Shopify unter die Räder der Software-Panik geraten: Wall Street rät dennoch zum Kauf
Lassen Sie sich von Shopifys (NASDAQ: SHOP) Kurssturz nach den Quartalszahlen nicht ins Bockshorn jagen. Auch wenn die Aktie in den Sog der allgemeinen KI-Ängste am Markt geriet, ist Shopify einzigartig positioniert, um eine führende Rolle einzunehmen, während KI eine neue Shopping-Ökonomie erschafft. Investoren, die diese Volatilität aussitzen, dürften am Ende am meisten profitieren.
Der trügerische Absturz: Warum die Zahlen eigentlich stimmen
Die Shopify-Aktie gab seit der Veröffentlichung der Ergebnisse für das 4. Quartal letzte Woche um bis zu 11 % nach. Doch die Ergebnisse selbst waren nicht das Problem: Zwar verfehlte der Gewinn die Erwartungen leicht, doch der Umsatz sprang im Vergleich zum Vorjahr um kräftige 31 % nach oben und übertraf damit die Prognosen. Zudem stellte das Management für das erste Quartal ein weiteres Umsatzwachstum im niedrigen dreißiger Prozentbereich in Aussicht.
Das KI-Gespenst: Macht ChatGPT Shopify überflüssig?
Die Angst, die den Markt umtreibt, ist konkret: Investoren fürchten, dass Marken künftig KI nutzen werden, um ihre eigenen Online-Shops zu erstellen und Produkte direkt über Chatbots wie Gemini und ChatGPT anzubieten. Dies würde den Bedarf verringern, über einen Mittelsmann wie Shopify zu verkaufen. Diese Ängste sind jedoch höchstwahrscheinlich überzogen. Während KI tatsächlich einige Anbieter von Unternehmenssoftware verdrängen könnte, ist Shopify besser geschützt als die meisten Konkurrenten.
Der Burggraben: Warum Shopify mehr als nur eine Webseite ist
"Das Unternehmen bietet Händlern nicht nur einen Online-Shop. Es ist eine End-to-End-Lösung, die Händlern hilft, Logistik, Zahlungen und Bestandsmanagement zu einem vernünftigen Preis abzuwickeln", erklärt Anthony Chukumba, Analyst bei Loop Capital Markets. Selbst wenn Marken KI nutzen könnten, um eigene Plattformen zu bauen, wäre der Aufwand für viele größer als der Nutzen. Ein Beweis für die Attraktivität der Plattform: Allein in diesem Quartal gewann Shopify mehrere Großkunden, darunter Estée Lauder, Starbucks, Coach und E.l.f. Cosmetics.
Auch J.P. Morgan-Analyst Reginald Smith stimmt dem zu: "Der Markt unterschätzt die Kundenbindung der Plattform und den Wert, den Shopify liefert. Sie statten Händler mit einzigartigen KI-Tools aus, die auf Daten von Millionen Händlern und Milliarden Transaktionen trainiert wurden."
Stimmungswandel: Analysten werden optimistischer
Interessanterweise stieg trotz gesenkter Kursziele (Durchschnitt nun ca. 163 USD) der Anteil der Kaufempfehlungen nach den Ergebnissen an. Laut FactSet sind nun knapp 70 % der Analysten "bullish", verglichen mit 59 % Ende Januar. John Shao von TD Cowen stufte die Aktie am Freitag von "Halten" auf "Kaufen" hoch. Sein Argument: Wenn Shopify in der Vergangenheit so bewertet war, lag das oft an externen Faktoren, auf die später eine starke Erholung folgte.
"Agentic Commerce": In der Pole-Position
Die Führungskräfte von Shopify betonen, dass sie seit Jahren die Grundlagen für den Verkauf durch KI-Agenten legen. Die Mühe zahlt sich aus: Bestellungen, die aus KI-Suchen stammten, haben sich im 4. Quartal (verglichen mit Januar 2025) verfünfzehnfacht. Diese Zahl dürfte weiter steigen, da Partnerschaften mit Plattformen wie Gemini und ChatGPT ausgebaut werden. Präsident Harley Finkelstein brachte es diese Woche auf den Punkt: "Um einen Begriff aus dem Rennsport zu nutzen: Ich glaube, wir sind beim Agentic Commerce in der Pole-Position." Der Markt hat das vielleicht nur noch nicht realisiert.


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