MidCap-Top-Picks: Das sind die 5 deutschen Aktien-Favoriten von Jefferies im Nebenwerte-Segment

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Nebenwerte hinken Standardtiteln in Europa seit Jahren hinterher. Doch es gibt Argumente dafür, dass die vergessene Anlageklasse vor einer Wende zum Besseren steht. Jefferies setzt genau darauf auch mit fünf Favoriten aus Deutschland.

Jefferies hat jüngst die hausinternen Top-Picks im Mid-Cap-Segment in Europa vorgestellt. Das heißt, es geht um jene Unternehmen mit mittlerer Börsenkapitalisierung (Nebenwerte), die laut der Definition des US-Finanzdienstleisters auf einen Börsenwert von unter zehn Mrd. EUR kommen.

Herausgekommen sind dabei jene 24 Aktien, die Jefferies unter den mehr als 500 paneuropäischen Unternehmen derzeit für am aussichtsreichsten hält. Bei der Auswahl lag der Fokus auf Titel, bei denen man eine differenzierte, durch einzigartige Analysen gestützte Einschätzung über eine Reihe von Sektoren, Themen und Regionen hinweg hat.

Zur besseren Einordnung sei an dieser Stelle folgendes angemerkt: Während europäische Großkonzerne in den letzten Jahren die Scheinwerfer der Märkte auf sich zogen, spielten kleinere und mittlere Unternehmen abseits der Bühne. Die historischen Daten zeigen jedoch nach Einschätzung von Jefferies auch, dass europäische Nebenwerte vor einer massiven Aufholjagd stehen könnten, sobald sich das wirtschaftliche Umfeld stabilisiert.

Bewertungsabschlag ermöglicht nach fünf Jahren Flaute günstige Einstiegschancen

Ein Blick auf die langfristige Wertentwicklung verdeutlicht das Ausmaß der aktuellen Durststrecke. Seit mittlerweile fünf aufeinanderfolgenden Jahren weisen europäische Small und Mid Caps eine relative Underperformance gegenüber den Large Caps auf. Nach einem deutlichen Rückschlag von minus 12 % im Jahr 2022 blieben die kleineren Werte auch in den Folgejahren mit jährlichen Rückständen zwischen 2 % und 4 % hinter den Standardwerten zurück. Für das laufende Jahr 2026 zeichnet sich mit einem bisherigen Minus von 4 % ein ähnliches Bild ab.

MSCI Europe Small Cap im Vergleich zum MSCI Europe

MSCI Europe Small Cap im Vergleich zum MSCI Europe

Quellen: FactSet, Jefferies

Diese anhaltende Schwächephase steht im krassen Widerspruch zu den Jahren 2000 bis 2020, in denen kleinere Unternehmen die Großkonzerne regelmäßig und teils zweistellig abhängen konnten – wie etwa mit einem Plus von 27 % im Jahr 2009 oder jeweils 15 % in den Jahren 2013 und 2015.

Durch die jahrelange Vernachlässigung durch Investoren ist die Bewertung europäischer Nebenwerte auf ein Niveau gesunken, das in der Vergangenheit oft den Startschuss für eine kräftige Rallye markierte. Basierend auf den Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate werden europäische Small Caps derzeit mit einem Bewertungsabschlag von 9 % gegenüber Large Caps gehandelt. Historisch betrachtet ist das eine Anomalie: Im langfristigen Durchschnitt weisen kleinere Unternehmen aufgrund ihres höheren Wachstumspotenzials einen Bewertungsaufschlag von im Schnitt rund 11 % auf.

Relatives KGV auf Basis der nächsten zwölf Monate – MSCI Europe Small Cap gegenüber MSCI Europe

Relatives KGV auf Basis der nächsten zwölf Monate

Quellen: Bloomberg, S&P Global, Jefferies

Ein solcher Bewertungsabschlag wie momentan ist extrem selten und trat in den letzten zwei Jahrzehnten fast ausschließlich in schweren Krisenzeiten auf. Im November 2008 lag der Abschlag bei 6 %, woraufhin die Nebenwerte in den folgenden zwölf Monaten um 28 % und auf Sicht von zwei Jahren sogar um 48 % besser abschlossen als die Großkonzerne. Auch nach den Bewertungsböden der Jahre 2014, 2016 und 2020 folgten stets Phasen einer deutlichen Outperformance.

