Waymo: Alphabet-Tochter zündet mit 126-Milliarden-Bewertung den Turbo!
Mit einer Bewertung von 126 Mrd. USD entkoppelt sich die Alphabet-Tochter Waymo endgültig vom Wettbewerb und lässt Rivalen wie Tesla oder die Amazon-Beteiligung Zoox, die weiterhin mit technischen Hürden ringen, weit hinter sich. Die jüngste Kapitalspritze von 16 Mrd. USD untermauert diesen Führungsanspruch und soll sicherstellen, dass der Konzern seine dominante Marktposition zementiert. Analysten wie Pedro Pacheco von Gartner kommentieren die aggressive Stoßrichtung so: Das Unternehmen wolle "den Markt übernehmen, bevor es jemand anderes tut". Auch Google-CEO Sundar betonte, das frische Kapital diene dazu, "mit beispielloser Geschwindigkeit expandieren" zu können.
Der Import chinesischer Karosserien umgeht geschickt US-Zölle, während erste Unfälle die Behörden alarmieren
Um diese Skalierung hardwareseitig abzubilden, vollzieht das Management einen radikalen, aber geopolitisch riskanten Strategiewechsel. Im Zentrum steht eine Partnerschaft mit der chinesischen Geely-Tochter Zeekr. Um die protektionistischen US-Zölle zu umschiffen, importiert Waymo lediglich sogenannte "Glider" – Fahrzeugkarosserien ohne sensible Computertechnik – aus dem Hafen von Ningbo. Die Endausrüstung mit Hochleistungsrechnern und Sensorik erfolgt anschließend durch Magna in Arizona. Experten wie Arthur Dong von der Georgetown Universität bezeichnen dies als "sehr klugen Schachzug", da so voraussichtlich nur 25 % statt 100 % Einfuhrzoll anfallen. Doch die Strategie ist nicht ohne Tücken: Die bislang tadellose Sicherheitsbilanz gerät unter Druck. Nach einem Unfall mit einem Kleinkind in Santa Monica und Problemen mit Schulbussen in Austin, bei denen der "Waymo Driver" Vorschriften missachtete, hat die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA Untersuchungen eingeleitet.
DeepMinds "Genie 3" simuliert nun Katastrophen und Wildwechsel, um die KI auf den Ernstfall vorzubereiten
Als technologische Antwort auf die gestiegenen Sicherheitsanforderungen präsentierte Waymo am 6. Februar das "Waymo World Model". Diese generative Simulationsumgebung basiert auf Google DeepMinds "Genie 3" und erzeugt hyperrealistische 3D-Welten inklusive synchroner Kamera- und Lidar-Daten, um den "Waymo Driver" präziser als je zuvor zu schulen. Der entscheidende Vorteil liegt in der Simulation extrem seltener "Long-tail events" – etwa Naturkatastrophen oder Wildwechsel –, die in rein fahrbasierten Datensätzen oft fehlen. Die Ingenieure besitzen dabei maximale Kontrolle: Sie können Szenarien per Sprachbefehl modifizieren und sogar herkömmliche Dashcam-Videos in interaktive, multimodale Trainingssimulationen verwandeln.
Der neue "Babybus" Ojai senkt die Kosten massiv und flankiert den strategischen Start in London
Hardwareseitig steht das neue Modell "Ojai" im Fokus der Entwicklungen, das Anfang des Jahres auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellt wurde. Der hellblaue Van, der optisch an den Zeekr "Mix" (Spitzname: "Babybus") erinnert, soll die Fahrzeugkosten drastisch drücken. Parallel zur Flottenmodernisierung treibt Waymo die geografische Expansion voran: Im Herbst dieses Jahres erfolgt mit dem Start in London der strategisch wichtige Eintritt in den europäischen Markt, wo das Unternehmen laut Beobachtern noch immer unterschätzt wird. Zudem sollen im laufenden Jahr 20 neue Städte erschlossen sowie Autobahn-Touren und Flughafenservices ausgeweitet werden. Um das Risiko der China-Abhängigkeit zu streuen, plant Waymo für das kommende Jahr zusätzlich die Einführung des Hyundai Ioniq 5 als weiteres Flottenmodell.
Bei Fahrzeugkosten von bis zu 175.000 USD führt der Weg in die Gewinnzone nur über radikale Einsparungen
Die operativen Geschäftszahlen des Jahres 2025 belegen das enorme Momentum, auch wenn die Gewinnzone noch fern ist. Die Zahl der bezahlten Fahrten verdreifachte sich im Jahresvergleich auf 15 Mio., wobei zuletzt eine Run-Rate von knapp einer halben Million Touren pro Woche verzeichnet wurde. Für das laufende Jahr ist eine Verdopplung dieser Zahlen geplant. Bei einem geschätzten Umsatz von durchschnittlich 20 USD pro Fahrt generiert Waymo zwar signifikante Einnahmen, schreibt aber aufgrund der immensen Investitionen weiterhin rote Zahlen. Analysten schätzen, dass seit der Gründung 2009 über 35 Mrd. USD verbrannt wurden. Die aktuellen Kosten für ein Robotaxi auf Jaguar-Basis belaufen sich auf 150.000 USD bis 175.000 USD. Durch den neuen Ojai sollen diese Anschaffungskosten um gut 70.000 USD sinken, was für den Pfad zur Profitabilität essenziell ist, da das Unternehmen laut Analysten bislang "keinen nachhaltigen Weg in Richtung Profitabilität aufgezeigt" habe.
Die China-Wette dürfte das Schicksal des Geschäftsmodells bestimmen
Die Alphabet-Aktie preist im Segment Waymo derzeit viel Fantasie ein, doch das Risikoprofil hat sich verschoben. Der technologische Burggraben ist unbestritten tief, was sich paradoxerweise im Verhalten der Nutzer in San Francisco zeigt, die den Robotaxis inzwischen sogar ihre Kinder anvertrauen. Doch die Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten in einem volatilen handlungspolitischen Umfeld und die jüngsten behördlichen Untersuchungen zeigen die Fragilität des Geschäftsmodells. Waymo muss beweisen, dass die Wette auf billigere Hardware aus Fernost und generative KI zur Problemlösung aufgeht. Gelingt dieser Spagat, ist Waymo der unangefochtene Monopolist der Mobilitätswende; scheitert er, bleibt es das teuerste Experiment der Industriegeschichte.
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