Roche: Starke Adipositas-Daten befeuern Angriff auf Novo Nordisk und Eli Lilly!

Der Schweizer Pharmagigant Roche hat im globalen Wettlauf um die Vorherrschaft auf dem boomenden Markt für Adipositas-Therapien einen signifikanten Etappensieg errungen. Wie der Konzern am Dienstag in Basel bekannt gab, lieferte der Hoffnungsträger CT-388 in einer klinischen Phase-II-Studie überzeugende Resultate, die den etablierten Platzhirschen Novo Nordisk und Eli Lilly perspektivisch gefährlich werden könnten. Mit diesen Daten untermauert Roche seine Ambitionen, als einer der führenden Akteure in diesem lukrativen Segment Fuß zu fassen.

Die starke Gewichtsabnahme von 22,5 % und die Blutzuckernormalisierung bei 73 % der Probanden führen zum sofortigen Start der Phase-III-Studie

In der betreffenden Studie zeigte der Wirkstoff CT-388 nach einer Behandlungsdauer von 48 Wochen eine placebobereinigte Gewichtsreduktion von beachtlichen 22,5 %. Levi Garraway, der Medizinchef von Roche, zeigte sich angesichts der Datenlage optimistisch: "Der deutliche Gewichtsverlust in Verbindung mit einem gut verträglichen Sicherheitsprofil bestärkt unser Vertrauen." Neben dem reinen Gewichtsverlust hob das Unternehmen hervor, dass sich bei 73 % der als prädiabetisch eingestuften Probanden die Blutzuckerwerte wieder normalisierten. Das Sicherheitsprofil des Medikaments bewegt sich dabei im Rahmen dessen, was für diese Wirkstoffklasse als üblich gilt. Angesichts dieser Ergebnisse plant Roche, die entscheidenden Phase-III-Studien noch im 1. Quartal dieses Jahres zu initiieren.

Analysten mahnen angesichts der Diskrepanz zwischen Studiendaten und Realität zur Vorsicht

Trotz der Euphorie mahnen Marktbeobachter zur Nüchternheit. Michael Leuchten, Analyst bei der Investmentbank Jefferies, wies darauf hin, dass die vorgelegten Daten im Wesentlichen jenen des Konkurrenzprodukts Zepbound von Eli Lilly entsprechen. In einem zunehmend gesättigten Markt sei jedoch ein klares Alleinstellungsmerkmal notwendig. Leuchten betonte zudem die Diskrepanz zwischen den Ergebnissen unter idealen Studienbedingungen (22,5 %) und realitätsnahen Szenarien, wo der Gewichtsverlust mit 18,3 % geringer ausfiel – ein Indiz für potenzielle Herausforderungen bei der Therapietreue der Patienten. Um kommerziell erfolgreich zu sein, müsse der Wirkstoff einen eindeutigen Mehrwert gegenüber den bereits etablierten Therapien beweisen.

Das Portfolio umfasst nach der Carmot-Übernahme sechs Adipositas-Kandidaten, von denen drei künftig Jahresumsätze jenseits der Milliardengrenze erzielen sollen

Die strategische Ausrichtung von Roche zielt auf eine langfristige Marktführerschaft ab. Das Fundament hierfür legte der Konzern Ende 2023 mit der Übernahme des US-Biotechunternehmens Carmot für 2,7 Mrd. USD, durch die sich die Schweizer den Zugriff auf CT-388 sicherten. Insgesamt befinden sich derzeit sechs Kandidaten zur Behandlung von Fettleibigkeit und damit assoziierten Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes in der Entwicklungspipeline. Das erklärte Ziel des Managements ist es, zu den drei größten Anbietern in diesem Sektor aufzusteigen. Roche kalkuliert damit, die entsprechenden Medikamente bis zum Jahr 2030 auf den Markt zu bringen, wobei drei dieser Präparate das Potenzial haben sollen, jeweils einen Jahresumsatz von über 1 Mrd. USD zu generieren. Analysten taxieren das Gesamtvolumen des Marktes bis dahin auf bis zu 150 Mrd. USD.

Der währungsbereinigte Umsatzanstieg von 6 % auf 45,6 Mrd. Franken sichert die Finanzierung der teuren Zulassungsstudien gegen die US-Konkurrenz

Blickt man auf die wirtschaftliche Verfassung des Konzerns, zeigt sich Roche trotz der Investitionsoffensive robust. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 konnte das Unternehmen den Konzernumsatz um 6 % auf 45,6 Mrd. Schweizer Franken steigern. Besonders die neu eingeführten Medikamente erwiesen sich als Wachstumstreiber. Für das Gesamtjahr bestätigte das Management zuletzt den Ausblick und erwartet eine weitere Steigerung des Gewinns. Diese solide finanzielle Basis ermöglicht es den Baslern, die kostspielige Entwicklung der neuen Pipeline-Kandidaten aus eigener Kraft zu stemmen.

Die Aufholjagd bietet Chancen, doch die hohen Markteintrittsbarrieren bleiben eine Herausforderung für die Aktie

Roche hat mit CT-388 zwar ein heißes Eisen im Feuer, der Weg an die Spitze dürfte jedoch kein Selbstläufer werden. Die Markteintrittsbarrieren sind durch die Dominanz von Wegovy und Zepbound hoch, und der Zeitvorteil der Konkurrenz ist immens. Dennoch beweist Roche mit der aggressiven Entwicklungsstrategie und den soliden Studiendaten, dass man bereit ist, das Feld von hinten aufzurollen. Für Anleger ist die Aktie somit eine Wette auf die Exekutionskraft des Managements: Gelingt die Differenzierung über das klinische Profil oder die Darreichungsform, könnte Roche in den 2030er Jahren tatsächlich ein großes Stück vom 150-Milliarden-Dollar-Kuchen abschneiden.


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