Novo Nordisk und Eli Lilly: Preissenkungen sollen Wachstum in China sichern!
Die Dynamik im Markt für Medikamente zur Gewichtsreduktion erreicht eine neue Stufe. Die beiden westlichen Schwergewichte Novo Nordisk und Eli Lilly reagieren auf den intensiveren Wettbewerb und steigenden Preisdruck in China mit erheblichen Anpassungen ihrer Preismodelle.
Bis 2030 könnten 65 % der Chinesen an Übergewicht leiden
Ein Konzernsprecher von Novo Nordisk erklärte: "Wir können bestätigen, dass wir unsere Preise für Wegovy in China anpassen." Zwar nannte das Unternehmen keine konkreten Zahlen, doch Berichte des chinesischen Wirtschaftsportals Yicai zeichnen ein verlässliches Bild. Demnach wurden die Listenpreise für die beiden höchsten Dosierungen in mehreren Provinzen um rund 48 % gesenkt. Die monatlichen Kosten liegen nun bei etwa 987 Yuan beziehungsweise 1284 Yuan, umgerechnet rund 130 Euro und 169 Euro. Die Maßnahme zielt darauf ab, den Absatz in einem Markt zu beschleunigen, in dem das Nachfragepotenzial enorm ist. Bis 2030 könnten laut Reuters mehr als 65 % der rund 1,4 Mrd. Einwohner Chinas übergewichtig oder fettleibig sein.
Mounjaropreis soll von 285 auf 58 Euro sinken
Auch Eli Lilly justiert seine Preise nach unten. Nach Angaben eines Krankenhauses in der ostchinesischen Stadt Nanjing sollen die Preise für das Abnehm-Medikament Mounjaro ab dem 1. Januar sinken. Eine offizielle Bezifferung der Reduktion liegt bislang nicht vor, doch Marktplattformen liefern erste Anhaltspunkte. Auf einer Plattform des Lieferdienstes Meituan wurde eine 10-Milligramm-Dosis zuletzt zu einem voraussichtlichen Preis von rund 445 Yuan gelistet, nachdem zuvor etwa 2180 Yuan verlangt worden waren. Dies entspricht einer Preisreduktion von 285 Euro auf 58 Euro.
2026 endet in China das Patent für Wegovy
Der zunehmende Preisdruck ist Ausdruck eines strukturellen Wandels im chinesischen Markt. Neben der schieren Größe des adressierbaren Patientenkreises verschärft sich der Wettbewerb durch lokale Anbieter. Unternehmen wie Innovent Biologics drängen mit eigenen Produkten in den Markt, während weitere chinesische Hersteller bereits in den Startlöchern stehen. Hinzu kommt ein entscheidender Faktor für Novo Nordisk: Ab 2026 läuft das Patent auf den Wegovy-Wirkstoff Semaglutid in China und weiteren wichtigen Märkten aus. Firmen wie die CSPC Pharmaceutical Group entwickeln bereits eigene Versionen.
Novo Nordisk und Eli Lilly fokussieren sich zunehmend auf Selbstzahler
Die Preissenkungen in China lassen sich als Teil einer globalen Neuausrichtung interpretieren. Im November hatte Novo Nordisk die Preise für Wegovy in Indien um bis zu 37 % reduziert, um den Markteintritt in einem weiteren Wachstumsmarkt zu beschleunigen. Ebenfalls im November einigten sich Novo Nordisk und Eli Lilly auf niedrigere Preise in den USA. Beide Konzerne richten ihr Geschäftsmodell zunehmend auf Selbstzahler aus und setzen verstärkt auf Volumen, direkte Vertriebswege und neue Zugangskanäle wie Telehealth.
FDA hat Novo Nordisk grünes Licht für orale GLP1-1-Therapie gegeben
Zusätzlichen Rückenwind erhielt Novo Nordisk kurz vor Jahresende durch einen regulatorischen Meilenstein. Die US-Arzneimittelbehörde FDA erteilte erstmals die Zulassung für eine orale GLP-1-Therapie zur Behandlung von Adipositas. Die auf Semaglutid basierende Tablette übernimmt das vollständige medizinische Profil von Wegovy, einschließlich der Indikation zur Senkung schwerer kardiovaskulärer Risiken, und soll Anfang 2026 auf den Markt kommen. Novo plant einen aggressiven Einstieg mit einem Preis von 149 USD (127 Euro) pro Monat für Selbstzahler und sichert sich damit einen zeitlichen Vorsprung gegenüber Eli Lilly, dessen orale GLP-1-Therapie Orforglipron noch auf die Zulassungsentscheidung wartet.
Novo Nordisk und Eli Lilly profitieren beide erheblich vom GLP-1-Boom
Die aktuellen Geschäftszahlen von Novo Nordisk und Eli Lilly unterstreichen die wirtschaftliche Tragweite des GLP-1-Booms, zeigen aber auch unterschiedliche Ausgangslagen. Novo Nordisk erzielte im 1. Halbjahr 2025 einen Umsatz von rund 20,8 Mrd. Euro und erwirtschaftete dabei einen Nettogewinn von etwa 7,4 Mrd. Euro. Treiber waren erneut das Diabetes- und insbesondere das Adipositasgeschäft mit Wegovy. Gleichzeitig signalisierte das Management zuletzt eine Normalisierung des Wachstumstempos, da Produktionskapazitäten, zunehmender Wettbewerb und Preisanpassungen in einzelnen Märkten stärker ins Gewicht fallen. Eli Lilly verzeichnete 2025 hingegen eine nochmals beschleunigte Dynamik. Der US-Konzern steuert auf einen Jahresumsatz von deutlich über 50 Mrd. USD (42,5 Mrd. Euro) zu, getragen vor allem von der starken Nachfrage nach Mounjaro und Zepbound. Auch ergebnisseitig legte Lilly kräftig zu und erzielte im laufenden Jahr einen Gewinn von 21,7 Mrd. USD (18,5 Mrd. Euro). Beide Konzerne profitieren demgemäß massiv vom GLP-1-Markt. Während Novo Nordisk jedoch stärker auf Margenstabilität achten muss, nutzt Eli Lilly derzeit noch die Phase maximaler Volumendynamik.
Fazit
Die Preissenkungen in China sind kein Zeichen von Schwäche, sondern ein strategischer Schritt zur Sicherung langfristiger Marktanteile. Novo Nordisk und Eli Lilly nutzen ihre finanzielle Stärke, um Volumen aufzubauen, lokale Konkurrenz auf Distanz zu halten und sich für die nächste Phase des Adipositas-Marktes zu positionieren. In einem Umfeld, das zunehmend von Preis, Zugang und Skalierung geprägt ist, verschaffen sich beide Konzerne damit einen entscheidenden Vorsprung.
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