Konjunkturaufschwung als Voraussetzung für eine Wende

Trotz der bereits verlockenden Bewertung ist beim Einstieg Timing und Selektion gefragt. Ein erster Erholungsversuch im ersten Halbjahr 2025, der durch deutsche Konjunkturstimuli ausgelöst wurde, verpuffte nach dem Sommer wieder. Aktuell bewegen sich die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) um die neutrale Linie herum.

Damit die Anlageklasse der Mid Caps wieder auf breiter Front und nachhaltig den Gesamtmarkt schlagen kann, braucht es laut Jefferies einen spürbaren und dauerhaften wirtschaftlichen Aufwärtstrend. Als klares Signal für den Beginn eines neuen Aufwärtszyklus gilt eine Serie von drei bis vier aufeinanderfolgenden Monaten, in denen die Einkaufsmanagerindizes deutlich über der Expansionsschwelle von 50 Punkten notieren. Angesichts makroökonomischer Risiken wie potenziell schwankender Inflationsdaten und Zinssätze bleibt ein fokussiertes Stock-Picking innerhalb dieses Segments bis dahin der Schlüssel zum Erfolg.

Die fünf deutschen Nebenwerte-Favoriten von Jefferies im Überblick

Im aktuellen Umfeld tritt Jefferies im Nebenwerte-Segment wie bereits geschrieben derzeit mit 24 Top-Favoriten an. Darunter sind auch fünf Aktien, die ihr Hauptlisting in Deutschland haben. Für jeden dieser Werte liefern wir nachfolgend die Investment-These von Jefferies, die Einschätzung der zuständigen Analysten zur Bewertung sowie den anstehenden Katalysatoren. Mit letzterem sind anstehende Ereignisse gemeint, wie Quartalszahlen, Produktzulassungen oder Kapitalmarkttage, die den jeweiligen Aktienkursen zeitnah einen spürbaren Impuls geben könnten.

Nebenwerte-Favorit Nr. 1: Auto1 (ISIN: DE000A2LQ884, Kurs am 10.07.26: 25,38 Euro, Kursziel: 31,00 Euro, Kurspotenzial: 22,1 %)

Auto1 Chart

Investment-Ansatz: Die AUTO1 Group SE betreibt eine vertikal integrierte digitale Plattform für den Kauf, Verkauf und die Finanzierung von Gebrauchtwagen in dreißig europäischen Ländern und richtet sich sowohl an Großhändler als auch an Endverbraucher.

Die Investment-Story konzentriert sich auf den Gewinn von Marktanteilen in einem fragmentierten, adressierbaren Markt von 700 Mrd. Euro durch die strukturelle Verlagerung von Transaktionen von Offline- zu Online-Kanälen. Nachdem im Geschäftsjahr 2025 ein Rekord-Rohertrag und ein positives bereinigtes EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) erzielt wurden, verlagert das Unternehmen den Fokus nun auf Volumenbeschleunigung und operative Hebelwirkung.

Die Prognose des Managements für das Geschäftsjahr 2026 strebt eine Gesamtanzahl von bis zu einer Million Einheiten und ein bereinigtes EBITDA von 250 bis 275 Mio. Euro an, gestützt durch eine proprietäre, auf künstlicher Intelligenz basierende Preisfindung und ein großes physisches Logistiknetzwerk. Die Integration eigener Finanzierungslösungen bietet einen margenstarken Umsatzstrom, der die Gesamtkapitalintensität senkt.

Was Jefferies von der Marktmeinung unterscheidet: Die Einschätzung des US-Finanzdienstleisters priorisiert die langfristige Dimension der Ertragskraft aus dem Finanzierungsgeschäft gegenüber kurzfristigen Schwankungen beim Absatzwachstum. Während sich der Markt auf die Volatilität der Gebrauchtwagenpreise konzentriert, glauben die zuständigen Analysten, dass die Skalierbarkeit von regresslosen Asset-Backed-Securitisation-Linien (Verbriefungsstrukturen) einen strukturellen Kapitalkostenvorteil bietet, der oft übersehen wird.

