Coinbase setzt auf „Everything Exchange“: Nach schwachem Quartal rückt der Umbau zum Multi-Asset-Marktplatz in den Fokus

Die US-Kryptobörse Coinbase hat am Donnerstagabend ihre Bilanz für das vierte Quartal 2025 vorgelegt – und dabei die Erwartungen des Marktes auf breiter Front verfehlt. In einem Umfeld hoher Volatilität und spürbar rückläufiger Handelsaktivität kämpft der Branchenprimus mit sinkenden Umsätzen und einem deutlichen Ergebnisrückgang gegenüber dem außergewöhnlich starken Vorjahresquartal. Entsprechend fiel auch die erste Marktreaktion aus: Die Aktie gab im nachbörslichen Handel zeitweise deutlich nach.

Die nackten Zahlen: Ein Quartal zum Vergessen

Für das Schlussquartal meldete Coinbase einen Umsatz von 1,78 Mrd. USD, rund 21,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Markt hatte mit 1,83 bis 1,85 Mrd. USD gerechnet. Beim Ergebnis fiel die Lücke ebenfalls klar aus: Coinbase wies ein EPS von 0,66 USD aus, während der Konsens bei 0,92 bis 1,05 USD lag. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal standen noch 3,39 USD je Aktie zu Buche. Auch das Adjusted EBITDA blieb mit 566 Mio. USD spürbar unter den erwarteten 680,8 Mio. USD.

Die Schwäche zeigt sich vor allem im Kerngeschäft: Die Transaktionserlöse lagen mit 982,7 Mio. USD unter der Milliardenmarke und unter den Schätzungen von etwa 1,03 Mrd. USD – ein Hinweis darauf, wie schnell sich der Volumenhebel in einem schwächeren Kryptomarkt gegen Coinbase drehen kann.

Bewertungsverluste als Ergebnis-Killer: Warum das Quartal bilanziell "kippt"

Ein zentraler Punkt, der die Ergebniszeilen zusätzlich belastete, waren Marktwertverluste auf Krypto-Positionen. Coinbase verwies darauf, dass das ausgewiesene Ergebnis in schwachen Marktphasen stark von Bewertungs- und Marktpreiseffekten geprägt wird. Im Schlussquartal schlugen insbesondere nicht realisierte Verluste auf das Krypto-Investmentportfolio sowie Bewertungsverluste auf strategische Beteiligungen durch. Dadurch wirkt der Abschluss bilanziell deutlich schlechter, als es die operative Ertragskraft (Adjusted EBITDA) allein vermuten ließe und macht die Aktie kurzfristig weiterhin zu einem sensiblen Proxy auf Kryptopreise und Marktstimmung.

Analystenreaktionen: Skepsis dominiert kurzfristig

An der Wall Street steht nach dem Zahlenwerk vor allem die Abhängigkeit von Handelsgebühren im Fokus. J.P. Morgan-Analyst Kenneth Worthington setzte sein Kursziel auf 290 USD fest und verwies unter anderem auf die Entwicklung der monatlich transaktionsaktiven Nutzer (MTUs), die mit 9,2 Millionen leicht unter dem Zielwert von 9,37 Millionen lagen.

Citigroup zeigt sich vergleichsweise konstruktiv: Analyst Peter Christiansen bleibt bei einem Kursziel von 400 USD, warnt jedoch vor einer "fundamentalen Schwäche im Handelsgeschäft", die erst durch eine breitere Markterholung überwunden werden könne. Zacks Investment Research spricht von einer "negativen Gewinnüberraschung von über 28 Prozent" – ein Dämpfer, der das Vertrauen kurzfristig belasten dürfte.

Der Blick nach vorn: "Everything Exchange" soll den Zyklus brechen

Genau an diesem Punkt setzt Coinbase strategisch an. CEO Brian Armstrong nutzt die Schwächephase, um die Vision der "Everything Exchange" zu forcieren: eine Plattform, auf der Kunden nicht nur Krypto, sondern Aktien, Derivate, Rohstoffe und Prediction Markets handeln können – gebündelt in einer Oberfläche und perspektivisch stärker "onchain".

