Warum der US-Bullenmarkt noch einige Jahre vor sich haben könnte
Viele Anleger glauben, der aktuelle Börsen-Boom sei schon alt und müde – doch die Statistik spricht eine andere Sprache. Carson Marktstratege Ryan Detrick zeigt auf, warum wir uns erst mitten in einem gewaltigen Langzeit-Zyklus befinden könnten. Erfahren Sie, warum die Rallye nicht nur 2026 stabil bleibt, sondern uns noch viele Jahre begleiten könnte.
"Du willst mir also sagen, dass es eine Chance gibt?" – Dieser bekannte Satz stammt von Lloyd Christmas aus der Komödie Dumm und Dümmer. Er antwortet das völlig begeistert, nachdem man ihm gesagt hat, seine Erfolgschancen stünden eins zu einer Million.
Das Eingangszitat nutzt Chef-Aktienmarktstratege Ryan Detrick ganz bewusst, denn viele Marktteilnehmer halten die Fortsetzung des aktuellen Aktien-Booms für fast unmöglich. Aber genau wie Lloyd sehe auch Detrick eine echte Chance – und zwar eine viel größere als eins zu einer Million.
Nach dieser optimistischen Ansage führt Detrick in der zitierten aktuellen Publikation zunächst aus, warum der Rest des Jahres 2026 weiterhin gut verlaufen könnte. Danach geht er auch noch der Frage nach, warum dieser Bullenmarkt, also eine Phase langanhaltend steigender Kurse, noch viel länger dauern könnte, als vermutlich viele denken.
Der April ist der Schlüssel
Die Aktienkurse sind bekanntlich im April nach oben geschossen. Der S&P 500 Index mit den 500 größten börsennotierten US-Unternehmen stieg um mehr als 10 %. Das war die zweitbeste April-Rendite aller Zeiten. Wichtig ist es in diesem Zusammenhang, dass es sich in der Vergangenheit gezeigt hat, dass ein starker vierter Monat im Jahr oft ein Hinweis auf zukünftige Stärke ist.
Tatsächlich zeigt ein Blick auf die zehn besten April-Ergebnisse der Geschichte: Im darauf folgenden Monat Mai stiegen die Kurse in neun von zehn Fällen. Für den Rest des Jahres (Mai bis Dezember) betrug der Gewinn im Durchschnitt mehr als 12 %. Das ist mehr als doppelt so viel wie der übliche Durchschnittsgewinn in diesem Zeitraum.

Ein weiterer Blickwinkel: Wenn der S&P 500 bis Ende April bereits um mehr als 5 % gestiegen ist, lag er im restlichen Jahr in unglaublichen 23 der letzten 25 Fälle am Ende noch höher.

Bei Carson ist man das ganze Jahr über "übergewichtet" in Aktien geblieben. Das heißt, man hat einen größeren Anteil an Aktien im Portfolio gehalten als üblich. Zudem hat man das eigene Jahresziel für den S&P 500 von 12 % - 15 % Gewinn nie geändert. Diese beiden statistischen Studien bestärken Detrick in dieser Meinung.
Der "Bulle" ist noch gar nicht so alt
Nach dieser Bestandaufnahmen zum Ausblick für den Rest von 2026, geht Detrick auch der Frage nach, was auf lange Sicht zu erwarten ist? Aus seiner Sicht gibt es Hinweise darauf, dass dieser Bullenmarkt potenziell noch Jahre dauern könnte.
Die folgende Grafik zeigt, warum dieser Bullenmarkt vielleicht gar nicht so alt ist, wie allgemein angenommen wird. Denn es gibt acht andere Bullenmärkte, die ihren dritten Geburtstag erreicht haben. Nur ein einziges Mal (in den 1960er Jahren) schaffte es ein Markt danach nicht bis zur vierten Kerze auf der Geburtstagstorte.
Tatsächlich hielten die letzten fünf Bullenmärkte der vergangenen 50 Jahre, die es bis zum dritten Jahr schafften, im Durchschnitt acht Jahre lang an. Selbst der kürzeste davon dauerte immerhin fünf Jahre. Da der aktuelle Bullenmarkt gerade erst dreieinhalb Jahre alt ist, sollten wir laut Detrick offen für die Idee sein, dass er potenziell noch viele weitere Jahre vor sich hat.

Nach einer Verdoppelung läuft ein Bullenmarkt oft noch weiter
Der aktuelle Bullenmarkt hat sich inzwischen offiziell verdoppelt; er ist seit den Tiefstständen vom Oktober 2022 um mehr als 100 % gestiegen. Wenn Sie damals schon investiert waren, wissen Sie, wie unglaublich das ist. Carson war damals optimistisch ("bullish") und wie Detrick konstatiert, sei man deswegen offen verspottet wurden, nur weil man eine Meinung vertrat, die so gar nicht dem damaligen negativen Konsens entsprach – aber rückblickend hat sich diese Sturheit gelohnt.

