Passend zur Waffenruhe: 15 Europa-Favoriten für ein Ende des Iran-Krieges – vier Aktien mit 50 %+-Kurspotenzial

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Europas Börsen reagierten auf einen Waffenstillstand beim Iran-Krieg mit einem Kursfeuerwerk. Für den Fall einer anhaltenden diplomatischen Wende hat Jefferies in einer neuen Studie 15 europäische Aktien als Gewinner auserkoren – vier davon sogar mit mindestens 50 % Luft nach oben.

Der 08. April 2026 zeigte einmal mehr, wie schnell sich die Stimmung an den Aktienmärkten drehen kann, wenn sich die geopolitischen Rahmenbedingungen verändern. Nachdem der Iran-Krieg seit Ende Februar für steigende Energiepreise, Inflationssorgen und Kursverluste vor allem bei konjunktursensiblen Aktien gesorgt hatte, reichten nun erste Anzeichen einer möglichen Entspannung, um eine deutliche Gegenbewegung auszulösen.

Auslöser der verbesserten Stimmung waren Berichte über eine vorläufige Waffenruhe sowie diplomatische Annäherungen, die Hoffnungen auf eine Stabilisierung der Lage nährten. In der Folge gaben die Ölpreise deutlich nach, während Aktienmärkte weltweit mit Kursgewinnen reagierten. Besonders stark fiel die Erholung bei zuvor stark unter Druck geratenen Branchen wie Industrie, Konsum und Reisen aus.

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Kurswert-Entwicklung

Quellen: Bloomberg, Jefferies

Seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen am 27. Februar hatten globale Aktien rund 5 % von ihren Höchstständen eingebüßt, wobei Europa im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich abschnitt. Gleichzeitig zeigte sich ein klassisches Krisenmuster: Während Energieaktien als einzige Branche im Plus lagen, gerieten zyklische Sektoren wegen wachsender Stagflationssorgen unter Druck.

Bewertungs-Check: Das geschätzte KGV für den MSCI Europa und seine Teilsegmente auf Basis der Gewinnprognosen für das laufende Jahr

Bewertungs-Check

Quellen: Bloomberg, Jefferies

Genau hier setzt eine aktuelle Studie von Jefferies an. Die Analysten stellten sich die Frage, welche europäischen Aktien besonders stark profitieren könnten, falls sich die geopolitischen Risiken weiter zurückbilden und die Risikoaversion der Investoren wieder sinkt. Das Ergebnis ist eine Liste von 15 großen, liquiden Qualitätsunternehmen, deren Investmentstory laut Jefferies trotz der Kursrückgänge intakt geblieben ist und die bei einer Normalisierung des Umfelds überdurchschnittliches Aufholpotenzial besitzen.

Die Analysten durchforsteten dazu ihr europäisches Coverage-Universum von mehr als 800 Aktien und konzentrierten sich auf Titel, die zwar unter ihren Hochs notieren, deren Fundamentaldaten aber weiterhin überzeugen. Die nachfolgenden Angaben zu diesen Werten basieren auf dem Stand bei der Veröffentlichung der Studie am 08.04.26.

Die 15 Favoriten von Jefferies im Überblick:

1. ArcelorMittal (Börsenwert rund 44 Mrd. USD, Kurspotenzial 23 %)

Jefferies sieht hier vor allem eine attraktive Bewertung im Verhältnis zur Ertragskraft. Positiv hervorgehoben werden zudem strukturelle politische Unterstützung für die europäische Stahlindustrie sowie das aus Sicht der Analysten unterschätzte Wachstumspotenzial in Indien.

2. Carlsberg (Börsenwert rund 18 Mrd. USD, Kurspotenzial 35 %)

Nach dem Verkauf des Russland-Geschäfts und der Übernahme von Britvic sehen die Analysten ein strategisch besser ausbalanciertes Portfolio. Zudem traut Jefferies dem Konzern weiteres Wachstum als globaler Herausforderer in wichtigen Biermärkten zu.

