KI-Infrastruktur: Warum optische Netztechnik-Aktien zu den großen Gewinnern der KI-Ära gehören könnten
Aktien rund um die optische KI-Infrastruktur zeigen viel Momentum und demonstrieren relative Stärke. Piper Sandler glaubt, dass dies erst der Anfang eines mehrjährigen Aufstiegs ist, da diese Unternehmen die dringend benötigte Hochgeschwindigkeits-Infrastruktur für das KI-Zeitalter aufbauen.
Der Boom rund um künstliche Intelligenz hat die Börsen bislang vor allem bei Halbleiterwerten beflügelt. Unternehmen wie GPU-Hersteller stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Eine aktuelle Studie der US-Investmentbank Piper Sandler lenkt den Blick jedoch auf einen weniger beachteten, aber strategisch entscheidenden Teil der Wertschöpfungskette: optische Datenübertragung und Laser-Technologie.
Die Analysten argumentieren, dass der Aufbau immer größerer KI-Rechenzentren eine völlig neue Generation von Hochgeschwindigkeits-Netzinfrastruktur erfordert. Während klassische Server-Netzwerke lange Zeit mit elektrischen Verbindungen auskamen, stoßen diese bei den extremen Datenmengen moderner KI-Cluster zunehmend an physikalische Grenzen.
Die Lösung liegt in Photonik und Glasfasertechnologie, also der Übertragung von Daten über Lichtsignale. Genau in diesem Bereich sehen die Analysten einen strukturellen Wachstumsmarkt. Gleichzeitig zeigen zahlreiche Aktien aus diesem Segment laut Studie eine überdurchschnittlich starke charttechnische Entwicklung, was auf eine zunehmende Aufmerksamkeit institutioneller Investoren hindeutet.
Der fundamentale Hintergrund: KI treibt den Bedarf an Datenübertragung massiv
Der entscheidende Treiber hinter der zunehmenden Aufmerksamkeit für Anbieter optischer Netztechnik liegt in der Architektur moderner KI-Systeme. Große Sprachmodelle, Bildgeneratoren oder komplexe Analysemodelle werden nicht auf einzelnen Prozessoren trainiert, sondern auf riesigen Clustern aus tausenden spezialisierten Grafikprozessoren. Diese Systeme müssen permanent gewaltige Datenmengen untereinander austauschen. Während früher vor allem die Rechenleistung der entscheidende Engpass war, rückt inzwischen zunehmend die Geschwindigkeit der Datenübertragung in den Mittelpunkt.
Die Dimensionen sind enorm. Moderne KI-Trainingssysteme bestehen inzwischen häufig aus Zehntausenden GPUs, die in Rechenzentren miteinander verbunden werden. Zwischen diesen Prozessoren müssen während des Trainingsprozesses kontinuierlich Datenpakete übertragen werden. Selbst kleinste Verzögerungen können dabei erhebliche Effizienzverluste verursachen. Deshalb benötigen solche Systeme extrem hohe Bandbreiten bei gleichzeitig möglichst niedriger Latenz.
Hier stoßen klassische elektrische Verbindungen zunehmend an ihre physikalischen Grenzen. Kupferbasierte Kabel können Daten zwar zuverlässig übertragen, doch bei steigenden Geschwindigkeiten wachsen Energieverbrauch und Wärmeentwicklung stark an. Gleichzeitig nimmt die maximale Übertragungsdistanz ab. Genau an diesem Punkt kommen optische Verbindungen ins Spiel. Bei der Datenübertragung über Glasfaser werden Informationen in Form von Lichtsignalen transportiert. Diese Technologie ermöglicht deutlich höhere Bandbreiten und kann Daten über größere Distanzen transportieren, ohne dass die Signalqualität leidet.
Die Entwicklung der Übertragungsstandards verdeutlicht die Dynamik dieses Trends. Während in Rechenzentren vor wenigen Jahren noch 100-Gigabit-Verbindungen als leistungsfähig galten, breitet sich inzwischen der Standard von 400 Gigabit pro Sekunde aus. Die nächste Generation mit 800 Gigabit pro Sekunde steht bereits vor der breiten Einführung. Parallel dazu arbeiten zahlreiche Hersteller bereits an Lösungen im Bereich von 1,6 Terabit pro Sekunde. Solche Geschwindigkeiten lassen sich praktisch nur noch mit optischer Technologie realisieren.
Strukturell wachsende Märkte
