Warner Bros: Paramount sichert sich Hollywood-Studio für 111 Mrd. USD!
Der Übernahmepoker um Warner Bros. Discovery ist beendet. Paramount übernimmt das Hollywood-Studio für 111 Mrd. USD. Netflix zog sein Angebot nach Ablauf einer viertägigen Nachbesserungsfrist am Donnerstag in Los Angeles offiziell zurück. Während der Warner-Verwaltungsrat zuvor den Aktionären noch die Annahme der Netflix-Offerte empfahl, machte die Konzernführung nun den Weg für Paramount Skydance unter der Leitung von David Ellison frei. Die Börse reagierte unmittelbar auf diese Entscheidung: Netflix-Aktien verzeichneten einen Kurssprung von bis zu 13 %, während Warner-Papiere fielen und Paramount zunächst unverändert notierte.
Larry Ellison garantiert 40 Mrd. USD an Eigenkapital
Im Vorfeld lieferten sich die Kontrahenten einen intensiven Bieterwettstreit mit völlig unterschiedlichen Ansätzen. Netflix bot im Dezember 82,7 Mrd. USD ausschließlich für das Film- und Streaming-Segment, um die linearen TV-Sender abzuspalten. Paramount zielte hingegen auf die Komplettübernahme inklusive der Kabelnetzwerke CNN, TNT und HBO ab. Skydance-Chef David Ellison sicherte den Deal mit konkreten finanziellen Garantien. Finanziert wird die Akquisition maßgeblich durch Oracle-Gründer Larry Ellison, der persönliche Garantien über 40 Mrd. USD an Eigenkapital beisteuert. Die Netflix-Co-Chefs Ted Sarandos und Greg Peters erklärten den Ausstieg nüchtern mit Verhandlungsdisziplin, da der Deal "finanziell nicht mehr attraktiv" sei. In einem Statement teilten sie mit, man sei überzeugt, "dass wir die ikonischen Marken von Warner Bros. gut geführt hätten", betonten jedoch abschließend: "Aber diese Transaktion war immer ein ‚Nice to have‘ zum richtigen Preis, kein ‚Must have‘ um jeden Preis."
Die Übernahme weckt Bedenken um den Sender CNN
Die Transaktion besitzt neben der finanziellen auch eine messbare politische Komponente. Im Zentrum steht der Nachrichtensender CNN, der oft kritisch über den US-Präsidenten Donald Trump berichtet. Trump forderte öffentlich einen Eigentümerwechsel und wurde von Ellison für das Vorhaben gezielt umworben. Da die Nachrichtenformate der Paramount-Tochter CBS seit dem Einstieg der Ellison-Familie im August freundlicher über die Regierung berichten, befürchten Kritiker in den USA konkrete Eingriffe in die redaktionelle Unabhängigkeit von CNN. Flankiert wurde der Prozess von kartellrechtlichen Auseinandersetzungen, bei denen Paramount die Regulierungsbehörden vor einer erdrückenden Marktmacht von Netflix im Streaming-Sektor warnte. Sollten die Kartellbehörden den Paramount-Deal dennoch blockieren, könnte Netflix den Übernahmeprozess theoretisch neu anstoßen.
Warner Bros. feiert anhaltende Erfolge an den Kinokassen
Abseits der Übernahme baut Warner Bros. das operative Kerngeschäft messbar aus. Das Streaming-Portal Max verzeichnet globales Wachstum durch die Bindung an exklusive Inhalte. Im Filmbereich blickt das Studio auf eine handfeste Erfolgsserie zurück, bei der im vergangenen Jahr neun aufeinanderfolgende Kinostarts direkt die Spitze der Kinocharts eroberten. Aktuell generiert das Superhelden-Epos "Superman" aus der DC-Studios-Schmiede von James Gunn hohe Einnahmen, während Neuerscheinungen wie "Wuthering Heights" das Portfolio ergänzen. Für die kommenden Jahre plant der Konzern bereits Großprojekte wie den nächsten Ableger aus dem "Lord of the Rings"-Universum sowie Fortsetzungen etablierter Blockbuster-Reihen, um die Verwertungskette über Kinos, Streaming und das margenstarke Gaming-Segment auszulasten.
Der Quartalsumsatz sinkt leicht auf 9,46 Mrd. USD
Diese operative Entwicklung zeigt sich detailliert im Zahlenwerk für das 4. Quartal 2025. Warner Bros. Discovery erzielte einen Quartalsumsatz von 9,46 Mrd. USD und übertraf damit die Erwartungen der Analysten leicht, obwohl die Einnahmen im Jahresvergleich um 6 % sanken. Dieser Rückgang resultiert primär aus den fortlaufenden Strukturproblemen im linearen Kabelfernsehgeschäft sowie fehlenden Werbeeinnahmen durch den Verlust von Übertragungsrechten. Unter dem Strich verbuchte der Medienriese einen Nettoverlust von 252 Mio. USD, was auf abschreibungsbedingte Sonderlasten und Umstrukturierungskosten aus der früheren Fusion zurückzuführen ist. Der strategische Wachstumstreiber bleibt das Streaming-Segment: Die Abonnentenzahl kletterte global im 4. Quartal um 3,5 Mio. auf nunmehr 131,6 Mio. Nutzer.
Paramount übernimmt enorme finanzielle Verpflichtungen
Mit der Bar- und Aktienkomponente von 111 Mrd. USD kauft sich Paramount direkt 131,6 Mio. bestehende Streaming-Abonnenten, globale Produktionskapazitäten sowie die Rechte an Marken wie HBO und DC ein. Paramount steht nun vor der bilanztechnischen Aufgabe, die zugesicherte Ausfallgebühr von 7 Mrd. USD und die übernommene Netflix-Vertragsstrafe von 2,8 Mrd. USD durch rasche Kostensenkungen bei der Integration der Studios zu amortisieren. Netflix entgeht durch den Verzicht auf das ursprüngliche 82,7-Mrd.-USD-Angebot zwar die direkte Übernahme des Filmgeschäfts, behält jedoch seine liquiden Mittel in voller Höhe für eigene Produktionen und vermeidet eine Verwässerung des Aktionärskapitals. Der unmittelbare Kursanstieg der Netflix-Aktie um 13 % belegt exemplarisch, dass Investoren diesen Verzicht auf eine massive Schuldenaufnahme für den Zukauf direkt honorieren.
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