Es wird erwartet, dass die Beschleunigung des Rollouts der eigenen Finanzierung in Märkten wie Spanien und den Niederlanden durch Zinseinnahmen und Kreditabschlussquoten zu einer deutlichen Ausweitung des Rohertrags pro Einheit führen wird. Darüber hinaus betrachtet man die Investitionen in die Endkundenmarke und die Aufbereitungszentren als eine notwendige Voraussetzung für das Erreichen eines nachhaltigen Marktanteils von 10 %, auch wenn dies den unmittelbaren Margenhöhungszeitpunkt verzögert. Diese differenzierte Sichtweise auf die Geschwindigkeit der vertikalen Integration deutet auf ein widerstandsfähigeres mittelfristiges Cash-Generierungsprofil hin, als derzeit erwartet wird.

Katalysatoren: Ein Haupttreiber für eine Neupositionierung der Investoren ist das Potenzial für aufeinanderfolgende Prognoseanhebungen im Laufe des Geschäftsjahres 2026, nachdem das Unternehmen in der Vergangenheit interne Ziele bereits übertroffen und angehoben hat. Die kontinuierliche Ausweitung des Händlerfinanzierungsprogramms auf neue Regionen wie Polen und Schweden dient als wichtiger Indikator für die Plattformbindung und die Unterstützung der Händlerliquidität.

Quartalsweise Trendwenden bei den Erträgen, insbesondere im Endkundensegment, könnten den Weg zu langfristigen bereinigten EBITDA-Margen von 5 bis 9 % bestätigen. Darüber hinaus wird erwartet, dass der vollständige Rollout der KI-gestützten Inspektionstechnologie und der automatisierten Preisfindungsalgorithmen erhebliche operative Effizienzen generiert und die indirekten Kosten pro Einheit senkt. Alle strategischen Maßnahmen zur Kapitalallokation oder die Einführung eines Dividendenstroms auf mittlere Sicht würden wahrscheinlich zu einer Neubewertung der Aktie führen, so das Urteil.

Bewertung: Basierend auf den Jefferies-Finanzmodellen und der jüngsten Sektoranalyse bleibt die Bewertung im Vergleich zu historischen Niveaus und globalen Branchenkollegen attraktiv. Nach sden internen Schätzungen für das nächste volle Geschäftsjahr werden die Aktien mit einem EV/EBITDA-Multiple (Unternehmenswert zu operativem Gewinn vor Abschreibungen) von 23x gehandelt. Multiplikatoren dieser Art spiegeln das verbesserte Rentabilitätsprofil des Unternehmens und seine Position als führende digitale Automobilplattform in Europa wider.

Die Analysten glauben, dass dieses Niveau durch das erwartete Umsatzwachstum im mittleren Zehnprozent-Bereich (ca. 13 % bis 17 %) und den Ausbau margenstarker Zusatzleistungen gerechtfertigt ist. Die Bewertung berücksichtigt auch eine solide Bilanz, die durch eine erhebliche Nettoliquidität und den effektiven Einsatz von regresslosen Schulden zur Finanzierung von Lagerbeständen und Konsumentenkreditbüchern gekennzeichnet ist.

Diese Kennzahl deutet darauf hin, dass der aktuelle Marktpreis das strukturelle Ertragswachstumspotenzial des vertikal integrierten Modells nicht vollständig abbildet. Die Bewertung von Jefferies schließt potenzielle Vorteile aus steuerlichen Verlustvorträgen aus und konzentriert sich auf die operative Kernleistung.

Nebenwerte-Favorit Nr. 2: Bechtle (ISIN: DE0005158703, Kurs am 10.07.26: 30,56 Euro, Kursziel: 45,00 Euro, Kurspotenzial: 47,3 %)

Bechtle Chart

Investment-Ansatz: Bechtle bietet IT-Infrastruktur und Managed Services an und konzentriert sich auf kleine und mittlere Unternehmen sowie öffentlich-rechtliche Auftraggeber in ganz Europa. Die Unternehmensgruppe bewegt sich aus einer Phase zurückhaltender Ausgaben – insbesondere im Heimatmarkt Deutschland – hinein in eine Phase der strukturellen Erholung, da sich die IT-Budgets der Unternehmen zu normalisieren beginnen.

