Paypal: Stripe-Gerüchte lösen Kursfeuerwerk aus!

An der Wall Street sorgte am Dienstag ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg für neue Euphorie, der den Papieren des US-Zahlungsdienstleisters zu einem Kurssprung von 6,7 % verhalf. Auslöser ist das konkrete Szenario, dass der Fintech-Riese Stripe eine teilweise oder vollständige Übernahme des zuletzt massiv unter Druck geratenen Konzerns prüft. Bereits zum Wochenstart hatten die Aktien aufgrund erster Spekulationen um rund 6 % zugelegt. Marktbeobachter sehen in der aktuellen Bewertung eine Einladung für Investoren, so argumentiert Mizuho Securities: Die Aktie sei "angesichts der Tatsache, dass es eines von vier weltweit anerkannten Zahlungsnetzwerken ist, stark unterbewertet". Doch diese Unterbewertung ist hausgemacht, denn seit dem Allzeithoch im Juli 2021 mit einem Börsenwert von rund 360 Mrd. USD hat das Unternehmen eine dramatische Talfahrt hinter sich und wird aktuell nur noch mit etwa 44 Mrd. USD bewertet.

Fintech Stripe überflügelt mit 159 Mrd. USD Bewertung den Börsenkonzern erheblich

Während der einstige Platzhirsch an Relevanz verliert, zieht der Herausforderer Stripe in Sphären davon, die eine Übernahme erst finanzierbar machen. Das privat geführte Fintech konnte seine Bewertung jüngst durch Anteilsverkäufe von 91,5 Mrd. USD auf massive 159 Mrd. USD steigern und gehört damit zu den wertvollsten nicht börsennotierten Unternehmen der Welt. Stripe-Mitgründer John Collison analysierte die Schwäche des Konkurrenten im CNBC-Interview nüchtern, indem er feststellte, dass Paypal in den letzten Jahren offensichtlich "Schwierigkeiten hatte" und die Landschaft sich "mit Apple Pay, Google Pay und ähnlichen Diensten stark verändert" habe. Dieses gewandelte Umfeld spiegelt sich im dramatischen Wertverlust wider, da Paypal allein im vergangenen halben Jahr fast ein Drittel seiner Marktkapitalisierung verlor.

Ex-Chef Marcus kritisiert strategisches Vakuum und den neuen Hardware-Manager

Die jüngste Produkt- und Personalpolitik offenbart die tiefe Verunsicherung des Konzerns, der entscheidende Markttrends wie "Buy Now Pay Later" verschlafen hat und stattdessen laut Experten wie Tom Noyes zu lange an veralteten Händler-Integrationen festhielt. Als Konsequenz musste CEO Alex Chriss Anfang Februar seinen Posten räumen, woraufhin der Verwaltungsrat mit Enrique Loras einen ehemaligen HP-Manager als Nachfolger einsetzte. Diese Entscheidung stößt auf Unverständnis bei Branchengrößen wie dem ehemaligen Paypal-Präsidenten David Marcus, der via X kritisierte: "Ich kenne Enrique nicht. Er mag eine großartige Führungskraft sein, aber zumindest auf dem Papier ist er ein Hardware-Manager. Für ein Zahlungsunternehmen." Marcus sieht die Ursache des Niedergangs darin, dass Innovationen zugunsten einer reinen Volumenoptimierung vernachlässigt wurden, was nun durch einen branchenfremden CEO korrigiert werden soll.

Alarmierende Zahlen zum 4. Quartal zeigen Einbruch des Checkout-Volumens auf 1 % Wachstum

Die nackten Finanzkennzahlen des abgelaufenen 4. Quartals untermauern die Dringlichkeit der Lage, da Paypal sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die Erwartungen der Analysten verfehlte. Besonders das Kerngeschäft erodiert: Ein zentraler Indikator für die Zukunftsfähigkeit, das Wachstum des Volumens bei Online-Checkouts, brach von 5 % in den Vorquartalen auf nur noch 1 % ein. Dieser fundamentale Schwächeanfall führte bereits Anfang des Monats zu einem rapiden Kurssturz von rund 20 % an einem einzigen Handelstag. Angesichts dieser Stagnation und trotz einer Basis von 439 Mio. aktiven Konten sah sich das Management gezwungen, die Prognose für das Gesamtjahr 2026 nach unten zu revidieren.

Bewertungsschere von über 100 Mrd. USD diktiert das Ende der Eigenständigkeit

Angesichts der massiven Diskrepanz zwischen dem mit 159 Mrd. USD bewerteten Privatunternehmen Stripe und der auf 44 Mrd. USD geschrumpften Marktkapitalisierung Paypals erscheint ein Alleingang ökonomisch kaum noch vertretbar. Während Konkurrenten wie Apple Pay und Google Pay dynamisch wachsen, dokumentiert das auf 1 % gefallene Checkout-Wachstum das Scheitern der bisherigen Strategie. Für die Aktionäre bietet die Übernahmeofferte die letzte konkrete Option zur Wertsicherung, bevor der neue CEO Enrique Loras versuchen muss, ohne einschlägige Fintech-Erfahrung das Steuer gegen den Markttrend herumzureißen.

 


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