Warum „Hypes“ bei der Geldanlage, wie Cannabis-Aktien oder Bitcoins, zur höchsten Vorsicht mahnen

Nach dem Ende der Finanzkrise verhalf es zu Investmenterfolgen, einfach der Anlegermasse bei der Aktienveranlagung zu folgen. Denn bei einem allgemeinen Börsen-Aufschwung wie in den Jahren ab März 2009 sind Gewinne naturgemäß leichter einzufahren.

Laut den Anlageexperten bei der österreichischen Schoellerbank läuft es aber in der Regel noch besser, wenn man ein paar Schritte vorauseilt und antizyklisch investiert. Beim Versuch, genau das zu tun, vertrauen die dortigen Analysten nicht auf ihr Bauchgefühl, sondern zum großen Teil auf die Stimmung an den Märkten.

Die vorherrschende Stimmungslage gibt einen Einblick in die Psyche der Anleger und verrät dadurch, wann die richtige Zeit für Investments gekommen ist. Aktuell ist die Stimmungslage an den Börsen laut Schoellerbank kurz davor ein Kaufsignal zu generieren: Das Sentiment ist ähnlich schlecht wie damals in der Endphase der Finanzkrise. Selbst die starken US-Indizes zeigten zuletzt Schwäche und knickten ein. In den vergangenen Monaten war es kaum möglich Gewinne am Aktienmarkt zu erzielen, sofern man solide und gleichzeitig marktnah investieren wollte. Selbst qualitativ hochwertige Unternehmen gerieten in den Sog der Korrektur.

Dies wiederum führte dazu, dass der eine oder andere Spekulant sein Glück abseits der ausgetretenen Pfade versuchte – bis vor kurzem bei Cannabis-Aktien. Ähnlich wie bei der Erstbesteigung eines Berggipfels, lauern auch hier etliche Gefahren, warnt die Schoellerbank. Denn neue Wege sind – am Berg genauso wie an der Börse – mit einigen Risiken behaftet. Das Fehlen von Erfahrungswerten oder -berichten macht ein derartiges Vorhaben ungleich schwieriger beziehungsweise spekulativer.

 

Cannabis-Aktien: auf die berauschende Performance folgt die Ernüchterung

Eine relativ neue Spielwiese für Spekulanten sind die bereits erwähnten Cannabis-Aktien. Diese haben eine teils atemberaubende Kursrallye absolviert. Die Legalisierung von Marihuana in einigen US-amerikanischen Bundesstaaten hat dazu beigetragen, dass Aktien von Unternehmen die in diesem Bereich tätig sind, zu einem massiven Kurssprung ansetzen konnten. Innerhalb der letzten drei Jahre konnte der Cannabis-Index (Bloom-berg-Ticker: ICANN Index) um mehr als 180 % zulegen, ehe der Höhenflug im September 2018 endete. Seither korrigierte der Index um etwas mehr als 28 %. Mit diesem Kursrutsch mussten Cannabis-Anleger einen sehr heftigen Rückschlag einstecken. Ob die Höchstkurse je wieder zurückkehren ist ungewiss.

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Der Hype rund um Cannabis-Aktien erinnert die Schoellerbank an die deutsche „Solar-Euphorie“ nach der Jahrtausendwende. Auch dort witterten die Anleger ein sicheres und lukratives Geschäft. Doch schlussendlich konkurrierten zu viele Wettbewerber am selben Markt und beendeten jäh den positiven Kursverlauf. Als dann auch noch die viel günstiger produzierende Konkurrenz aus Fernost auf den Markt drängte, waren deutsche Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig, was schließlich zum Niedergang der deutschen Solar-Aktien führte.

Der jüngste Aufstieg der Cannabis-Aktien erinnert zudem an eine andere Pflanze und eine legendäre Preisübertreibung – dieser Hype liegt jedoch bereits ein paar Jahrhunderte zurück. Bei der berühmten Tulpenmanie „investierten“ Blumenliebhaber ebenso wie Spekulanten in die namensgebende Pflanze. Besagte Blumengattung wurde wenige Jahre zuvor aus der Türkei importiert, weswegen es sich um ein knappes Gut handelte. Die Knappheit verschärfte sich sogar nochmals, als die Tulpenzüchter der boomenden Nachfrage in keiner Weise nachkommen konnten. Heutzutage unvorstellbar, erreichten die Tulpenzwiebeln damals einen Preis, der dem Jahreseinkommen einer ganzen Familie entsprach. Ein Ende der Rallye schien nicht in Sicht, bis eines Tages bei einer Auktion in Haarlem (Niederlande) die gewünschten Tulpenpreise nicht erzielt wurden. Der Ausgang dieser Auktion verbreitete sich in Windeseile und innerhalb weniger Tage brach der Tulpenpreis um 95 % ein. Die Höchstkurse erreichte die begehrte Pflanze nie wieder.

