Die KI kommt von XPeng: VW lizenziert autonome Fahrsoftware für den Massenmarkt

Der Volkswagen-Konzern vertieft seine bestehende Zusammenarbeit mit dem chinesischen Elektroautohersteller XPeng und wird erster globaler Industriekunde für dessen autonome Fahrplattform. Wie XPeng-CEO He Xiaopeng am Dienstag (24. Februar) in einem internen Memo bekannt machte, wird Volkswagen weltweit erster kommerzieller Launch-Kunde für die neue intelligente Fahrsoftware VLA 2.0. 

Der Schritt markiert den konsequenten Ausbau einer ohnehin engen Partnerschaft – bedeutet für die Branche aber dennoch eine strategische Zäsur: Erstmals greift ein westlicher Volumenhersteller in großem Maßstab auf Kern-Software für automatisiertes Fahren eines chinesischen Entwicklers zurück. 

Software statt Blech: Neue Arbeitsteilung in der Autoindustrie

Die Grundlage für diese technologische Integration wurde bereits im Juli 2023 gelegt, als Volkswagen rund 700 Millionen US-Dollar für 4,99 Prozent der Anteile an XPeng investierte. Beide Unternehmen entwickeln seither gemeinsam Plattform- und Softwarearchitekturen für den chinesischen Markt. 

Mit der nun lizenzierten Software VLA 2.0 erweitert sich die Kooperation erstmals deutlich in Richtung KI-Kerntechnologie. Das System basiert auf einem durchgängigen End-to-End-Modell, das reale Verkehrssituationen interpretiert und daraus unmittelbar Fahrentscheidungen ableitet – auch in komplexen Szenarien wie engen Straßen oder auf Betriebsgeländen und ohne hochauflösende Karten. 

Die gemeinsame Entwicklung der neuen elektronischen Fahrzeugarchitektur soll den Produktentwicklungszyklus laut Unternehmensangaben um mehr als 30 Prozent verkürzen. Die Architektur wird künftig auf Volkswagens speziell für China entwickelter CMP-Plattform eingesetzt, deren Serienproduktion für 2026 vorgesehen ist. 

Wolfsburgs Wette auf den "China-Speed"

Für Volkswagen ist die technologische Öffnung ein pragmatischer Schritt. Auf seinem wichtigsten Auslandsmarkt hat der Konzern zuletzt Marktanteile an lokal entwickelte, softwaregetriebene Fahrzeuge verloren. Die Kooperation mit XPeng soll vor allem Entwicklungszeiten verkürzen und den Zugang zu KI-basierter Fahrfunktionalität beschleunigen. 

Mit der Integration von VLA 2.0 kauft sich Volkswagen faktisch Entwicklungstempo im Rennen um das softwaredefinierte Fahrzeug ein – ein Bereich, in dem chinesische Hersteller derzeit als besonders innovationsstark gelten. Dass ein global führender Automobilkonzern künftig auf KI-Technologie aus China setzt, habe laut He Xiaopeng eine Bedeutung "weit über die Kooperation hinaus". 

Vom Wettbewerber zum Tech-Zulieferer

Die jüngste Ankündigung unterstreicht zugleich einen strukturellen Wandel in der Branche: Chinesische Hersteller treten zunehmend nicht mehr nur als Fahrzeugproduzenten auf, sondern positionieren sich als Software- und KI-Zulieferer für westliche Traditionskonzerne.

Für XPeng eröffnet sich damit ein margenstarkes Geschäftsfeld. Bereits im ersten Halbjahr 2025 generierte das Unternehmen rund 1,72 Milliarden Renminbi (rund 212 Mio. EUR) an Technologie-Lizenzgebühren aus der Kooperation mit Volkswagen. 

Für die Wolfsburger ist der Ausbau der Partnerschaft derweil eine strategische Wette auf den Faktor Zeit im globalen Technologiewettlauf. Ob der Schulterschluss ausreicht, um im hart umkämpften chinesischen Markt wieder Anschluss zu finden, dürfte sich bereits mit den ersten gemeinsam entwickelten Serienmodellen ab 2026 zeigen.


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