HubSpot kontert KI-Sorgen – starkes Quartal mit strategischer Botschaft
Am 11. Februar 2026 legte HubSpot seine Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Der Cloud-Spezialist für CRM- und Marketing-Lösungen übertraf die Erwartungen an der Wall Street deutlich. Doch hinter den starken Schlagzeilen verbirgt sich ein Kampf der Narrative: Solides operatives Wachstum gegen die Angst vor einem fundamentalen Wandel der Software-Branche.
Finanzkennzahlen: Erwartungen geschlagen HubSpot setzte seine Serie positiver Überraschungen fort: Der Umsatz kletterte währungsbereinigt um rund 18 % auf knapp 847 Mio. USD. Auch bei der Profitabilität zeigte sich das Unternehmen diszipliniert: Der Non-GAAP-Gewinn pro Aktie lag mit 3,10 USD über den Konsensschätzungen der Analysten von 2,99 USD.
Der "Health-Check": Net Retention Rate als Stabilitätsanker Besonders positiv hob das Management die Net Revenue Retention (NRR) hervor. Diese Kennzahl gilt als der wichtigste Indikator dafür, wie zufrieden Bestandskunden sind. Sie verblieb stabil im Zielkorridor (typischerweise über 100 %). Das ist ein entscheidendes Signal: Es bedeutet, dass bestehende Kunden trotz konjunktureller Unsicherheiten nicht nur an Bord bleiben (geringer "Churn"), sondern ihre Ausgaben durch den Kauf zusätzlicher Module (Upselling) oder Upgrades aktiv erhöhen. Die Plattform-Strategie greift – Kunden nutzen HubSpot zunehmend als das zentrale Betriebssystem ("System of Record") für ihre Kundenbeziehungen.
Wachstum: Mittelstand bleibt treu Ein robustes Signal sendete auch das Neukundengeschäft: Mit einem Nettozuwachs von knapp 10.000 Neukunden im vierten Quartal überstieg die Gesamtzahl der zahlenden Kunden weltweit die Marke von 288.000. Das zeigt, dass HubSpots Kernzielgruppe – kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – weiterhin investitionsfreudig ist.
Das große "Aber": KI-Disruption und das Ende der "Seats"? Warum geriet die Aktie trotz dieser Zahlen unter Druck? Marktbeobachter verweisen auf die "KI-Angst", die derzeit über dem gesamten SaaS-Sektor schwebt. Investoren treibt eine fundamentale Sorge um: HubSpots klassisches Modell basiert auf dem Verkauf von Lizenzen pro Nutzer ("Seats"). Wenn KI-Agenten künftig jedoch Aufgaben im Marketing und Vertrieb übernehmen, die bisher von Menschen erledigt wurden, könnten Unternehmen künftig weniger menschliche Mitarbeiter – und damit weniger Software-Lizenzen – benötigen.
Strategische Antwort: Von "Seats" zu "Agents" Die Unternehmensführung adressierte diese Sorgen offensiv. HubSpot positioniert sich nicht als Opfer, sondern als Profiteur dieser Wende. Durch die Integration tiefer KI-Funktionen und autonomer Agenten (wie Breeze Intelligence) wandelt sich das Preismodell schrittweise. Das Ziel: Die Monetarisierung verlagert sich von der "Anzahl der Nutzer" hin zum "durch KI generierten Mehrwert". Ob dieser Übergang schnell genug gelingt, um wegfallende "Seat-Umsätze" zu kompensieren, bleibt jedoch die große Wette, die den Markt nervös hält. Um die nervösen Anleger zu beruhigen und Stärke zu demonstrieren, kündigte HubSpot zudem ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 1 Milliarde USD an.

Die Grafik verdeutlicht das aktuelle Spannungsfeld: Während HubSpot mit starken Finanzkennzahlen und einer erholten Net Retention Rate von 105 % operativ glänzt, sorgt die fundamentale Angst vor einer KI-bedingten Ablösung des klassischen Lizenzmodells weiterhin für Nervosität an den Märkten