Lenovo: KI-Kurs zahlt sich aus – Gewinnverdopplung und vielversprechende Zukunft
Lenovo hat im vergangenen Quartal erneut starke Geschäftsergebnisse präsentiert und damit eindrucksvoll bewiesen, dass der eingeschlagene Weg rund um Künstliche Intelligenz und eine breite Diversifikation fruchtet. Das Unternehmen meldete ein zweistelliges Umsatzwachstum im dritten Quartal in Folge und konnte dabei sogar seinen Nettogewinn mehr als verdoppeln.
Wachstum in allen Bereichen – PC-Erneuerungszyklus in Sicht
Laut Konzernchef Yuanqing Yang liegt das Erfolgsgeheimnis in "strategischer Weitsicht, kontinuierlicher Innovation und operativer Exzellenz". Während Lenovo sich traditionell im PC-Bereich stark aufstellt, dürfte die anstehende Ablösung von Windows 10 (Ende Support 2025) den Markt im zweiten Halbjahr 2025 zusätzlich beleben. Schon jetzt rechnet Lenovo bei PCs mit einem mittleren bis hohen einstelligen Marktwachstum, da viele Unternehmen und Privatpersonen ihre Geräte rechtzeitig ersetzen.
Zudem sagte das Management, man wolle von der wachsenden Nachfrage nach KI-fähigen PCs profitieren. Das Unternehmen verzeichnete zuletzt eine steigende Nachfrage nach Geräten, die KI-basierte Funktionen direkt ins Notebook integrieren. Dies soll nicht nur die Produktivität erhöhen, sondern auch die Datensicherheit, da weniger Informationen in die Cloud ausgelagert werden müssen. Lenovo sieht sich hier als Pionier.
Neuer Fokus: Personal AI und innovative Endgeräte
Das PC-Geschäft ist jedoch nur ein Teil des Erfolgs. Inzwischen macht das Unternehmen 46 % seines Umsatzes außerhalb des PC-Bereichs. Ein wesentlicher Wachstumstreiber ist die konsequente Ausrichtung auf Künstliche Intelligenz:
• Personal AI: Lenovo setzt auf KI-Anwendungen, die direkt auf Endgeräten laufen (On-Device AI). Auf der CES 2025 präsentierte das Unternehmen unter anderem den weltweit ersten aufrollbaren KI-Laptop, ein Gaming-Gerät mit freier Wahl zwischen Windows OS oder Steam OS sowie neue Moto AI-Funktionen für Smartphones. Moto AI ist eine von Lenovo (bzw. Motorola) entwickelte KI-Technologie für Smartphones, die erweiterte Funktionen direkt ins Gerät integriert.
• Erweiterte Produktpalette: Neben PCs und Smartphones spielt das Tablet- und IoT-Segment eine wachsende Rolle. Lenovo verbindet die unterschiedlichen Geräte mithilfe eigener Software-Lösungen, sodass alle KI-Funktionen plattformübergreifend nutzbar sind.
ISG: Wachstum dank Cloud und Edge
Ein Glanzpunkt ist die Infrastructure Solutions Group (ISG). Sie konnte den Umsatz um nahezu 60 % steigern und erreichte die Gewinnschwelle. Hauptgrund: Die steigende Nachfrage im Cloud- und Server-Geschäft, angetrieben durch die großen Cloud-Service-Provider (CSP). Lenovo setzt hier auf das ODM+ Modell, also eine Kombination aus eigener Fertigung und Outsourcing, um große Kunden flexibel bedienen zu können.
Neptune, die hauseigene Flüssigkeitskühlung, wird immer wichtiger, da KI-Anwendungen erhebliche Prozessorleistung und somit fortschrittliche Kühltechnologien benötigen. Mit dieser Kombination aus Technologie und Fertigungsmodell plant Lenovo, ein CSP-Geschäft von rund 10 Mrd. USD Jahresumsatz aufzubauen und zugleich die Enterprise- und SMB-Sparte profitabler zu machen.
SSG: Services im Aufwind
Die Solution & Service Group (SSG) wuchs ebenfalls zweistellig und erzielte eine operative Marge von etwa 20 %. SSG betreut Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation, sei es durch Managed Services, Projekt- und Lösungsgeschäfte oder spezifische KI-Anwendungen. Vor allem die Nachfrage nach Hybrid Cloud, digitaler Arbeitsplatzgestaltung (Digital Workplace) und maßgeschneiderten KI-Lösungen nimmt zu. Lenovo sieht hier noch großes Potenzial, da immer mehr Firmen KI in ihren Geschäftsalltag integrieren wollen.
Breite Strategie: Skalierung und Diversifikation
Ob im PC-Segment, bei Smartphones oder in der Infrastruktur: Lenovo setzt auf Skalierung. Nach dem Motto "Erst Marktanteile ausbauen, dann Gewinne steigern" investierte der Konzern beispielsweise lange Zeit ins Server-Geschäft, obwohl es anfangs Verluste brachte. Heute zahlt sich diese Strategie aus: ISG trägt substanziell zum Wachstum bei und wird dank der KI-Welle voraussichtlich weiter zulegen.
Auch bei Smartphones verfolgte Lenovo einen vergleichbaren Ansatz. Nach Erfolgen in Lateinamerika und Nordamerika rückt nun der asiatische und europäische Markt stärker in den Vordergrund. Begleitend will das Unternehmen durch eine globale Fertigungsstrategie (mehr als 30 eigene und Partner-Produktionsstätten) mögliche Zoll- oder Lieferkettenrisiken abfedern.
Finanzlage und Ausblick für Anleger
Finanzvorstand (CFO) Wai Ming Wong wies auf eine starke Bilanz hin. Der Barmittelbestand stieg im Jahresvergleich um 14 %, zugleich legten die Investitionen in Forschung und Entwicklung (v. a. in KI) um 14 % zu. Auch das Nettoumlaufvermögen entwickelte sich positiv, was Lenovo Handlungsspielraum für weitere Innovationen und Zukäufe gibt.
Ausblick:
• Das PC-Geschäft könnte vom bevorstehenden Windows-10-Ablösezyklus profitieren.
• Im KI-Sektor wächst die Nachfrage sowohl nach leistungsfähigen Servern als auch nach On-Device-Lösungen.
• Services und Cloud-Lösungen werden zu einem immer wichtiger werdenden Standbein.
Insgesamt ist Lenovo damit in verschiedenen Zukunftsmärkten positioniert, was das Risiko breiter streut und die Chancen auf anhaltendes Wachstum erhöht. Für Investorinnen und Investoren könnte das Unternehmen damit weiterhin interessant sein – insbesondere vor dem Hintergrund steigender globaler KI-Ausgaben und einer bevorstehenden Welle von PC-Neuanschaffungen.
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