Für das Geschäftsjahr 2026 sagt die bestätigte Prognose ein Wachstum des Geschäftsvolumens von 5 % - 10 % und ein Wachstum des Ergebnisses vor Steuern von 0 % -5 % voraus, was ein vorsichtiges Volumenszenario angesichts geopolitischer Unsicherheiten und Engpässen in der Lieferkette für Speicherkomponenten widerspiegelt.

Trotz dieses Gegenwinds bietet der Rekord-Auftragsbestand von 3,3 Mrd. Euro am Ende des ersten Quartals 2026 eine erhebliche Umsatztransparenz und stützt eine stabile Entwicklung der EBT-Marge (Ergebnis vor Steuern-Marge). Das dezentrale Modell sorgt für hohe Kundennähe und die Nachhaltigkeit des Wachstums durch strukturellen Rückenwind aus der Digitalisierung.

Was Jefferies von der Marktmeinung unterscheidet: Während sich die Marktberichte auf die unmittelbaren Auswirkungen der Preisvolatilität bei Speicherkomponenten konzentrieren, heben die zuständigen Analysten den langfristigen Vorteil von Bechtles Fähigkeit hervor, umfangreiche Rahmenvereinbarungen zu monetarisieren, die historische Höchststände erreicht haben. Die Debatte konzentrierte sich stark auf die Margenenttäuschung des Jahres 2025, insbesondere in Frankreich und bei den Integrationskosten, aber man betrachtet diese als behebbare Probleme bei der Umsetzung und nicht als strukturelle Beeinträchtigung.

Deutschland bleibt hochprofitabel, die Pipeline im öffentlichen Sektor hat sich wieder beschleunigt, und die internationale Underperformance hinterlässt einen Hebel zur Selbsthilfe, da Prozesse, Beschaffung und Managed-Service-Kapazitäten standardisiert werden. Die jüngste Disziplin beim Personalbestand und ein positiver operativer Cashflow deuten zudem darauf hin, dass das Management die Profitabilität schützen kann, während sich die Nachfrage normalisiert.

Dies impliziert, dass sich die mittelfristigen Erträge und die Cash-Conversion schneller erholen können, als eine einfache Extrapolation des Jahres 2025 vermuten lässt, was das Risiko-Rendite-Profil verbessert, wenn sich die Auftragsdynamik in Auslieferung und Auslastung ummünzt.

Katalysatoren: Zu den wichtigsten zukunftsgerichteten Treibern gehören die Freigabe aufgestauter Kundenausgaben und die Beschleunigung des lang erwarteten Erneuerungszyklus, da das Support-Ende für ältere Systeme näher rückt. Jefferies erwartet, dass sich die Dynamik des zweiten Quartals auf einem hohen Niveau fortsetzt, ähnlich wie im ersten Quartal, als das Geschäftsvolumen um 13 % stieg (3 % - 4 % Preis / 9 % Volumen).

Trotz der höheren Hardwarekosten erholt sich die Kundennachfrage auf breiter Front mit guter Dynamik bei deutschen öffentlichen Auftraggebern aufgrund der frühzeitigen Budgetfixierung, aber auch bei kleinen und mittleren Unternehmen von den zuvor niedrigen Niveaus aus. Man erwartet zudem, dass im zweiten Quartal die ersten Bonuszahlungen vereinnahmt werden, angetrieben durch ein stärker als erwartet ausgefallenes Wachstum in den ersten sechs Monaten, was die EBT-Margen nach einem noch glanzlosen ersten Quartal stützen würde.

Da Projekte im aktuellen Umfeld tendenziell etwas länger in der Umsetzung dauern, erwartet man, dass Bechtle im Juni erneut einen Rekord-Auftragsbestand vortragen wird, was dem Unternehmen eine gute Sichtbarkeit für die zweite Jahreshälfte verleiht. Strategische Maßnahmen, einschließlich des Übergangs zu einem neuen Vorstandsvorsitzenden im Jahr 2027 und der fortgesetzten europäischen Konsolidierung durch gezielte Akquisitionen, dienen als sekundäre Performance-Auslöser.