Im Call betonte Armstrong, dass Coinbase im vierten Quartal frühe Signale sieht, dass Nutzer mehrere Assetklassen kombinieren. Prediction Markets wurden flächig ausgerollt und sollen mit mehr Märkten sowie einem Sport-Hub erweitert werden. Im Aktiengeschäft sollen kurzfristig nahezu 10.000 Titel verfügbar sein. Strategisch noch größer ist die nächste Stufe: Coinbase arbeitet an tokenisierten Aktien, die perspektivisch 24/7 und global handelbar wären. Die Übernahme von Echo soll dabei helfen, effizientere Onchain-Kapitalbildung und neue Investmentprodukte – auch aus dem privaten Markt – in die Plattform zu integrieren.

Aktienrückkäufe und Cashpolster: Coinbase kauft "den Dip"

Während der Markt kurzfristig auf den Umsatz- und Ergebnis-Miss schaut, spielt Coinbase auf der Kapitalallokationsseite bewusst Stärke aus. Das Unternehmen beendete das Jahr mit 11,3 Mrd. USD an Cash und Cash-Äquivalenten sowie insgesamt rund 14,1 Mrd. USD an verfügbaren Ressourcen, wenn man Krypto-Bestände für Investments und Sicherheiten einbezieht. Gleichzeitig nutzte Coinbase den Kursrückgang, um aggressiv eigene Aktien zurückzukaufen: Bis Mitte Februar wurden rund 1,7 Mrd. USD für Buybacks eingesetzt – nach Unternehmensangaben genug, um die Verwässerung durch aktienbasierte Vergütung 2025 vollständig auszugleichen. Zusätzlich genehmigte der Vorstand im Januar eine weitere Rückkaufermächtigung über 2 Mrd. USD, die opportunistisch genutzt werden soll.

Diversifikation zeigt Wirkung: Stablecoins und Institutionen als Stabilisatoren

Dass Coinbase diese Umbau-Story überhaupt erzählen kann, liegt an Bereichen, die im Quartal gegen den Trend liefen. Das Segment Subscription and Services wuchs im Jahresvergleich um 13,5 Prozent auf 727,4 Mio. USD. Besonders das Stablecoin-Geschäft erwies sich als robust: Stablecoin-Umsätze von 364,1 Mio. USD übertrafen die Erwartungen und stützen die These, dass wiederkehrendere Erlöse den Handelszyklus künftig besser abfedern sollen.

Auch das institutionelle Geschäft lieferte ein Signal: Das institutionelle Handelsvolumen lag mit 237 Mrd. USD über den Prognosen. Es zeigt, dass große Marktteilnehmer trotz der Kurskapriolen weiter aktiv sind – selbst wenn das Retail-Segment, das für Coinbase besonders profitabel ist, merklich nachlässt.

Fazit: Coinbase muss beweisen, dass "Everything" mehr ist als eine Vision

Kurzfristig bleibt Coinbase ein Spiegel der Marktstimmung und zusätzlich anfällig für bilanzielle Marktwertschwankungen in der eigenen Krypto-Exposure. Mittel- bis langfristig hängt der Investment-Case daran, ob die "Everything Exchange" tatsächlich neue, zyklusärmere Erlöspfade öffnet und Stablecoins, Derivate sowie neue Assetklassen die Abhängigkeit vom Kryptohandel sichtbar senken. Der Umbau läuft – nach diesem Quartal ist aber klar: Der Markt will jetzt messbare Fortschritte im Ertragsmix sehen.

Coinbase verfehlt im vierten Quartal 2025 aufgrund von Bewertungsverlusten und schwachen Handelsvolumina die Markterwartungen deutlich, steuert aber mit massiven Aktienrückkäufen und der Diversifikations-Strategie zur "Everything Exchange" aktiv dagegen.


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