Guggenheim erklärt Oracle zum „Investment des Jahrzehnts“
Trotz des jüngsten Kursrückgangs der Oracle-Aktie hält das Analysehaus Guggenheim demonstrativ an seiner positiven Einschätzung fest und stuft den Softwarekonzern weiterhin als aktuelle "Best Idea" ein. Chefanalyst John DiFucci argumentiert in einer neuen Analyse, die deutlichen Wertverluste der vergangenen Monate würden die fundamentale Stärke des Unternehmens verkennen. Aus Sicht von Guggenheim ist Oracle eine seltene "Decade Stock" – also ein Titel, der über die kommenden zehn Jahre von einer spürbaren Wachstumsbeschleunigung profitieren könnte. Das Kursziel von 400 USD unterstreicht diese Zuversicht und signalisiert ein Aufwärtspotenzial von mehr als 100 Prozent gegenüber dem aktuellen Kursniveau.
Technologischer Vorsprung durch eine Architektur aus zweiter Generation
Im Zentrum der Guggenheim-These steht die Oracle Cloud Infrastructure (OCI). DiFucci zufolge hat Oracle daraus Kapital geschlagen, später als Wettbewerber wie Amazon Web Services in den Cloud-Markt eingestiegen zu sein. Gerade dieser Zeitversatz habe es ermöglicht, eine Infrastruktur zu konzipieren, die nicht den Zwängen früher Entscheidungen unterliegt, sondern aus den Schwächen der Pioniere gelernt hat. Guggenheim sieht OCI deshalb als besonders skalierbar und sicherheitsstark – Eigenschaften, die im Enterprise-Umfeld entscheidend sind. Aus dieser technischen Ausgangslage leiten die Analysten die Erwartung eines "Hyper-Wachstums" ab, bei dem der Cashflow über Jahre hinweg stark zulegen und zunehmend "wie ein Wasserfall" fließen könne.
Hohe Investitionen, aber ein robustes finanzielles Fundament
Ein wesentlicher Teil des Berichts adressiert die Verschuldungsdebatte rund um den Ausbau der KI-Infrastruktur. Guggenheim rechnet damit, dass Oracle in den kommenden fünf Jahren rund 290 Mrd. USD investieren muss. Um das Umsatzziel von 166 Mrd. USD bis 2030 zu erreichen, kalkuliert das Analysehaus mit einer zusätzlichen Neuverschuldung von etwa 112 Mrd. USD. Dennoch sehen die Analysten das Investment-Grade-Rating nicht ernsthaft gefährdet. Als potenzielles Instrument zur Entlastung der Bilanz wird auch die Ausgabe neuer Aktien genannt. Ob Oracle diesen Weg einschlägt, hängt laut Guggenheim maßgeblich von Chairman Larry Ellison ab – dessen betont rationaler Blick auf Wertsteigerung eine Verwässerung dann rechtfertigen könnte, wenn sie den Gesamtwert seines verbleibenden Anteils erhöht.
Partnerschaften und Effizienzmodelle als Hebel für Marge und Gewinn
Guggenheim hebt außerdem Ansätze hervor, die den Kapitalbedarf dämpfen und gleichzeitig die Profitabilität stützen könnten. Dazu zählt das "Bring your own chip"-Modell, bei dem Kunden eigene KI-GPUs bereitstellen. Da diese Hardware je nach Projekt einen erheblichen Kostenblock ausmachen kann, verspricht sich Guggenheim davon deutlich geringere Capex-Anforderungen, niedrigere Finanzierungskosten und spürbare Effekte auf Marge und Gewinn je Aktie. Auch die Abhängigkeit von OpenAI wird nicht primär als Risiko interpretiert, sondern als Bestätigung: Die Zusammenarbeit werte Oracles Technologie als tragfähiges Fundament innerhalb der KI-Ökonomie auf. Zwar sei OpenAI selbst noch nicht in jeder Hinsicht finanziell "ausfinanziert", doch die Unterstützung durch starke Partner wie Microsoft und Nvidia stärke die These, dass Oracle als Infrastruktur-Anbieter eine zentrale Rolle einnehmen kann.
Langfristige Perspektive statt kurzfristiger Nervosität
Zum Schluss plädiert Guggenheim für Geduld. Der aktuelle Kursdruck sei vor allem marktgetrieben und könne Investoren mit mehrjährigem Zeithorizont ein attraktives Einstiegsfenster eröffnen. Das Team um DiFucci erwartet, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Modells im weiteren Verlauf des Jahrzehnts immer deutlicher sichtbar wird – untermauert durch schwer angreifbare Finanzkennzahlen. Für Guggenheim bleibt Oracle damit der Top-Pick im Softwaresektor, dessen operative Dynamik aus ihrer Sicht weit über die momentane Skepsis des Marktes hinausgeht.

Die Infografik visualisiert Guggenheims These vom "Investment des Jahrzehnts" und das damit verbundene Aufwärtspotenzial von über 100 Prozent auf einen Blick.
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