Bewertung: Mit einem KGV von 15 für das Geschäftsjahr 2026 notiert die Aktie derzeit 25% bzw. 35% unter ihrem Fünf- und Zehnjahres-Durchschnitt. Diese Herabstufung wurde hauptsächlich durch die vorsichtige Prognose für das Geschäftsjahr 2026 ausgelöst, wodurch die Aktie wie ein Unternehmen mit niedrigem einstelligem Wachstum bewertet wird. Eine nachhaltige Rückkehr zu zweistelligen Wachstumszahlen würde die Marktwahrnehmung verändern und dazu beitragen, die Bewertungsmultiples wieder an den Mittelwert heranzuführen.

Das Jefferies-Kursziel von 45 Euro impliziert einen Ziel-Multiplikator von 9x EV/EBITDA oder ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20x für das Geschäftsjahr 2027, was weitgehend im Einklang mit dem eigenen historischen Durchschnitt des Unternehmens steht. Die Bewertung wird durch eine robuste Bilanz mit einer hohen Eigenkapitalquote und einer beständigen Historie der Cash-Generierung aus dem dezentralen Systemhausmodell gestützt.

Nebenwerte-Favorit Nr. 3: Befesa (ISIN: LU1704650164, Kurs am 10.07.26: 32,05 Euro, Kursziel: 43,00 Euro, Kurspotenzial: 34,2 %)

Befesa Chart

Investment-Ansatz: Befesa bietet Recyclingdienstleistungen für gefährliche Abfälle der Stahl- und Aluminiumindustrie an und gewinnt dabei vor allem Zink aus Nebenprodukten zurück, die bei der Produktion von grünem Stahl im Elektrolichtbogenofen entstehen, und recycelt Salzschlacken sowie verbrauchte Ausmauerungen von Elektrolysezellen.

Die kurzfristige Investment-Story ist durch den Übergang in eine Phase nach dem Investitionszyklus definiert, nachdem große Kapazitätserweiterungen in den USA und China abgeschlossen wurden. Nach Investitionen von rund 430 Mio. Euro in den letzten fünf Jahren verlagert sich das Finanzprofil nun von einem kapitalintensiven Aufbau hin zu einer steigenden Anlagenauslastung, Margenrealisierung und Cash-Generierung.

Für das Geschäftsjahr 2026 wird das Ergebniswachstum durch das Hochfahren der Anlage in Palmerton und eine Erholung im Sekundäraluminiumbereich gestützt, die auf nachlassende Metallmargen und einige Beiträge aus einem besseren Produktmix zurückzuführen ist. Die Unternehmensgruppe wahrt hohe Eintrittsbarrieren durch die Nähe zu den Kundenstandorten und langfristige Dienstleistungsverträge, was ein robustes Margenprofil über den gesamten Zyklus hinweg unterstützt. Struktureller Rückenwind aus der Dekarbonisierung der Stahlherstellung und regulatorische Vorgaben wie das CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) verbessern die langfristige Nachhaltigkeit der Cash-Generierung.

Was Jefferies von der Marktmeinung unterscheidet: Die Jefferies-Einschätzung priorisiert das Ausmaß der Trendwende beim freien Cashflow, da die Wachstumsinvestitionen ab den Geschäftsjahren 2027 bis 2029 nach dem Abschluss der Investitionsprogramme in Europa drastisch sinken. Während der Markt weiterhin auf die Volatilität der Zinkpreise fokussiert bleibt, hebt man den strukturellen Schutz hervor, den ein diszipliniertes Preissicherungsprogramm bietet, das die Preise bis 2026 auf Rekordniveau fixiert.

Darüber hinaus glauben die Analysten, dass das Potenzial für eine Margenexpansion im Segment Sekundäraluminium unterschätzt wird, da die im Geschäftsjahr 2025 realisierten Fixkostenmitnahmen und Effizienzgewinne nun ihre volle Wirkung entfalten. Die Folge dieser Verlagerung ist ein schnellerer Abbau der Verschuldung in Richtung des Ziels eines zweifachen Nettoverschuldungsgrads bis zum Ende des Geschäftsjahres 2026.

