Microsoft-Deal beflügelt SK Hynix: Kursziele steigen, Samsung setzt zum Angriff an
Ein exklusiver Liefervertrag mit Microsoft lässt die Anleger in Seoul jubeln und drängt selbst geopolitische Sorgen in den Hintergrund. Während Rivale Samsung zur Aufholjagd ansetzt, überbieten sich Top-Analysten von Citi bis Morgan Stanley mit neuen Kurszielen für den Speicher-Giganten.
Der Handelstag an der Korea Exchange begann nervös. Am Ende setzten sich jedoch die Tech-Bullen durch. Neue Zoll-Drohungen der US-Regierung unter Donald Trump hatten zunächst wie ein Damoklesschwert über dem asiatischen Technologiesektor gehangen. Dann drehte SK Hynix abrupt: Die Aktie schüttelte frühe Verluste ab und sprang zeitweise um 7,7 Prozent nach oben. Der Auslöser der Euphorie trägt einen prominenten Namen: Microsoft.
Exklusiv-Partnerschaft als Kurstreiber
Treiber der Rallye war ein Bericht, der SK Hynix eine Schlüsselrolle in Microsofts Hardware-Strategie zuschreibt. Demnach soll der Konzern als alleiniger Lieferant für den hochspezialisierten Speicher des kommenden KI-Beschleunigers "Maia 200" ausgewählt worden sein. Der Chip, mit dem Microsoft die Abhängigkeit von externen Zulieferern reduzieren will, soll Berichten zufolge exklusiv mit sechs Einheiten HBM3E (High Bandwidth Memory) von SK Hynix bestückt werden.
Für Investoren ist das ein starkes Signal. Es untermauert, dass SK Hynix nicht nur bei Nvidia erste Wahl ist, sondern auch bei anderen Hyperscalern als technologisch führend gilt. Entscheidend bleibt dabei der Burggraben des Unternehmens: HBM3E in großer Stückzahl und mit der nötigen Ausbeute zuverlässig liefern zu können.
Wall Street sieht eine "Machtverschiebung" zu den Speicherherstellern
Die wachsende Dominanz spiegelt sich in den jüngsten Research-Updates mehrerer Großbanken wider, die ihre Erwartungen nahezu zeitgleich nach oben geschraubt haben.
Jefferies begründet den Optimismus mit einer strukturellen These. Im KI-Sektor zeichne sich eine Machtverschiebung hin zu den Speicherherstellern ab. Laut dem jüngsten Bericht seien Speicherpreise im letzten Quartal um fast 50 Prozent gestiegen. Das Umfeld gebe SK Hynix ungewohnte Preissetzungsmacht. Die Analysten erwarten, dass die Gewinne der Speicherproduzenten trotz fortgeschrittenem KI-Zyklus bis weit in 2028 hinein außergewöhnlich bleiben könnten.
Citigroup geht noch aggressiver vor. Das Kursziel steigt auf 1,4 Mio. Won und ist damit das höchste Ziel am Markt. Begleitet wird das von einer "30-Day Upside Catalyst Watch". Das entspräche einem Aufwärtspotenzial von rund 90 Prozent. Kern der These sind deutlich höhere Preiserwartungen für 2026. Citi rechnet beim durchschnittlichen Verkaufspreis mit plus 120 Prozent im DRAM-Geschäft und plus 90 Prozent bei NAND. Zuvor lagen die Annahmen bei plus 88 beziehungsweise plus 74 Prozent. Entsprechend wird die Prognose für den operativen Gewinn 2026 auf 15 Bio. KRW angehoben. Als zusätzlicher Treiber gilt ein Marktmodell, in dem Kunden Speicherlösungen zunehmend langfristig vertraglich fixieren. Das erhöht die Planungssicherheit und dämpft die Zyklik.
Auch Morgan Stanley zieht nach. Die Bank bestätigt ihr Overweight-Rating und hebt das Kursziel auf 840.000 Won an. Zur Begründung verweist sie auf harte Zahlen: Für 2026 prognostiziert Morgan Stanley einen weiteren DRAM-Preisanstieg um 62 Prozent.
Samsungs Schatten wird länger
Trotz der Euphorie gibt es ein Risiko, das in den kommenden Wochen lauter werden dürfte. Samsung Electronics arbeitet an der Aufholjagd. Marktgerüchte verdichten sich, dass Samsung kurz vor einer entscheidenden Zertifizierung durch Nvidia steht.
Sollte Samsung, wie spekuliert, bereits im Februar mit Lieferungen der nächsten Generation HBM4 an Nvidia starten, könnte das bisherige Quasi-Monopol von SK Hynix bröckeln. Ein zweiter starker Anbieter würde die Preissetzungsmacht relativieren und mittelfristig Margen belasten. Für Anleger wird damit zur Schlüsselfrage, ob der Microsoft-Deal nur ein Etappensieg ist oder ob SK Hynix seinen technologischen Vorsprung auch im HBM4-Zyklus verteidigen kann.
Spannung vor den Quartalszahlen
Der Kursprung ist zugleich der Auftakt zur wichtigsten Woche. Am Donnerstag, 29. Januar, legt SK Hynix die Zahlen für das vierte Quartal vor. Nach den jüngsten Kommentaren von Jefferies und Morgan Stanley sind die Erwartungen weiter gestiegen. Der Markt setzt darauf, dass der KI-Boom bereits zu Rekordergebnissen geführt hat. Ebenso wichtig wird die Bestätigung, dass Nachfrage und Preise hoch bleiben, weil das Angebot weiterhin hinterherläuft.

Beflügelt durch einen exklusiven Microsoft-Deal und massive Analysten-Upgrades trotzt SK Hynix geopolitischen Sorgen, während im Hintergrund der Konkurrenzkampf mit Samsung an Fahrt gewinnt.
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