Der KI-Boom beschleunigt diesen Wandel erheblich. Große Cloud-Konzerne investieren derzeit Milliardenbeträge in den Ausbau ihrer Rechenzentren. Marktstudien gehen davon aus, dass die globalen Investitionen in Hyperscale-Rechenzentren in den kommenden Jahren jährlich im zweistelligen Prozentbereich wachsen könnten. Gleichzeitig steigt der Anteil optischer Verbindungen innerhalb dieser Anlagen kontinuierlich. Branchenanalysten erwarten, dass der Markt für optische Transceiver für Rechenzentren in den kommenden Jahren auf deutlich über 20 Mrd. Dollar pro Jahr anwachsen könnte.
Besonders stark wächst dabei der Bedarf an sogenannten Data-Center-Interconnects, also Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen einzelnen Rechenzentren oder zwischen verschiedenen Clustern innerhalb großer Anlagen. Gerade bei KI-Anwendungen müssen enorme Datenmengen zwischen verschiedenen Standorten übertragen werden, etwa wenn Trainingsdaten verarbeitet oder Modelle verteilt werden. Glasfaserverbindungen bilden deshalb zunehmend das Rückgrat moderner Dateninfrastrukturen.
Für Anbieter von Laser- und Photoniktechnologien eröffnet sich dadurch ein strukturell wachsender Markt. Laser dienen als zentrale Bausteine in optischen Transceivern, also jenen Komponenten, die elektrische Signale in Lichtsignale umwandeln und umgekehrt. Glasfaserhersteller wiederum liefern die physischen Leitungen, über die diese Daten transportiert werden. Netzwerkunternehmen entwickeln die Systeme, mit denen die Datenströme gesteuert und verteilt werden.
Damit entsteht rund um die KI-Industrie eine zweite wichtige Infrastruktur-Ebene neben den Halbleitern. Während Chipunternehmen die eigentliche Rechenleistung bereitstellen, sorgen Anbieter optischer Technologien dafür, dass diese Rechenleistung überhaupt effizient genutzt werden kann. Ohne leistungsfähige Datenverbindungen wäre der Betrieb großer KI-Cluster kaum möglich. Genau deshalb richtet sich der Blick vieler Investoren zunehmend auch auf jene Unternehmen, die die "Datenautobahnen" der KI-Ära liefern.
Charttechnische Ausgangslage: Ein Sektor mit ungewöhnlich hoher relativer Stärke
Vor diesem fundamentalen Hintergrund überrascht es nicht, dass zahlreiche Aktien aus dem Bereich Laser- und Optical-Equipment derzeit auch charttechnisch ein bemerkenswert starkes Bild zeigen. In der Analyse von Piper Sandler fällt auf, dass viele Titel des Sektors in den vergangenen Monaten eine deutlich höhere relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt entwickelt haben. Gleichzeitig weisen mehrere Aktien ein ausgesprochen positives Momentum über längere Zeiträume auf.
Typisch für solche Marktphasen ist eine Kombination aus steigenden Kursen, zunehmenden Handelsvolumina und dem Überwinden langfristiger Widerstandszonen. Genau dieses Muster lässt sich laut der Studie bei mehreren Unternehmen der Branche beobachten. Einige Titel sind über ihre 26-Wochen-Hochs gestiegen, andere sind eifrig auf Rekordjagd. Aus Sicht der technischen Analyse deutet ein solches Verhalten häufig darauf hin, dass größere institutionelle Investoren beginnen, ihre Engagements systematisch auszubauen.
Fünf Schlüsselunternehmen der KI-Netzinfrastruktur
Aus der Kombination von charttechnischer Stärke und fundamentaler Positionierung lassen sich anknüpfend an die zitierte Studie fünf besonders interessante Unternehmen herausfiltern.
1. Coherent (ISIN: US19247G1076 – 235,72 USD)
Coherent zählt zu den weltweit führenden Anbietern von Laser- und Photoniktechnologien. Das Unternehmen liefert Komponenten für eine Vielzahl von Anwendungen, darunter Halbleiterfertigung, Telekommunikation und Datenübertragung.
Im Kontext der KI-Infrastruktur spielt Coherent eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Laser-Bauteilen und optischen Komponenten, die in Hochgeschwindigkeits-Netzwerken eingesetzt werden.
Fundamental spricht für das Unternehmen eine starke Marktposition bei Photonik-Halbleitern, eine steigende Nachfrage aus Rechenzentren und langfristige strukturelle Wachstumsraten im Bereich optischer Datenübertragung
Charttechnisch zeigt die Aktie laut der zitierten Studie ein sehr robustes Bild mit deutlichem Aufwärtstrend und hoher relativer Stärke. Sehr positiv ist hier auch, dass der Kurs unter dem Strich bereits seit 1993 steigt und es sich somit um einen charttechnischen Dauerläufer handelt.