Katalysatoren: Zu den wichtigsten zukunftsgerichteten Treibern gehören der kontinuierliche Auslastungsaufbau im US-Werk Palmerton (+60/60 Kilotonnen in den Schätzungen für '26/'27) und der geplante Abschluss der Sekundäraluminium-Erweiterung in Bernburg in der zweiten Jahreshälfte 2026. Dieses Projekt erweitert die Produktionskapazität um rund 60 Kilotonnen zur Diversifizierung in Richtung Getränkedosen mit einer robusteren Preisdynamik (zusätzlich zu den bestehenden rund 205 Kilotonnen für die Automobil-Endmärkte).

Zusätzliche Dynamik wird durch die fortgesetzte Auslastung und eine verbesserte Kostenbasis in der US-Schmelzanlage Palmerton nach Rationalisierungsmaßnahmen erwartet. Der Abschluss der vorteilhafteren Zinkverarbeitungsgebühren (85 Dollar pro Tonne für das Geschäftsjahr 2026) und das sequentielle Ergebniswachstum, gestützt durch die Sparte Sekundäraluminium, sprechen dafür, dass die obere Hälfte der prognostizierten Spanne beim bereinigten EBITDA von 250 bis 270 Mio. Euro erreicht werden kann (Jefferies-Schätzung: 265 Mio. Euro).

Bewertung: Nach der jüngsten Kursschwäche betrachtet man das aktuelle Niveau als attraktiven Einstiegspunkt, da die Unternehmensgruppe in ihre cash-generierende Phase übergeht. Die Aktien werden derzeit mit einem EV/EBIT-Multiple (Unternehmenswert zu operativem Gewinn) von zehn für das Schätzungsjahr 2027 gehandelt, was unter dem drei- und Fünf-Jahres-Durchschnitt von 11 bzw. 12 liegt.

Dies geschieht bei einer robusteren Aufstellung, einem risikoärmeren Investitionsprofil und einer weiteren Stützung der Bewertung durch ein stärker werdendes Kreditprofil, was durch positive Ausblickänderungen von Ratingagenturen nach einer konsequenten Rückführung der Verschuldung belegt wird.

Das Kursziel von 43 Euro impliziert ein Ziel-EV/EBIT für das Schätzjahr 2027 von zwölf für ein jährliches Wachstum des operativen Gewinns von 8 % und eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate beim Gewinn je Aktie von 13 % bis zum Schätzungsjahr 2028 auf dem Weg zur Erreichung des EBITDA-Ziels für 2029/30 von 300 Mio. Euro (Jefferies-Schätzung: 292 Mio. Euro bis zum Schätzungsjahr 2028).

Nebenwerte-Favorit Nr. 4: Schaeffler (ISIN: DE000SHA0100, Kurs am 10.07.26: 8,35 Euro, Kursziel: 10,50 Euro, Kurspotenzial: 25,7 %)

Schaeffler Chart

Investment-Ansatz: Die Investment-Story von Schaeffler basiert auf einer wirklich einzigartigen Position im wachstumsstarken Sektor der humanoiden Roboter – eine Chance, die wohlgemerkt keine zusätzlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung erfordert, da sie auf Fähigkeiten aus den Automobil- und Industriebereichen des Unternehmens sowie von Schaeffler und Vitesco zurückgreift. Dies hat auch Möglichkeiten im Weltraumsektor eröffnet, der ein margenstarker Bereich mit geringem Volumen sein wird.

Die Analysten Schaeffler in mehreren wichtigen Wachstumsthemen positioniert, was das Unternehmen von Konkurrenten unter den Automobilzulieferern unterscheidet, von denen zum jetzigen Zeitpunkt keiner eine ebenso legitime und entwickelte Story außerhalb des Automobilbereichs vorweisen kann. Während ein nennenswerter Beitrag zu den Konzernzahlen noch etwa drei Jahre entfernt ist, wird der Produktionsstart im Bereich der Humanoiden ab dem zweiten Quartal 2026 die Stimmung stützen.

