Google investiert massiv, um seine Führungsposition im KI-Energiewettlauf zu festigen
Google plant Investitionen in Höhe von 4,75 Mrd. USD, um eines der größten Hindernisse im KI-Wettlauf zu überwinden: die Beschaffung von ausreichend Strom für eine stetig wachsende Flotte von Rechenzentren.
Ein Paradigmenwechsel: Google wird zum Energieerzeuger
Durch die geplante Übernahme des Wind- und Solarentwicklers Intersect würde Google als einziger Tech-Gigant einen eigenen Energieerzeuger besitzen. Dies könnte einen erheblichen Vorteil gegenüber der Konkurrenz bedeuten, da Energiebehörden Tech-Unternehmen bevorzugen, die ihre eigenen Stromquellen mitbringen. Gleichzeitig drängt die Trump-Administration darauf, dass Stromkosten nicht auf die Endverbraucher abgewälzt werden.
Unter den Wettbewerbern war Google das erste Unternehmen, das Verträge für fortschrittliche Kernkraft- und Geothermieanlagen abschloss, die für den Dauerbetrieb ausgelegt sind. Zudem experimentierte Google als Erster mit der Reduzierung des Stromverbrauchs in Rechenzentren bei Netzengpässen. Mit der Übernahme von Intersect wird die Muttergesellschaft Alphabet nun das erste Unternehmen sein, das die Kapazitäten zum Bau eigener Energiequellen direkt in sein Geschäftsmodell integriert.
Politischer Druck und steigende Kosten
Innerhalb von PJM Interconnection, einem Strommarkt, der 13 US-Bundesstaaten von New Jersey bis Kentucky umfasst, hat diese Dynamik bereits zu höheren Strompreisen geführt. Es besteht die Sorge, dass in Zeiten extremer Nachfrage nicht genug Strom für alle vorhanden sein wird. Die Trump-Administration hat vorgeschlagen, dass PJM noch in diesem Jahr eine Notfall-Stromauktion abhält, bei der Tech-Unternehmen die Kosten für den Bau neuer Kraftwerke selbst tragen müssten.
Intersect arbeitet bereits an mehreren Google-Projekten und hat sich in den letzten Jahren von der Entwicklung eigenständiger Wind- und Solarparks auf die Unterstützung von Rechenzentren spezialisiert. Das Unternehmen, das über Anlagen im Wert von 15 Mrd. USD verfügt, stellt derzeit einen Solarpark mit Batteriespeicher fertig, der ein Google-Rechenzentrum in West-Texas versorgen soll.
Strategische Unabhängigkeit als Wettbewerbsvorteil
Eigene Energiequellen vor Ort entwickeln sich zu einem strategischen Vorteil. Regulierungsbehörden prüfen derzeit, ob Rechenzentren, die neben neuen Kraftwerken gebaut werden, ein schnellerer Netzanschluss gewährt werden sollte, da sie das öffentliche Netz weniger belasten. Solche Anlagen erfordern weniger Investitionen in zentrale Kraftwerke und Übertragungsleitungen, obwohl die meisten für Notfälle weiterhin eine Netzverbindung suchen. Google ist hier erneut Vorreiter und testet bereits "Demand Response"-Programme: In Zusammenarbeit mit Versorgungsunternehmen drosselt Google den Stromverbrauch seiner Rechenzentren bei Netzlast gegen Bezahlung.
Die Renaissance von Kernkraft und Geothermie
Der durch ChatGPT ausgelöste KI-Boom hat die schnelllebige Tech-Branche in einen Konflikt mit Energieversorgern gebracht, die nicht an ein explosives Nachfragewachstum gewöhnt sind. Jahrelang war der US-Strombedarf stabil. In einigen Regionen gingen alte Kraftwerke sogar schneller vom Netz, als neue gebaut wurden.
Diese Herausforderung verschärfte sich, als Tech-Riesen ihre Ausgaben für Infrastruktur massiv erhöhten. Manche Rechenzentren benötigen heute so viel Strom wie eine mittelgroße Stadt. Kernkraftwerke gelten dabei oft als der "Heilige Gral", da sie kohlenstofffreie Energie rund um die Uhr liefern. Kernkraft-Befürworter setzen ihre Hoffnung nun auf kleine modulare Reaktoren (SMRs). Google unterzeichnete 2024 als erstes Unternehmen einen Vertrag über sieben SMRs des Startups Kairos Power.
Früher als andere setzte Google auch auf Geothermie. 2021 schloss das Unternehmen die erste Vereinbarung mit dem Startup Fervo Energy ab, das Fracking-Technologie nutzt, um Erdwärme anzuzapfen. Ein Pilotprojekt ging bereits 2023 ans Netz.


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