marktbewegung ist die am Dienstagabend veröffentlichte Prognose für das Geschäftsjahr 2026, die signifikant unter den Markterwartungen liegt. Der dänische Pharmakonzern kündigte überraschend an, dass sowohl der Umsatz als auch der operative Gewinn im kommenden Jahr um eine Spanne von 5 % bis 13 % sinken werden. CEO Mike Doustdar bestätigte die negative Tendenz und warnte die Investoren: "Die Leute sollten erwarten, dass es abwärts geht, bevor es wieder aufwärts geht." Er begründete dies mit dem notwendigen Preisdruck im US-Markt, dessen volles Ausmaß in der aktuellen Prognosespanne nun eingepreist sei.
Die neue Preisstrategie belastet die Bilanz und nährt Spekulationen über taktisches "Kitchen Sinking"
In einem Interview erläuterte Doustdar die strategischen Hintergründe der schwachen Zahlen und betonte den Fokus auf langfristige Marktanteile. "Wir schaffen Erschwinglichkeit für Millionen von Patienten, die GLP-1-Produkte benötigen, sie sich aber schlicht nicht leisten konnten", so der Konzernchef. Diese Strategie der Preissenkung erfordere kurzfristig die Hinnahme von Gegenwind, um dauerhaft von einem "sehr langen Rückenwind" zu profitieren. Analysten von Barclays werfen in diesem Kontext die Frage auf, ob es sich bei der extrem konservativen Prognose um ein sogenanntes "Kitchen Sinking" handele, weisen jedoch darauf hin, dass eine ähnliche Hoffnung bereits im Vorjahr bestand und sich nicht erfüllte.
Die "Most Favored Nation"-Regel und der Trump-Deal erzwingen drastische Preissenkungen bei Blockbustern
Operativ steht das Unternehmen vor einem radikalen Umbau seiner Preis- und Produktstruktur, der maßgeblich durch regulatorische Eingriffe in den USA getrieben wird. Primärer Faktor für die Prognosesenkung ist die verschärfte Preisregulierung durch die sogenannte "Most Favored Nation"-Regel. Diese zielt darauf ab, das Preisniveau für Medikamente in den USA an das niedrigere Niveau vergleichbarer Länder anzupassen. Für Novo Nordisk führt dieser politische Druck zu erheblichen Umsatzrückgängen bei den Blockbustern Ozempic und Wegovy, da Rabatte und Preisobergrenzen die Margen direkt beschneiden. Flankiert wird dies durch eine Vereinbarung mit US-Präsident Donald Trump, Medikamente über die staatliche Plattform TrumpRx.gov direkt und rabattiert anzubieten.
Der Rekordstart der Tablette kann die Umsatzeinbußen durch den Kampfpreis nicht kompensieren
Trotz dieses regulatorischen Gegenwinds verzeichnet der Konzern operative Erfolge. Die Einführung der Wegovy-Tablette in den USA übertraf mit 170.000 Patienten in den ersten vier Wochen und einer Wirksamkeit von 16,6 % die internen Erwartungen deutlich. Dennoch wiegt der Preisverfall schwerer als das Volumenwachstum, da die Startdosis nun für lediglich 149 USD vermarktet wird – ein Bruchteil des Preises der Injektion vor einem Jahr. CEO Doustdar kommentierte nüchtern: "Egal wie gut es in der Anfangsphase läuft, der Preisabschlag im bestehenden Geschäft übertrumpft im Grunde den großartigen Tablettenstart."
Patentabläufe und Gewinnrückgänge signalisieren nach dem Krisenjahr eine fortgesetzte Talfahrt
Die finanzielle Lage stellt sich vor dem Hintergrund der neuen Guidance für 2026 herausfordernd dar. Der prognostizierte Rückgang von Umsatz und operativem Ergebnis um jeweils 5 % bis 13 % folgt auf ein bereits historisch schlechtes Jahr 2025, in dem die Aktie fast 50 % an Wert verlor. Patentabläufe in Märkten außerhalb der USA im Jahr 2026 verschärfen den Umsatzdruck zusätzlich. Während Novo Nordisk versucht, die Erwartungen für das Gesamtjahr zu managen, reagierte der Markt auf die Vorabveröffentlichung der 2026er-Zahlen mit einem Abverkauf. Auf die Frage, ob sich das Unternehmen in einer Krise befinde, antwortete Doustdar zwar mit einem klaren "Nein", räumte jedoch ein, dass die Herausforderungen des Jahres 2025 die Performance beeinträchtigt hätten.
Novo Nordisk tauscht im Preiskampf Marge gegen Marktanteile und strapaziert die Anleger
Der erfolgreiche Massenstart der Wegovy-Tablette kann den durch die "Most Favored Nation"-Regel und den Preisverfall auf 149 USD verursachten Erlösschwund bilanziell derzeit nicht kompensieren. Die Aussage des Managements, dass der negative Preiseffekt den erfolgreichen Produktstart "übertrumpft", verdeutlicht das Kernproblem. Novo Nordisk tauscht Marge gegen Marktanteile, um sich im regulatorischen Würgegriff der USA gegen die Konkurrenz von Eli Lilly zu behaupten. Solange dieser Volumeneffekt die prozentual zweistelligen Rückgänge bei Umsatz und Gewinn noch nicht faktisch umkehrt, bleibt für Anleger abzuwarten, wann die langfristige Volumenstrategie die aktuellen regulatorischen Hürden auch bilanziell überwinden kann.
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