Im Kerngeschäft gibt es erhebliche Aufwärtsmöglichkeiten durch das Bestreben von Schaeffler, das E-Mobilitätsgeschäft, das derzeit 800 Mio. Euro pro Jahr verliert, bis 2028 in die Gewinnzone zu bringen, sowie Aufwärtspotenzial durch einen Verbesserungsplan im Bereich Lager und Industriesysteme, den der neue Vorstandsvorsitzende dem Vernehmen nach vor dem Zeitplan umsetzt.

Was Jefferies von der Marktmeinung unterscheidet: Eine von den zuständigen Analysten jüngst durchgeführte Reise zur Produktionsstätte für humanoide Roboter von Schaeffler in Deutschland sowie mehrere Expertengespräche mit dem Management und ehemaligem Management von US-amerikanischen und europäischen Herstellern von humanoiden Robotern haben einen tiefen Einblick in das Alleinstellungsmerkmal von Schaeffler und die Chancen im Bereich der Humanoiden vermittelt.

Die Verantwortlichen glauben, dass der Markt diese Entwicklung unterbewertet, insbesondere wenn man Schaeffler mit anderen Robotikunternehmen vergleicht. In der E-Mobilität sieht Jefferies Schaeffler im Jahr 2028 aufgrund von Gegenwind in der Branche eigentlich nicht die Gewinnschwelle erreichen, sondern prognostiziert eine Marge von minus 5 %, aber selbst dies führt aber zu einer Steigerung des prognostizierten Konzern-Gewinns vor Zinsen und Steuern für das Geschäftsjahr 2028 um 50 %, und man glaubt, dass die jüngste Dynamik auf dem europäischen Markt für Elektrofahrzeuge dieser Story in diesem Jahr hilfreich sein wird.

Katalysatoren: Schaeffler wird am 14. Juli seine Telefonkonferenz vor der Veröffentlichung der Zahlen für das zweite Quartal 2026 abhalten und am 5. August die Ergebnisse für das zweite Quartal bekannt geben. Abgesehen davon werden Aktualisierungen zu den Möglichkeiten bei humanoiden Robotern, im Weltraumsektor, in der Verteidigung und potenziell in Rechenzentren das Interesse der Anleger wecken.

Bewertung: Schaeffler erscheint laut Jefferies im Vergleich zu Automobilzulieferern mit einem Multiplikator von zehn beim Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Gewinn für 2027 weiterhin teuer, während europäische Branchenkollegen bei sieben liegen, ist jedoch ein Ausreißer unter den Namen im Bereich der humanoiden Roboterhersteller und deren Lieferkette.

Die Analysten verwenden eine Summe-der-Einzelteile-Bewertung und bewerten die Sparte Sonstige mit dem fünffachen Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz – ein Multiplikator, den man durch den Blick auf eine Gruppe von Herstellern humanoider Roboter und Namen aus der Lieferkette ableitet. Die Analysten fassen die drei Automobilgeschäfte zusammen und bewerten sie im Einklang mit diversifizierten europäischen Zulieferern.

Nebenwerte-Favorit Nr. 5: SMA Solar (ISIN: DE000A0DJ6J9, Kurs am 10.07.26: 54,15 Euro, Kursziel: 74,00 Euro, Kurspotenzial: 36,7 %)

SMA Solar Chart

Investment-Ansatz: SMA Solar Technology entwickelt und vertreibt Photovoltaik-Wechselrichter und Energiemanagementsysteme für private, gewerbliche und großtechnische Solarmärkte. Die Investment-Story konzentriert sich auf den Übergang zu einem margenstärkeren Lösungsmodell, während sich das Unternehmen von einem schweren zyklischen Abschwung im Segment für private Dachanlagen erholt.

