Diese 15 US-Aktien haben im vergangenen Jahrzehnt den meisten Aktionärswert vernichtet

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Als Gruppe verlor diese Verlierer-Liste laut Morningstar in zehn Jahren gut 217 Mrd. USD an Aktionärsvermögen. Wir nennen die Namen der betroffenen Aktien und zeigen die Lehren daraus aus Anlegersicht auf.

Die Wall Street befindet sich weiterhin in einem langfristigen Bullenmarkt. Alleine in den vergangenen zehn Jahren ist etwa der S&P 500 Index um mehr als 250 % gestiegen. Auch im August hat dieser US-Aktienleitindex bereits neue Bestmarken aufgestellt.

Doch es gibt an der US-Börse trotz laufender Hausse natürlich auch eindeutige Verlierer. Morningstar hat dazu eine aktuelle Liste mit den 15 größten Wertvernichtern in den vergangenen zehn Jahren vorgestellt. Portfolio-Strategin Amy C. Scott hat dazu die Morningstar-Datenbank durchforstet.

Das Ergebnis der Analyse inklusive der Einflussfaktoren

Um sie zu finden, sortierte sie zunächst die US-Aktien-Datenbank von Morningstar, um Unternehmen mit den größten Rückgängen bei der Marktkapitalisierung über denselben Zeitraum zu finden. Um ein präziseres Bild der Wertvernichtung zu erhalten, rechnete sie den Gesamtwert der ausgezahlten Dividenden und Aktien-Spinoffs hinzu, welche die Marktkapitalisierungsrückgänge teilweise ausgleichen.

Die nachfolgende Grafik zeigt jene 15 Aktien, die basierend auf diesen Kennzahlen den meisten Wert für Aktionäre vernichtet haben.

Top 15-Aktienliste der größten Wertvernichter im vergangenen Jahrzehnt

Quelle: Morningstar Direct, PitchBook und Berechnungen des Autors. Daten mit Stand vom 31. Dez. 2025.

Als Gruppe vernichteten die Wertvernichter in den vergangenen zehn Jahren schätzungsweise 217,2 Mrd. USD an Aktionärsvermögen. Das ist eine große Zahl, aber weit weniger als die geschätzten 27,0 Bio. USD an Vermögen, die von den Top 15 der Aktien auf der positiven Seite geschaffen wurden.

Das Ergebnis spiegelt diverse Einflussfaktoren wider: Erstens können Unternehmen mit herausragenden Finanzergebnissen und Aktienkursperformances ihre Wettbewerber über viele Jahre hinweg weiter in den Schatten stellen. Zwar ist es unmöglich, mehr als 100 % der ursprünglichen Investition in eine Aktie zu verlieren, aber gewinnbringende Aktien können ein Aufwärtspotenzial aufweisen, das ihren ursprünglichen Wert weit übersteigt.

Zweitens ist die Wahrscheinlichkeit, einen Verlust bei einer einzelnen Aktie zu erleiden, relativ hoch, aber die Wertvernichtung kann gewissermaßen begrenzt sein, wenn eine Aktie von vornherein nie eine große Marktkapitalisierung erreicht hat.

Obwohl die Unternehmen auf der Liste eine breite Palette von Branchen, Sektoren und zugrundeliegenden Problemen umfassen, haben viele von ihnen einen gemeinsamen Nenner: das Fehlen eines wirtschaftlichen Burggrabens oder dauerhaften Wettbewerbsvorteils.

Elf der Unternehmen auf der Liste haben von Morningstar die Bewertung "kein Burggraben" erhalten, und weitere vier – darunter Biogen, Illumina, Kraft Heinz und SLB verfügen über die Bewertung "schmaler Burggraben". Burggräben waren auf der Liste der Vermögensschöpfer weitaus häufiger vertreten, wobei 12 der 15 Unternehmen basierend auf den Einschätzungen der Analysten mit breiten wirtschaftlichen Burggräben bewertet wurden.

Ein weiterer gemeinsamer Faktor sind sich verschlechternde Fundamentaldaten. Mehrere der Wertvernichter verzeichneten in den vergangenen zehn Jahren sinkende Umsätze, operative Ergebnisse und/oder freien Cashflow. Investoren reagierten auf diese sich verschlechternden Kennzahlen, indem sie die Aktienkurse nach unten trieben.

Wirtschaftlicher Burggraben und Wachstumsstatistiken

Quelle: Morningstar Direct. Daten mit Stand vom 30. Juli 2026. Die Stammaktie der QVC Group wurde am 6. August 2026 für den Handel an der Nasdaq unter dem Tickersymbol QVCG zugelassen, was mit dem Austritt des Unternehmens aus seiner finanziellen Restrukturierung nach Chapter 11 zusammenfiel. Morningstar hat noch keine Bewertung für die neue Aktienklasse.

