KI als Wachstumstreiber: Figma knackt die Umsatz-Milliarde – Aktie legt nach 40-Prozent-Plus deutlich zu
Figma hat mit einem starken Schlussquartal 2025 die Erwartungen übertroffen und die KI-Skepsis vieler Investoren vorerst entkräftet. Der Designsoftware-Anbieter steigerte den Umsatz im vierten Quartal auf 304 Mio. USD – ein Plus von 40 Prozent gegenüber von Analysten erwarteten 35 Prozent. An der Börse sorgte vor allem der strategische Befreiungsschlag für Erleichterung: Die Anleger belohnten die klare Botschaft, dass Figma mit seinen massiven KI-Investitionen in die Offensive geht, statt das Geschäftsmodell nur zu verteidigen. Im nachbörslichen US-Handel sprang die Aktie zeitweise um mehr als 15 Prozent nach oben
Mit den Zahlen liefert das Unternehmen eine Gegen-Erzählung zu der zuletzt dominierenden Sorge, generative KI könne Design-Tools wie Figma kannibalisieren. Stattdessen betont das Management, dass die Automatisierung von Code die Nachfrage nach visueller Produktplanung eher erhöht und setzt dafür auf neue KI-Funktionen sowie Integrationen, um Designer, Entwickler und Produktmanager enger auf einer Plattform zusammenzuführen.
Der Grund für die Euphorie: Figma wächst trotz – oder gerade wegen – der künstlichen Intelligenz. Für das Gesamtjahr 2025 durchbrach der Konzern damit erstmals eine psychologisch wichtige Marke. Die Erlöse summierten sich auf 1,056 Mrd. USD (+41 Prozent).
Großkunden als Wachstumstreiber
Ein zentraler Pfeiler des Erfolgs ist die tiefe Durchdringung der bestehenden Kundenbasis. Die sogenannte "Net Dollar Retention Rate" – eine Schlüsselkennzahl für Software-as-a-Service (SaaS)-Unternehmen – lag bei Kunden mit einem Jahresvertragsvolumen von über 10.000 USD bei 136 Prozent. Das bedeutet, dass Bestandskunden ihre Ausgaben im Jahresvergleich um mehr als ein Drittel erhöhten.
Besonders im Enterprise-Segment gewinnt Figma an Boden. Die Zahl der Kunden mit einem Vertragswert von über 100.000 USD stieg um 46 Prozent auf 1.405. In der obersten Liga, bei Verträgen jenseits der Millionen-Grenze, verzeichnete das Unternehmen sogar einen Zuwachs von 68 Prozent auf zuletzt 67 Kunden.
Börse akzeptiert Margen-Verzicht
Bemerkenswert ist die Reaktion der Investoren auf den Ausblick. Finanzchef Praveer Melwani kündigte für das laufende Geschäftsjahr 2026 zwar einen Umsatzsprung um 30 % auf bis zu 1,374 Mrd. USD an, stellte aber gleichzeitig eine sinkende Profitabilität in Aussicht. Die operative Marge (Non-GAAP) soll auf etwa acht Prozent fallen – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 14 Prozent im Schlussquartal 2025.
Dass die Anleger diesen Margen-Verzicht nicht abstraften, gilt als Vertrauensbeweis in die Strategie von CEO Dylan Field. Die Botschaft ist angekommen: Hohe Investitionen in KI-Infrastruktur und neue Produkte wie "Figma Make" sind notwendig, um langfristig die Plattform für die gesamte Produktentwicklung zu werden.
Strategiewechsel: Design statt Code
Strategisch positioniert sich Figma gegen die weitverbreitete These der "KI-Kannibalisierung". Field argumentiert, dass die Automatisierung der Code-Erstellung den Engpass in der Produktentwicklung verschiebt: Weg von der technischen Umsetzung, hin zur visuellen Konzeption und Nutzererfahrung.
"Je besser KI wird, desto besser wird Figma", erklärte Field vor Analysten. Um dies zu untermauern, integriert der Konzern KI-Modelle wie Claude von Anthropic direkt in die Plattform. Erste Erfolge sind sichtbar: Rund 60 Prozent der 2025 im neuen Tool "Figma Make" erstellten Dateien stammten von Nutzern ohne Design-Hintergrund – ein Indiz dafür, dass Figma erfolgreich neue Zielgruppen wie Produktmanager und Entwickler erschließt.

Mit starken Rekordzahlen für 2025 und einer offensiven KI-Strategie beweist Figma eindrucksvoll, dass Künstliche Intelligenz das eigene Geschäftsmodell nicht bedroht, sondern beflügelt – was die Investoren mit einem deutlichen Kurssprung feierten.
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