Nach einem schwierigen Geschäftsjahr 2025, das von Wertminderungen geprägt war, deutet die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 auf eine Erholung mit einem EBITDA zwischen 50 Mio. Euro und 180 Mio. Euro hin, gestützt auf einen Rekord-Auftragsbestand von 1,4 Mrd. Euro. Die Rentabilität wird durch ein Restrukturierungsprogramm untermauert, das bis zum Geschäftsjahr 2027 eine Verbesserung des Gewinns vor Zinsen und Steuern um 150 Mio. Euro bis 200 Mio. Euro durch eine anlagenleichte Produktion und eine schlankere Forschung und Entwicklung anstrebt.

Diese strategische Verlagerung hin zu Systemlösungen und serviceorientiertem Wachstum erhöht die langfristige Ertragswiderstandsfähigkeit gegenüber von Standard-Hardwarezyklen geprägten Märkten.

Was Jefferies von der Marktmeinung unterscheidet: Die These von Jefferies hebt den strukturellen Vorteil des neuen HBS-Betriebsmodells hervor, das die Hardwareentwicklung auf Partner verlagert, während SMA die margenstarke Software und das Energiemanagement einbehält. Dies unterscheidet sich von Ansichten, die sich auf Marktanteilsverluste an Billiganbieter konzentrieren, da die Analysten glauben, dass die in Europa ansässigen Compliance- und Cybersicherheitsstandards einen nachhaltigen Preisaufschlag bieten.

Sie gehen davon aus, dass transatlantische politische Verschiebungen in Bezug auf Hochrisiko-Lieferanten eine aggressivere Verlagerung der Nachfrage hin zu lokalen Herstellern auslösen werden, als derzeit erwartet wird. Darüber hinaus dürfte die Lokalisierung der US-Produktion bis zum Geschäftsjahr 2026 die Zollbelastung strukturell senken und steuerliche Vergünstigungen für die Fertigung freisetzen. Diese Faktoren implizieren ein besseres Risiko-Rendite-Profil, sobald der Markt das verbesserte Cash-Generierungspotenzial der schlankeren, lösungsorientierten Architektur erkennt.

Katalysatoren: Zu den zukunftsgerichteten Treibern gehört die operative Aufnahme der US-Fertigungspartnerschaft im ersten Quartal 2026, von der erwartet wird, dass sie Handelsbarrieren abbaut und die Margen im Großanlagensegment verbessert. Die strategische Dynamik dürfte durch jede formelle Umsetzung von Beschränkungen der EU und der USA für Wechselrichter-Anbieter mit hohem Risiko verstärkt werden, was möglicherweise zu einem Auftragsboom für in Europa hergestellte Geräte führen könnte.

Die sequentielle Verbesserung der HBS-Ergebnisse in Richtung der Gewinnschwelle im Laufe des Geschäftsjahres 2026 dient als wichtiger Wegweiser für den Erfolg des in Polen ansässigen, anlagenleichten Übergangs. Ein weiterer Beleg für eine nachhaltige Auftragsdynamik bei Batteriespeicherlösungen, insbesondere über das Altenso-Segment, würde zusätzliches Vertrauen in die mehrjährigen Wachstumsziele schaffen. Es wird erwartet, dass diese Ereignisse positive Revisionen der mittelfristigen Ertragschätzungen auslösen und die Positionierung der Investoren beschleunigen.

Bewertung: Basierend auf den jüngsten Analystenanalysen vom Juni 2026 berücksichtigt die Bewertung das strukturelle Wachstum des europäischen Batteriespeichermarktes und die Umsetzung interner Restrukturierungsmaßnahmen. Nach den Schätzungen von Jefferies werden die Aktien mit einem KGV von 14 für 2027 gehandelt. Dieser Bewertungsmultiplikator spiegelt eine Phase nachhaltigerer Profitabilität und eine deutliche Verbesserung der Generierung des freien Cashflows nach dem Höchststand der Investitionsausgaben in den Vorjahren wider.

Die Berechnung berücksichtigt die erwartete Stabilisierung des Segments für private Dachanlagen und die anhaltende Stärke der Großanlagensparte in den Regionen Amerika und EMEA. Die Analysten stellen fest, dass das aktuelle Bewertungsniveau einen Abschlag gegenüber historischen Durchschnitten darstellt, trotz der höheren prognostizierten Ertragswachstumsrate bis zum Jahr 2028.


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