Was ist schiefgegangen?

Es ist laut Scott schwierig, Verallgemeinerungen darüber anzustellen, was zum Absturz dieser Unternehmen führte. So wie es viele verschiedene Wege zur Größe gibt, gibt es auch viele Wege zur Wertvernichtung. Doch beim Analysieren der Krisen dieser Unternehmen tauchten einige Probleme mehr als einmal auf:

● Akquisitionen, die keinen Aktionärswert schafften: Kraft Heinz führt die Liste mit einer geschätzten Aktionärswertvernichtung von 36,1 Mrd. USD im vergangenen Jahrzehnt an. Das Unternehmen musste eine Firmenwertabschreibung von über 15 Mrd. USD für die Übernahme von Heinz hinnehmen, und die Performance litt zudem unter einem stagnierenden Produktportfolio und einem verlangsamten organischen Wachstum.

Ähnlich fusionierte American Airlines im Jahr 2013 mit US Airways, hatte jedoch Schwierigkeiten, die Geschäfte der beiden Fluggesellschaften zu integrieren. SLB (ehemals Schlumberger) nahm im Jahr 2019 eine massive Abschreibung von 13 Mrd. USD vor, um dem Rückgang seiner erworbenen Geschäfte im US-Fracking- und Druckpumpengeschäft Rechnung zu tragen. Auch Perrigo Company, Illumina und VF Corp tätigten große Übernahmen, die nicht so viele Vorteile wie ursprünglich erwartet generierten.

● Versäumnis, mit Änderungen der Verbraucherpräferenzen Schritt zu halten: QVC Group beispielsweise musste miterleben, wie ihr Nettogewinn schrumpfte, da das Fernsehpublikum zurückging und Käufer immer mehr Einkäufe online tätigten. Auch Sirius XM Holdings litt darunter, dass Hörer Abonnements zugunsten von Musik-Streaming und Podcasts aufgaben. Under Armour verpasste es, mit Trends bei Mainstream-Bekleidung Schritt zu halten, wie etwa dem Wachstum von Athleisure-Mode, die sportliche Funktionalität mit Komfort und Mode verbindet.

● Herausfordernde externe Faktoren: Als führendes Ölfeld-Dienstleistungsunternehmen ist SLB stark von den Energiepreisen abhängig. Der Ölpreiseinbruch zwischen 2014 und 2016 forderte einen schweren Tribut von Umsatz und Profitabilität. Wie andere Fluggesellschaften und reisebezogene Unternehmen kämpfte American Airlines infolge der COVID-19-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021.

● Mangelnder Erfolg bei der Entwicklung neuer Produkte: Einst ein Biotech-Liebling, musste Biogen mehrere Rückschläge bei der Produktentwicklung hinnehmen. Das Unternehmen hatte auf ein neues Medikament gegen die Alzheimer-Krankheit gesetzt, um die sinkenden Einnahmen aus Multiple-Sklerose-Medikamenten zu ersetzen, doch der Fortschritt bei dem Medikament geriet an verschiedenen Punkten ins Stocken. Nach zahlreichen Kontroversen und Rückschlägen bei der Kostenerstattung gab Biogen im Januar 2024 bekannt, die klinischen Studien einzustellen.

Morningstar-Bewertungen und faire Wertschätzungen

Quelle: Morningstar Direct. Daten mit Stand vom 7. Aug. 2026. *Die Bewertungen für Advance Auto Parts und Vornado Realty Trust wurden quantitativ generiert. Die Stammaktie der QVC Group wurde am 6. August 2026 für den Handel an der Nasdaq unter dem Tickersymbol QVCG zugelassen, was mit dem Austritt des Unternehmens aus seiner finanziellen Restrukturierung nach Chapter 11 zusammenfiel. Morningstar hat noch keine Bewertung für die neue Aktienklasse.

Unsere eigenen Lehren und Schlussfolgerungen für Anleger

Abseits der reinen Bestandsaufnahme von Morningstar lassen sich aus diesen massiven Einbrüchen einige fundamentale Lehren ableiten, die für den aktiven Umgang im eigenen Depot entscheidend sind:

1. Die Illusion von Prominenz: Selbst Star-Investoren irren sich

Das prominente Beispiel von Kraft Heinz zeigt eindrücklich, dass selbst eine Investorenlegende wie Warren Buffett mit Berkshire Hathaway tief in eine solche Value-Falle tappen kann. Buffett setzte klassisch auf starke Marken und Preissetzungsmacht, unterschätzte jedoch den Wandel des Konsumverhaltens hin zu frischeren Produkten und den enormen Druck von Handels-Eigenmarken. Das lehrt uns, dass man sich niemals blind an den Namen prominenter Vorbilder klammern darf.

