Akeso: Chinas Biotech-Champion hebt ab – und visiert jetzt den US-Markt an
Mitten in der anhaltenden Debatte um Handelszölle und geopolitische Abschottung sorgt ein chinesisches Biotech-Unternehmen für internationales Aufsehen. Akeso Inc., bisher vor allem in der Heimat bekannt, meldet sich mit einem ambitionierten Angriff auf eines der erfolgreichsten Medikamente der Welt: Keytruda von Merck.
In einer klinischen Studie mit chinesischen Patienten zeigte sich Akesos Wirkstoff Ivonescimab effektiver als der Milliardenblockbuster Keytruda – ein immunonkologisches Mittel, das 2024 weltweit über 30 Mrd. USD Umsatz erzielte. Der Wirkstoff von Akeso richtet sich gegen denselben Rezeptor (PD-1), kombiniert diesen aber mit einem zweiten Angriffspunkt (VEGF), was laut Unternehmensangaben zu besseren Therapieergebnissen führt.
Nun stehen die nächsten, entscheidenden Wochen bevor: Akesos US-Partner Summit Therapeutics wird in Kürze die Daten einer globalen Phase-III-Studie veröffentlichen. Sollte diese die bisherigen Ergebnisse bestätigen, wäre das der erste Schritt zu einer Zulassung in den USA – und damit zu einer potenziellen Wachablösung im milliardenschweren Markt für Immuntherapien gegen Lungenkrebs.
Klare Ansage an die Konkurrenz
Akeso-CEO Michelle Xia gab sich in einem Bloomberg-Interview selbstbewusst: "Ich sehe uns nicht als Konkurrent von Keytruda. Es ist einfach Zeit für eine zweite Generation dieser Medikamente. Und wir sind definitiv ein Pionier."
Der erste Zielmarkt in den USA ist ein Subtyp von Lungenkrebs, bei dem Keytruda bislang nur begrenzte Wirkung gezeigt hat. Strategisch will man sich also zunächst dort etablieren, wo die Konkurrenz schwächelt – und später auf breitere Indikationen ausweiten.
Politischer Rückenwind – trotz Trump
Brisant: Während US-Präsident Donald Trump mit neuen Zöllen auf chinesische Pharmaprodukte droht, gehen Akeso und Summit in die Offensive. "Wenn ein Medikament gut ist, sollte es Patienten weltweit zur Verfügung stehen", so Xia. Die Aussagen kommen zur rechten Zeit: Die Akeso-Aktie stieg am Dienstag um bis zu 16 % auf ein neues Allzeithoch – angetrieben von der Erwartung positiver Studiendaten, einer generellen Rally chinesischer Biotech-Werte und der Aufnahme zweier Akeso-Medikamente in die nationale Krankenversicherung Chinas.
Symbol für Chinas Biotech-Aufstieg
Akesos Aufstieg gilt in der Branche als Symbol für Chinas Wandel von der Werkbank zum Innovator. Immer mehr chinesische Biotech-Unternehmen durchbrechen die Grenze zwischen Nachahmung und Originalforschung. Große Pharmakonzerne wie Novo Nordisk, Merck, Pfizer und AstraZeneca haben das längst erkannt und investieren in strategische Allianzen und neue F&E-Zentren im Reich der Mitte.
Der überraschende Erfolg von Akeso – von einigen als das "DeepSeek-Moment" der Pharmabranche gefeiert – hat laut Xia weltweit Aufmerksamkeit erregt.
Einer der führenden Biotech-Analysten an der Wall Street bei Goldman Sachs schätzt laut dem gestrigen Quartalsbericht die weltweiten Spitzenumsätze von Ivonescimab auf 53 Mrd. USD. In dieser Prognose stammt ein erheblicher Anteil des Umsatzpotenzials aus Indikationen außerhalb des Lungenkrebses – vor allem in der Mitte der 2030er-Jahre. Ein weiterer Top-Analyst von Cantor Fitzgerald veröffentlichte kürzlich eine Einschätzung, wonach der Gesamtmarkt für PD-1- und VEGF-Therapien über 100 Mrd. USD erreichen könnte – und damit doppelt so groß wäre wie der aktuelle PD-1-Markt.
Fazit: Kandidat mit Signalwirkung
Für Investoren könnte Akeso einer der spannendsten High-Risk-/High-Reward-Titel im globalen Biotech-Universum sein. Die Kombination aus technologischer Innovation, politischem Rückenwind, Zulassungsperspektive und Marktpotenzial macht die Aktie zu einem Kandidaten mit Signalwirkung – sowohl für Anleger als auch für die Pharmabranche selbst.
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