Microsofts 625-Milliarden-Dollar-Rätsel: Warum Rekordzahlen im Schatten des OpenAI-Klumpenrisikos verpuffen
Microsoft hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 operative Bestmarken gesetzt und einen Umsatz von 81,3 Mrd. USD sowie einen bereinigten Gewinn von 4,14 USD pro Aktie gemeldet. Trotz dieser Zahlen, die über den Erwartungen lagen, verlor die Aktie nachbörslich deutlich an Boden. Die negative Reaktion des Marktes lässt sich dabei weniger mit einer schwachen Nachfrage erklären, sondern vielmehr mit einer wachsenden Skepsis gegenüber der Qualität der Erträge und den massiven strukturellen Risiken, die durch die enge Bindung an OpenAI entstehen.
Das 625-Milliarden-Dollar-Rätsel im Auftragsbestand
Ein zentraler Grund für die Nervosität der Anleger liegt tief in den Details der Bilanz verborgen. Zwar stiegen die vertraglich zugesicherten künftigen Umsätze, die sogenannten Remaining Performance Obligations (RPO), auf den Rekordwert von 625 Mrd. USD um 110 % im Vergleich zum Vorjahr, doch die Zusammensetzung dieses Berges sorgt für Unbehagen. Erstmals wurde deutlich, dass rund 45 Prozent dieses gesamten Backlogs auf Verpflichtungen von OpenAI entfallen. Damit ist fast die Hälfte des künftigen Cloud-Wachstums an das Schicksal eines einzigen Unternehmens geknüpft. Für Investoren stellt dies ein massives Klumpenrisiko dar, da jede operative oder finanzielle Instabilität bei OpenAI unmittelbar das Wachstumsversprechen von Microsofts Cloud-Sparte Azure gefährden würde.
Die Debatte um das "Kreislauf-Wachstum"
Hinter dem beeindruckenden Azure-Wachstum von 39 Prozent vermuten Kritiker zunehmend ein Phänomen, das an den Kapitalmärkten oft als "Circular Revenue" bezeichnet wird. Microsoft investiert Milliardenbeträge in OpenAI, die das Start-up wiederum nutzt, um Rechenkapazitäten in der Microsoft-Cloud zu mieten. In der Folge fließt das investierte Kapital als Cloud-Umsatz an Microsoft zurück. Dieser Mechanismus wirft die Frage auf, wie viel des aktuellen Wachstums tatsächlich auf organischer Nachfrage des breiten Marktes basiert und wie viel lediglich eine Umverteilung von Investitionskapital darstellt. Solange Microsoft nicht beweisen kann, dass Azure auch ohne diese massiven Zuflüsse aus dem eigenen Partner-Ökosystem in ähnlichem Maße wächst, bleibt ein fader Beigeschmack bezüglich der Nachhaltigkeit dieser Erträge.
Verzerrte Gewinnqualität durch Sondereffekte
Ein weiterer Belastungsfaktor für die Aktienkursentwicklung war die Wahrnehmung der Gewinnqualität. Zwar wies Microsoft einen offiziellen Gewinn pro Aktie von 5,16 USD aus, doch dieser Wert wurde durch einen einmaligen Bewertungseffekt in Höhe von 7,6 Mrd. USD massiv nach oben verzerrt. Dieser Buchgewinn resultierte aus der Rekapitalisierung von OpenAI im Oktober und hat keinen Bezug zum operativen Tagesgeschäft oder zum tatsächlichen Cashflow. Analysten haben diesen Einmaleffekt konsequent herausgerechnet und blicken stattdessen auf die rasant steigenden Kosten. Die Sorge ist groß, dass Microsoft die Gewinne optisch schöner darstellen muss, um von der Tatsache abzulenken, dass die Kosten für den Betrieb der KI-Infrastruktur schneller wachsen als die tatsächlichen Margen im Softwaregeschäft.
Die Kapitalfalle: Hohe Ausgaben treffen auf Lieferengpässe
Microsoft befindet sich derzeit in einem extrem kapitalintensiven Wettrüsten, was sich in den Rekord-Investitionsausgaben von 37,5 Mrd. USD allein in diesem Quartal widerspiegelt. Das Problem für die Anleger ist hierbei ein zeitliches Ungleichgewicht: Während die Milliarden für Hardware und Rechenzentren sofort abfließen und die Bilanz belasten, kann der daraus resultierende Umsatz nur verzögert realisiert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass physische Engpässe bei KI-Chips und Infrastruktur-Ressourcen das Wachstum von Azure nach oben hin deckeln. Microsoft gibt also massiv Geld aus, kann aber aufgrund von Hardware-Limits nicht beliebig schnell skalieren. Diese Kombination aus explodierenden Kosten und einer angebotsseitig begrenzten Monetarisierung drückt auf die mittelfristigen Renditeerwartungen.
Transformation vom Software-Riesen zum Infrastruktur-Provider
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Markt Microsoft zunehmend kritischer bewertet, da sich das Geschäftsmodell schleichend wandelt. Weg von der hochprofitablen, skalierbaren Software mit extremen Margen, hin zu einem kapitalintensiven Infrastruktur-Provider, der als "Bank und Vermieter" für OpenAI fungiert. Die Skepsis der Investoren wird erst dann schwinden, wenn Microsoft den Nachweis erbringt, dass die KI-Infrastruktur auch von einer breiten Basis an Unternehmenskunden profitabel genutzt wird und die Abhängigkeit von einzelnen Großpartnern sinkt. Bis dahin belasten die intransparente Gewinnqualität und die finanziellen Verflechtungen das Vertrauen in die Aktie.
Transformation vom Software-Riesen zum Infrastruktur-Provider
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Markt Microsoft zunehmend kritischer bewertet, da sich das Geschäftsmodell schleichend wandelt. Weg von der hochprofitablen, skalierbaren Software mit extremen Margen, hin zu einem kapitalintensiven Infrastruktur-Provider, der als "Bank und Vermieter" für OpenAI fungiert. Die Skepsis der Investoren wird vielleicht erst dann schwinden, wenn Microsoft den Nachweis erbringt, dass die KI-Infrastruktur auch von einer breiten Basis an Unternehmenskunden profitabel genutzt wird oder die Abhängigkeit von OpenAI sinkt. Bis dahin belasten voraussichtlich die intransparente Gewinnqualität und die finanziellen Verflechtungen das Vertrauen in die Aktie.

Diese Infografik veranschaulicht, wie Microsofts glänzende Rekordzahlen im zweiten Quartal 2026 von der massiven Marktskepsis bezüglich des OpenAI-Klumpenrisikos und der tatsächlichen Gewinnqualität überschattet werden.
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