2. Die toxische M&A- und Schuldenfalle im Zinszyklus

Die Krise von Unternehmen wie Kraft Heinz oder dem Ölfeld-Dienstleister SLB verdeutlicht, wie gefährlich die Kombination aus teuren, schuldenfinanzierten Akquisitionen und veränderten Zinszyklen ist. Wenn reife Unternehmen versuchen, mangelndes organisches Wachstum durch teure Zukäufe zu kaschieren, entsteht ein toxischer Schuldenberg.

Wenn sich dann das makroökonomische Umfeld ändert und die Zinsen steigen, wird der Schuldendienst zur erdrückenden Last. Unternehmen ohne echten Burggraben können diese gestiegenen Kapitalkosten nicht über die Preise an die Kunden weitergeben, wodurch die Abwärtsspirale beschleunigt wird.

3. Das Management- und Ego-Risiko ("Empire Building")

Ein oft unterschätzter interner Treiber für extreme Vermögensvernichtungen sind Vorstände, die krampfhaft versuchen, ihre eigene Größe oder Bedeutung durch immer größere Übernahmen zu manifestieren ("Empire Building"), anstatt überschüssiges Kapital sinnvoll auszuschütten oder den Schrumpfungsprozess eines reifenden Geschäftsmodells zu managen. Wenn ein Vorstand anfängt, operative Probleme schönzureden oder mit fragwürdigen Begründungen an gescheiterten Strategien festzuhalten, ist das eines der gefährlichsten Warnsignale für Anleger.

4. Der Burggraben ist keine Ewigkeitsposition

Die Erfahrung lehrt, dass ehemals existierende Wettbewerbsvorteile niemals in Stein gemeißelt sind. Fundamentaldaten wie sinkende Cashflows und schrumpfende Margen müssen permanent überwacht werden, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, wenn der Markt selbst deswegen von sich aus die Reißleine bei betroffenen Werten zieht.

Wer in Branchen investiert, in denen es keine echten Eintrittsbarrieren oder Preissetzungsmacht gibt (wie etwa im klassischen stationären TV-Shopping bei QVC oder bei Standard-Bekleidung ohne Marke wie bei Under Armour), ist dem Wandel der Konsumentenpräferenzen schutzlos ausgeliefert.

5. Rechtzeitig die Reißleine ziehen und Chartsignale nutzen

Rein theoretisch lassen sich solche Extremverluste im Depot massiv verringern, wenn man konsequent handelt, sobald das Chartbild nachhaltig bricht. Wer in Reaktion auf eindeutig negative Handelssignale aussteigt, vermeidet noch weiter wachsende Verluste.

Disziplin hierbei hilft auch dabei, so genannten Value-Fallen zu entgehen. Gemeint sind damit Titel, die auf Basis klassischer Kennzahlen wie etwa dem KGV Sehr günstig bewertet erscheinen, diese niedrige Bewertung aber berechtigt ist, weil das zugrundeliegende Geschäft strukturell geschwächt ist. Um einer solchen Falle zu entgehen, ist die Intaktheit von Geschäftsmodellen zu prüfen und was der Markt darüber denkt, signalisieren nicht selten auch die vorherrschenden Kurstrends.

Letztlich geht es darum, sich als Anleger nicht von scheinbar billigen Kursen blenden zu lassen. Dazu sollte Wert auf absolut überzeugende, saubere charttechnische Trendwende-Signale gelegt werden, um mit einer ausreichend hohen Trefferquote erkennen zu können, ob ein gebeutelter Wert tatsächlich den Boden gefunden hat oder weiter abzudriften droht.

6. Chancen auf den Turnaround – Vorsicht vor Bullenfallen

Historische Verlierer sind nicht automatisch durch die Bank für alle Ewigkeit negativ abgestempelt. Aber auch beim Versuch, etwaige Trendwenden nach oben zu identifizieren, kann die Charttechnik wertvolle Dienste leisten, Etwa dann, wenn sich neue Aufwärtstrends herausbilden.

Wirklich nachhaltige und dauerhafte Comebacks sind aber eher die Ausnahme als die Regel. Deshalb geht es auch darum, trügerischen Bullenfallen zu entgehen. So passiert es nicht selten, dass ein heftiger Kurssprung vermeintlich die langersehnte Trendwende nach oben verspricht, sich dann aber nur als Strohfeuer entpuppt und die Kurse wieder in den Abwärtstrend abtauchen. Um das zu verhindern, sollte besonders strenge Kriterien beim Check einer solchen Aktie angelegt werden. und zwar fundamental gesehen als auch charttechnisch betrachtet.


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