TRATON behauptet sich in herausforderndem Umfeld, bleibt beim Ausblick allerdings vorsichtig

Europäische LKW-Hersteller haben ein herausforderndes Jahr hinter sich. Die Nachrichtenagentur Reuters sieht einen Grund hierfür auch in rückläufigen Bestellungen, nachdem eine aufgestaute Nachfrage nach der Pandemie die Verkäufe im Vorjahr auf ein Rekordniveau getrieben hätte. Die deutschen Autobauer hatten insgesamt zuletzt mit Schwierigkeiten zu kämpfen – auch aufgrund einer wachsenden Konkurrenz aus China.

Stabiles Umsatzniveau und robuste Rendite dank starkem Preismanagement und Kostendisziplin

Trotz des schwierigen Umfelds gelang es dem LKW-Bauer TRATON 2024, den Umsatz stabil zu halten. Während sich der Absatz leicht rückläufig entwickelt hatte, stieg der Erlös um 1 % auf 47,5 Mrd. Euro. Ein vorteilhafter Markt- und Produktmix sowie eine verbesserte Preisdurchsetzung im Industriegeschäft (TRATON Operations) konnten den Umsatz stützen. Die bereinigte operative Rendite lag mit 9,2 % sowohl über dem Vorjahresniveau als auch oberhalb der prognostizierten Bandbreite von 8,0 bis 9,0 %. Ein effektives Preismanagement und eine verbesserte Kostendisziplin im Industriegeschäft (TRATON Operations) haben laut TRATON zu der positiven Entwicklung beigetragen. Im Bereich der "Financial Services" kletterte der Umsatz aufgrund eines erhöhten Portfoliovolumens um 22 % auf 1,9 Mrd. Euro. Unterm Strich stieg das Ergebnis je Aktie von 4,90 Euro im Vorjahr auf 5,61 Euro.

Vorstand und Aufsichtsrat planen, der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 1,70 Euro je Anteilsschein vorzuschlagen (2023: 1,50 Euro).

Das Unternehmen habe auf dem Weg zu einer noch stärkeren und effizienteren Gruppe enorme Fortschritte verzeichnet, kommentiert TRATON-CEO Christian Levin und verweist auf die wichtige Rolle des Baukastensystems, dem "TRATON Modular System". Eine verstärkte Zusammenführung signifikanter Teile der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Marken zu einer markenübergreifenden Organisation soll laut Levin zu deutlich mehr Effektivität in der Zusammenarbeit und mehr Agilität führen.

Scania steigert Umsatz – MAN Truck & Bus kämpft mit rückläufigem Absatz

  • Scania konnte den Umsatz im Geschäftsjahr 2024 auf 18,9 Mrd. Euro steigern, nach 17,9 Mrd. Euro im Vorjahr – insbesondere aufgrund eines besseren Neufahrzeuggeschäfts in Südamerika.
  • MAN Truck & Bus hat trotz eines schrumpfenden Absatzes den Umsatzrückgang auf 7 % begrenzen können - der Erlös lag bei 13,7 Mrd. Euro. Die Sparte habe von einer Neuaufstellung des Unternehmens profitiert und trotz einer anhaltende Kaufzurückhaltung im europäischen Markt - vor allem im MAN-Heimatmarkt Deutschland – die bereinigte operative Rendite nahezu auf dem Niveau des Vorjahres halten können, so die Angaben von TRATON.
  • Im Bereich International (ehemals Navistar) wurde trotz niedrigerer LKW-Neuzulassungen in Nordamerika ein stabiler Umsatz ausgewiesen – der Erlös stieg leicht um 1 % auf 11,1 Mrd. Euro.
  • Volkswagen Truck & Bus steigerte den Absatz deutlich auf 45.800 Einheiten (2023: 37.200), während der Auftragseingang um starke 45 % zulegte. In Südamerika wurde auch aufgrund einer positiven konjunkturellen Entwicklung in Brasilien ein robustes Absatzwachstum verzeichnet.

TRATON treibt Elektromobilität voran – Auftragseingang legt um fast 60 % zu

Der LKW-Bauer ist weiterhin davon überzeug, dass die Zukunft des Transports elektrisch und nachhaltig sein wird. Den größten Anteil seiner "Energie" verwendet das Unternehmen daher darauf, diese Entwicklung voranzutreiben. Im vergangenen Jahr konnten einige wichtige Meilensteine erreicht werden - so wurde im Juni mit Erinion eine von Scania gegründete Einheit ins Leben gerufen, die sich auf die Ladeinfrastruktur batterieelektrischer Nutzfahrzeuge spezialisiert hat. Im Bereich MAN habe das Unternehmen für den batterieelektrischen Schwerlast-LKW MAN eTruck im Jahr 2024 ein großes Interesse verzeichnen können, berichtet das TRATON. Das erste Modell wurde an den Automobilzulieferer DRÄXLMAIER Group übergeben. Auch die weiteren Unternehmensbereiche International und Volkswagen Truck & Bus erzielten Fortschritte im Bereich der E-Mobilität.

Unterm Strich lag der Absatz an batterieelektrischen Fahrzeugen unter dem Vorjahreswert, TRATON bleibt für 2025 aber optimistisch – der Auftragseingang ist in diesem Bereich um beinahe 60 % auf fast 4.000 E-Modelle in die Höhe geschnellt.

TRATON stellt sich auf eine schwächere Weltwirtschaft ein – sieht sich dafür gewappnet

Für 2025 erwartet TRATON allerdings eine nachlassende Dynamik der Weltwirtschaft. In einem solchen Umfeld sollen das diversifizierte Geschäftsmodell sowie eine verbesserte Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe eine wesentliche Stütze für den Erfolg sein. Das Unternehmen sieht sich nicht zuletzt aufgrund seiner globalen Aufstellung und des attraktiven Produktportfolios für die anstehenden Herausforderungen gewappnet. In den Kernmärkten dürfte die Kundennachfrage nach LKW insgesamt nachlassen, prognostiziert TRATON und rechnet mit einer Absatzentwicklung in einer Spanne von -5 bis +5 % – in dieser Bandbreite soll sich auch der Umsatz bewegen. Die bereinigte operative Rendite wird in einem Bereich von 7,5 % bis 8,5 % erwartet. TRATON weist darauf hin, dass der Ausblick unter dem Vorbehalt zukünftiger geopolitischer Entwicklungen, insbesondere in den USA, und deren Auswirkungen auf das Geschäft steht.


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