3. Credit Agricole (Börsenwert rund 62 Mrd. USD, Kurspotenzial 26 %)

Die französische Bank punktet laut Studie mit wachstumsstarken Vermögensverwaltungsgeschäften und stabilisierenden Versicherungseinnahmen, die auch bei sinkenden Zinsen für robuste Erträge sorgen könnten.

4. Diageo (Börsenwert rund 43 Mrd. USD, Kurspotenzial 40 %)

Der Spirituosenkonzern profitiert nach Ansicht von Jefferies von einer strategischen Neuausrichtung mit stärkerem Fokus auf Profitabilität und Cashflow. Eine operative Verbesserung könnte eine Neubewertung der Aktie auslösen.

5. Essilor Luxottica (Börsenwert rund 110 Mrd. USD, Kurspotenzial 59 %)

Der Brillenkonzern überzeugt laut Jefferies durch steigende Marktanteile und seine Rolle als Konsolidierer der Branche. Die Partnerschaft mit Meta im Bereich Smart Glasses gilt als zusätzlicher Wachstumstreiber.

6. Ferrari (Börsenwert rund 59 Mrd. USD, Kurspotenzial 20 %)

Der Luxusautohersteller bleibt für Jefferies ein besonders widerstandsfähiger Premiumwert mit außergewöhnlicher Preissetzungsmacht und stabilen Restwerten, was langfristig höhere Bewertungen rechtfertigen könnte.

7. Heineken (Börsenwert rund 47 Mrd. USD, Kurspotenzial 50 %)

Ein mehrjähriges Transformationsprogramm soll für höheres Wachstum und steigende Margen sorgen. Gleichzeitig wird die Bewertung als vergleichsweise moderat eingeschätzt.

8. Inditex (Börsenwert rund 192 Mrd. USD, Kurspotenzial 27 %)

Der Zara-Mutterkonzern profitiert laut Jefferies von seiner besonders effizienten Lieferkette, die Wettbewerbsvorteile schafft. Die Analysten erwarten weiterhin überdurchschnittliches organisches Wachstum.

9. Infineon (Börsenwert rund 64 Mrd. USD, Kurspotenzial 25 %)

Als führender Anbieter von Leistungshalbleitern für die Automobilindustrie sieht Jefferies Infineon zusätzlich als Profiteur der steigenden Nachfrage nach Chips für KI-Anwendungen.

10. Rheinmetall (Börsenwert rund 85 Mrd. USD, Kurspotenzial 30 %)

Der Rüstungskonzern profitiert vom steigenden europäischen Verteidigungsbudget. Rekordaufträge und eine mögliche Vervierfachung der Erlöse bis 2030 gelten als zentrale Kurstreiber.

11. Rolls-Royce (Börsenwert rund 140 Mrd. USD, Kurspotenzial 27 %)

Der Triebwerkshersteller befindet sich laut Jefferies weiter in einem Zyklus steigender Gewinnerwartungen. Zusätzliche Fantasie entsteht durch mögliche Aktienrückkäufe im Volumen von 7 bis 9 Mrd. Pfund zwischen 2026 und 2028.

12. Saint-Gobain (Börsenwert rund 45 Mrd. USD, Kurspotenzial 62 %)

Neue Fünfjahresziele und eine strategische Neuausrichtung sollen helfen, die Bewertungslücke zu anderen Industrieunternehmen zu schließen.

13. Segro (Börsenwert rund 13 Mrd. USD, Kurspotenzial 30 %)

Der Immobilienkonzern verfügt über ein hochwertiges Portfolio an Logistik- und Rechenzentrumsimmobilien. Eine starke Projektpipeline und attraktive Dividenden sprechen für den Titel.

14. Siemens (Börsenwert rund 210 Mrd. USD, Kurspotenzial 20 %)

Nach Portfoliobereinigungen sehen die Analysten Siemens als fokussierten Industriekonzern mit zusätzlichen Wachstumschancen durch Automatisierung, Elektrifizierung und KI-Anwendungen.