Ein tieferes Eintauchen in die Daten zeigt laut Detrich sieben andere Bullenmärkte, die ebenfalls die 100-Prozent-Marke erreicht haben. Diese hielten im Durchschnitt weitere drei Jahre an (der mittlere Wert, also der Median, lag bei 1,7 Jahren).
Was die Gewinne angeht: Der Durchschnitt dieser sieben anderen Bullenmärkte lag bei insgesamt 260 % (wobei Dividenden, also die Gewinnausschüttungen der Firmen, hier noch gar nicht mitgerechnet sind). Es stimmt zwar, dass der Bullenmarkt nach dem Corona-Tief im März 2020 schon bei 114 % endete und auch der Bullenmarkt von 2002 bis 2007 nur rund 100 % erreichte, aber wir haben eben auch viele andere gesehen, die viel länger hielten.
Besteht vielleicht die Chance auf eine viel längere Lebensdauer?
Detrick möchte seine Kunden und Leser mit einer sehr optimistischen Sichtweise entlassen. Dazu konstatiert er, bisher die Bullenmärkte nach der traditionellen Definition betrachtet zu haben, bei der ein Bullenmarkt dann endet, wenn die Kurse um 20 % von ihrem Höchststand einbrechen. Letztes Jahr im Mai – etwa um den sogenannten ‚Liberation Day‘ [dem Zeitpunkt, als der Markt die schlimmsten Zoll-Turbulenzen erreichte] – kamen wir einem solchen Einbruch extrem nahe, aber dieser kurzfristige Zyklus überlebte."
Letztes Jahr im Mai, etwa um den "Liberation Day" und somit der Zeit, als US-Präsident breit angelegte Zollerhöhungen bekanntgab, kamen wir einem solchen Einbruch extrem nahe, aber dieser kurzfristige Zyklus überlebte. Detrick zählt sich schon lange zu denen, die glauben, dass wir uns in einem sogenannten "säkularen" (jahrzehntelangen) Bullenmarkt befinden. Dieser begann im Jahr 2013, als die Aktienkurse endlich über die alten Höchststände der Jahre 2000 und 2007 ausbrachen.
Man muss dabei im Rückblick folgendes verstehen: 13 Jahre lang bewegten sich die Aktien unter dem Strich nirgendwohin. In diesem "verlorenen Jahrzehnt" der 2000er Jahre verlor der Markt zweimal mehr als 50 %. Erst als der Ausbruch auf neue Rekordhochs gelang, startete dieser neue, große Zyklus.
Tatsächlich wurde im März 2013 ein neuer säkularer Bullenmarkt geboren. Ja, wir hatten dazwischen fast einen "Bärenmarkt" (starke Kurseinbrüche) in den Jahren 2011 und 2018, einen echten Bärenmarkt von 34 % im Jahr 2020 und einen weiteren von 25 % im Jahr 2022. Aber trotz alledem befinden wir uns in einem großen Aufwärtszyklus, von dem Detrick schon lange sagt, dass er potenziell 20 Jahre dauern könnte.
Detrick sieht Chancen auf einen Bullenmarkt mit 20 Jahren Laufzeit
Selbstironisch sagt er dazu, er hänge diese Meinung oft nicht an die große Glocke, weil es viele Leute wirklich verärgert, wenn sie das hören. Allerdings sind wir jetzt schon 13 Jahre in diesem Zyklus und Detrick sieht keine ernsthaften Warnsignale, dass er bald endet. Er hält es vielmehr für möglich, dass er noch viele Jahre vor sich hat.
In einem nächsten Schritt vergleicht er das mit dem letzten großen säkularen Bullenmarkt, um weitere Hinweise zu erhalten. Viele denken demnach, der Bullenmarkt der 80er und 90er Jahre hätte erst 1982 begonnen. Aber Detrick lässt die Uhr auch hier erst dann ticken, wenn die Kurse nach langer Zeit wieder auf neue Höchststände ausbrechen – und das geschah 1980.
Das ist dieselbe Logik, mit der er sich von jenen unterscheide, die sagen, der aktuelle große Aufstieg hätte schon im März 2009 begonnen. Detrick dagegen argumentiert, dass die Phase von 2009 bis 2013 lediglich die Erholung aus dem vorherigen Absturz war.
Jener frühere große Bullenmarkt dauerte knapp 20 Jahre und brachte Gewinne von 1.169 %. Dabei gab es zwischendurch den Crash von 1987, eine Phase mit 34 % Verlust sowie Beinahe-Abstürze in den Jahren 1990 und 1998. Wer weiß, ob in diesem aktuellen Zyklus noch weitere sechs Jahre stecken, aber wie Lloyd Christmas sagen würde: "Du willst mir also sagen, dass es eine Chance gibt?" Und Detrick denkt eben, ja, die gibt es.

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