Porsche: Absatz-Crash und Margen-Schock – Sportwagenbauer stürzt auf 0,2 % Rendite ab!
Die Bilanz der Porsche AG für das Geschäftsjahr 2025 liest sich wie eine Warnmeldung an den Kapitalmarkt. Mit weltweit 279.449 ausgelieferten Fahrzeugen verfehlt der Sportwagenbauer das Vorjahresniveau um glatte 10 %. Das Volumen fällt damit auf den tiefsten Stand seit 2020. Anders als bei früheren Dellen zeigt sich hier keine temporäre Schwäche, sondern ein struktureller Einbruch über fast alle Märkte. Die Dimension des Rückgangs ist historisch signifikant: Stärkere Einbußen musste Porsche zuletzt nur als direkte Folge der globalen Finanzkrise 2008/2009 vermelden, als der Absatz um 24 % absackte.
Das China-Geschäft kollabiert
Die geografische Analyse offenbart die gefährliche Abhängigkeit vom schwächelnden Asien-Geschäft. China, jahrelang der Rendite-Turbo des Konzerns, implodierte mit einem Minus von 26 % auf 41.938 Einheiten. Auch Europa (ohne Deutschland) verlor zweistellig (-13 % auf 66.340), während der Heimatmarkt Deutschland um 16 % auf 29.968 Fahrzeuge nachgab. Nordamerika hielt sich mit 86.229 Auslieferungen zwar stabil auf Vorjahresniveau, doch die nominelle Stärke täuscht: Hohe Zölle belasten die US-Marge massiv und zehren einen relevanten Teil der Erträge auf. Vertriebsvorstand Matthias Becker kommentierte die Zahlen nüchtern: "Diese Entwicklung entspricht unseren Erwartungen." Er verwies zur Begründung auf Angebotslücken beim 718 und dem Verbrenner-Macan sowie die "wertorientierte Angebotssteuerung".
Die wichtigen Volumenmodelle und der elektrische Taycan verlieren zweistellig an Boden
Auf Modellebene offenbart sich das Scheitern der bisherigen Elektrifizierungs-Roadmap. Während der Klassiker 911 (+1 %) und der Macan (+2 %) das Niveau hielten, stürzten die Volumenmodelle ab. Der Cayenne verlor 21 %, die 718-Baureihe ebenfalls 21 %. Besonders gravierend ist das Minus von 22 % beim Elektro-Vorreiter Taycan (16.330 Einheiten). Dies ist ein klares Indiz für die gesunkene Akzeptanz der Stuttgarter E-Strategie. Ex-CEO Oliver Blume, der zum Jahreswechsel ausschied, hinterlässt seinem Nachfolger Michael Leiters damit ein Portfolio, das dringend einer Neujustierung bedarf.
Porsche setzt auf den neuen E-Cayenne sowie Verbrenner
Das Management reagiert mit einem radikalen Kurswechsel und Desinvestitionen auf die veränderte Marktrealität. Da die BEV-Nachfrage hinter den Plänen zurückbleibt, entschied Porsche im Herbst 2025, wieder massiv in die Entwicklung neuer Verbrenner- und Hybridtechnologie zu investieren. Produktseitig ruhen die Hoffnungen nun auf diesem Mix sowie dem neuen Elektro-Cayenne, der mit einem Einstiegspreis von 105.000 Euro im Luxussegment punkten muss. Flankiert wird die neue Produktstrategie von einem harten Sparprogramm: Bis 2029 werden in Deutschland rund 1.900 Stellen gestrichen. Die Produktion der Batterie-Tochter Cellforce wurde bereits gestoppt. Um die Liquidität zu schonen, stehen Beteiligungen auf der Verkaufsliste. Konkret handelt es sich dabei um die erst 2024 voll integrierte Beratung MHP sowie Anteile am Joint Venture Bugatti-Rimac.
Hohe Abschreibungen lassen die operative Rendite auf 0,2 % abstürzen
Die finanziellen Auswirkungen dieser Gemengelage sind verheerend und schlagen sich direkt in den Geschäftszahlen nieder. Der erzwungene Strategiewechsel hin zu mehr Verbrennern zwang den Konzern zu außerordentlichen Abschreibungen in Milliardenhöhe, die das Ergebnis massiv verhagelten. Während der Umsatz durch das fehlende Volumen litt, wurde der Gewinn fast vollständig aufgezehrt: Die einstmals zweistellige operative Umsatzrendite kollabierte auf nur noch 0,2 %. Dieser Wert verdeutlicht, dass die hohen Kostenstrukturen der Stuttgarter bei gleichzeitig wegbrechenden Volumina und hohen Einmalkosten das Ergebnis faktisch eliminiert haben.
Fazit
Für Michael Leiters gibt es keine Schonfrist. Er muss beweisen, dass Porsche die Preissetzungsmacht zurückgewinnen kann, ohne sich weiterhin auf das Volumen aus China stützen zu können. Die bloße Einführung neuer Modelle dürfte angesichts einer Marge von 0,2 % nicht ausreichen. Leiters muss die Kostenstrukturen aggressiv an das niedrigere Volumenniveau anpassen, sonst droht dem einstigen Rendite-König der Autoindustrie der dauerhafte Abstieg in das finanzielle Mittelmaß.
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