15. Siemens Healthineers (Börsenwert rund 50 Mrd. USD, Kurspotenzial 60 %)

Der Medizintechnikkonzern überzeugt laut Jefferies durch strukturelle Marktanteilsgewinne und Innovationen, insbesondere durch die Varian-Übernahme, die zweistelliges Gewinnwachstum ermöglichen könnte.

Weitere Infos zu den vier Aktien mit besonders hohem Kurspotenzial (50 % und mehr)

Besonders interessant aus Anlegersicht sind vier Titel, denen Jefferies zum Zeitpunkt der Vorlage der Studie am 08. April sogar ein Kurspotenzial von mindestens 50 % zutraute.

1. Heineken (Börsenwert rund 47 Mrd. USD, Kurspotenzial 50 %)

Der niederländische Brauereikonzern gehört zu den größten Bierproduzenten der Welt. Neben der Kernmarke Heineken gehören zahlreiche internationale und regionale Marken zum Portfolio.

Jefferies sieht vor allem operative Verbesserungen als Kurstreiber. In einem entspannteren geopolitischen Umfeld könnten zudem Währungen stabiler werden und die Konsumnachfrage in wichtigen Wachstumsmärkten wieder anziehen – ein typisches Umfeld, in dem globale Konsumtitel häufig überproportional zulegen.

2. EssilorLuxottica (Börsenwert rund 110 Mrd. USD, Kurspotenzial 59 %)

Der französisch-italienische Konzern ist der weltweit größte Anbieter von Brillen und optischen Produkten. Zum Portfolio gehören Marken wie Ray-Ban oder Oakley, zudem betreibt das Unternehmen eigene Einzelhandelsketten.

Neben strukturellem Wachstum durch eine alternde Bevölkerung und steigende Nachfrage nach Sehkorrekturen gilt vor allem die Zusammenarbeit mit Meta bei intelligenten Brillen als strategischer Zukunftstreiber. Sollte sich das Marktumfeld stabilisieren und die Konsumstimmung verbessern, könnten Premium-Konsumwerte wie EssilorLuxottica besonders stark profitieren.

3. Siemens Healthineers (Börsenwert rund 50 Mrd. USD, Kurspotenzial 60 %)

Das Unternehmen ist einer der weltweit führenden Anbieter von Medizintechnik, etwa in der bildgebenden Diagnostik, Labordiagnostik und Krebsbehandlung.

Neben strukturellem Wachstum durch steigende Gesundheitsausgaben gilt der Titel auch als Nachzügler mit Aufholpotenzial. Wenn Investoren wieder mehr Risiko eingehen, fließt Kapital oft auch in qualitativ hochwertige Wachstumswerte, die zuvor wegen makroökonomischer Sorgen gemieden wurden.

4. Saint-Gobain (Börsenwert rund 45 Mrd. USD, Kurspotenzial 62 %)

Der französische Industriekonzern ist auf Baustoffe und Lösungen für energieeffizientes Bauen spezialisiert. Dazu zählen Isolationsmaterialien, Glasprodukte und High-Performance-Werkstoffe.

Das Unternehmen könnte besonders von einer Verbesserung der Konjunkturerwartungen profitieren, da Bau- und Renovierungsaktivitäten stark vom wirtschaftlichen Vertrauen abhängen. Sinkende Energiepreise würden zudem die Kostenstruktur verbessern.

Warum gerade dieses Quartett bei einer Entspannung profitieren könnten

Das verbindende Element vieler Jefferies-Favoriten ist ihre Zyklik. Viele der genannten Unternehmen hängen direkt oder indirekt von der globalen Konjunktur, Investitionsbereitschaft oder Konsumnachfrage ab. Genau diese Bereiche leiden typischerweise besonders stark unter geopolitischer Unsicherheit.

 


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