Quelle: Wachtums-Check TraderFox
2. Lumentum (ISIN: US55024U1097 – 558,23 USD)
Lumentum ist ein führender Anbieter von optischen Kommunikationskomponenten, insbesondere Lasern und optischen Modulen für Hochgeschwindigkeitsnetzwerke.
Die Produkte des Unternehmens werden in Cloud-Rechenzentren, Telekommunikationsnetzen
Und optischen Datenverbindungen eingesetzt. Mit dem Übergang zu immer schnelleren Datenübertragungsstandards wie 800-Gigabit-Verbindungen steigt der Bedarf an entsprechenden Komponenten deutlich.
Die Piper-Studie sieht in Lumentum einen der wichtigsten direkten Profiteure des KI-Infrastrukturbooms. Der Titel ist passend dazu in letzter Zeit so richtig nach oben marschiert. So ist der Kurs ausgehend von 49,56 USD am 04.04.2025 in der Spitze bis zum 02.03.2026 auf 783,25 USD geklettert, woraus sich ein sehr steiler Aufwärtstrend ergibt.


Quelle: Wachstums-Check TraderFox
3. Ciena (ISIN: US1717793095 – 294,17 USD)
Ciena ist ein Spezialist für Netzwerkausrüstung und optische Transporttechnologie. Das Unternehmen liefert Systeme, mit denen große Datenmengen über Glasfasernetze transportiert werden können.
Gerade für die Verbindung großer Rechenzentren gewinnt diese Technologie an Bedeutung. KI-Anwendungen erzeugen riesige Datenströme, die zwischen verschiedenen Standorten übertragen werden müssen.
Fundamental profitieren Unternehmen wie Ciena von steigenden Investitionen in Rechenzentren, dem Ausbau globaler Glasfasernetze sowie der der zunehmenden Digitalisierung vieler Industrien.
Charttechnisch zeigt auch diese Aktie laut Studie ein positives Momentum und eine stabile Aufwärtsstruktur. Die Details zeigen von April 2025 bis zum 02. März einen starken Anstieg von 53,50 USD auf 353,73 USD, wobei die Notiz letztlich schon seit Februar 2009 nach oben zieht.


Quelle: Qualitäts-Check TraderFox
4. Corning (ISIN: US2193501051 – 123,29 USD)
Corning ist vor allem als Hersteller von Glasfaser-Infrastruktur bekannt. Das Unternehmen produziert Kabel, Glasfasern und andere Komponenten, die die physische Grundlage moderner Datennetze bilden.
Während viele Investoren beim Thema KI zunächst an Chips denken, liegt eine entscheidende Voraussetzung für den KI-Boom in der Infrastruktur: Ohne leistungsfähige Glasfasernetze können die enormen Datenmengen moderner KI-Systeme nicht transportiert werden.
Corning profitiert deshalb indirekt vom Aufbau neuer Rechenzentren sowie vom Ausbau globaler Dateninfrastrukturen.
Die Aktie wird in der Studie ebenfalls als charttechnisch stark hervorgehoben. Das ist kein Wunder, schließlich ist der Kurs seit April 2025 von 39.06 USD auf in der Spitze 160,43 USD gestiegen und noch sehr viel besser fällt die Bilanz aus, wenn man berücksichtigt, dass diese Aktie im Oktober 2002 nur bei 1,10 USD handelte.


Quelle: Wachstums-Check TraderFox
5. IPG Photonics (ISIN: US44980X1090 – 120,70 USD)
IPG Photonics ist ein Pionier im Bereich Hochleistungslaser. Die Technologie des Unternehmens wird in zahlreichen Industrien eingesetzt, von der Materialbearbeitung bis zur optischen Kommunikation.
Im KI-Kontext sind vor allem Anwendungen relevant, bei denen Laser-Technologie für präzise und schnelle Datenübertragung genutzt wird.
Fundamental sprechen für IPG Photonics folgende Argumente: technologische Führungsposition bei Faserlasern, breite industrielle Kundenbasis und zunehmende Bedeutung optischer Systeme in Hochgeschwindigkeitsnetzwerken.
Auch hier sehen die Analysten eine überzeugende charttechnische Entwicklung. Dieser Titel läuft noch nicht so lange stark wie das zuvor besprochene Quartett, seit April 2025 ist aber Zug drin, wie ein seitdem verbuchter Anstieg von 49,68 USD auf in der Spitze 153,91 USD dokumentiert. Jüngst hat die Notiz zwar wieder etwas korrigiert, aber die Basis scheint laut Piper gelegt zu sein für eine anhaltende Wiederannäherung an das Schlussrekordhoch von 263,34 USD vom Januar 2018.


Quelle: Wachstums-Check TraderFox
Fazit: Eine unterschätzte Gewinnergruppe des KI-Booms
Die Studie verdeutlicht, dass der KI-Boom nicht nur Halbleiterunternehmen zugutekommt. Eine zweite zentrale Gewinnergruppe entsteht bei Unternehmen, die die physische Dateninfrastruktur der KI-Welt bereitstellen.
Photonik, Glasfaser und Laser-Technologie bilden gewissermaßen das Nervensystem moderner Rechenzentren. Ohne diese Komponenten lassen sich die enormen Datenströme moderner KI-Modelle nicht bewältigen.
Die Kombination aus strukturellem Nachfragewachstum, steigenden Investitionen in Rechenzentren und auffällig starken Chartbildern macht den Sektor der optischen Netztechnik daher zu einem der interessantesten Nebenschauplätze der KI-Revolution.
Für Anleger könnte sich hier eine Entwicklung abzeichnen, die in der Vergangenheit häufig zu beobachten war: Nachdem zunächst die offensichtlichen Gewinner eines technologischen Trends im Fokus standen, rücken mit zeitlicher Verzögerung jene Unternehmen in den Blick, die die notwendige Infrastruktur für diesen Trend liefern.
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