 

Bitcoins – eine hochspekulative Anlageform

Die Kryptowährung Bitcoin ist für die Schoellerbank ebenfalls ein prominentes Beispiel für einen Anlagehype. Mit dem Argument der begrenzten Verfügbarkeit und der Möglichkeit, anonym Zahlungen leisten zu können, rückten Kryptowährungen Ende 2017 ins Interesse der Spekulanten – völlig unabhängig von volkswirtschaftlichen Parametern und regulierten Märkten. Ein Blick auf den nachfolgenden Chart zeigt jedoch, dass sie den eigentlichen Sinn und Zweck einer Währung, nämlich Stabilität zu gewährleisten völlig verfehlen.

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Der Wert von Bitcoins ändert sich laufend binnen Sekunden um einige Prozent, an Geschäftsabschlüsse in dieser „Währung“ ist nicht zu denken. Bei einem fallenden Bitcoin-Markt lösen sich die Margen für Verkäufer innerhalb weniger Sekunden in Luft auf. Das ist einer jener Gründe, weshalb beispielsweise der Online-Handelsriese Amazon den Bitcoin nicht als Zahlungsmittel akzeptiert. Auch etwaige staatliche Einflussnahme bzw. Regulierung könnten der Währung noch weiter zusetzen.

Zusammengefasst lauten die Fakten laut Schoellerbank wie folgt: Die Schwankungsbreite bei der Wertfindung von Kryptowährungen ist sehr hoch, es gibt keinen liquiden bzw. geregelten Markt und Investoren sind vor exogenen Einflüssen nicht geschützt – all das macht Bitcoins & Co. zu einem ungeeigneten Investment. Der Absturz zeigt, dass ein Investment in Bitcoins einem Casinobesuch gleicht.

 

Auch am Aktienmarkt wird „gehypt“

Das US-Unternehmen Tesla steht immer wieder im medialen Rampenlicht, eine seriöse Einschätzung des Werts ist schwierig. Die Kursziele vieler Analysten driften beim Elektroauto-Hersteller extrem weit auseinander. Ob Tesla das Rennen um das Elektroauto tatsächlich gewinnen wird, ist dabei noch längst nicht geklärt. Alle Autobauer arbeiten derzeit fieberhaft an der Elektromobilität. Parallel wird mit Hochdruck am autonomen Fahren gearbeitet, womit es nur noch als eine Frage der Zeit erscheint, bis die ersten elektrifizierten Roboter-autos auf den Straßen unterwegs sein werden. Eine ganze Branche ist damit im Umbruch: Wer am Ende des Tages einen lukrativen Platz auf dem Podest ergattern kann, ist aktuell noch ungewiss, so die Schoellerbank. Im Folgenden zwei Grafiken (Marktkapitalisierung & Umsatz) zu den deutschen Automobilherstellern und ihrem US-Rivalen.

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Wie obige Grafik zeigt, konkurriert Tesla bei der Marktkapitalisierung mit Daimler und BMW konnte man bereits hinter sich lassen. Das bringt die Schoellerbank zu den beiden folgenden Fragen: Sind deutsche Autobauer nun zu günstig oder Tesla schlicht und ergreifend zu teuer? Oder rechtfertigen die starken Wachstumszahlen bei Tesla deren Aktienbewertung?

Bei der Antwort darauf erinnern die Analysten daran, dass bei einer Aktienanalyse noch viele weitere Bewertungskennzahlen relevant sind, um sich ein genaues Bild des Unternehmens machen zu können. Unter anderem der Gewinn: Während Daimler, BMW und Volkswagen für das Geschäftsjahr 2018 aller Voraussicht nach einen Gewinn ausweisen werden, sind die Ergebniszahlen von Tesla nach wie vor rot eingefärbt. Neben der Ungewissheit im Rennen um die Vorherrschaft in der Elektromobilität, spielt auch die generelle Konjunkturabhängigkeit bei einer Veranlagung in der Autobranche eine nicht unwesentliche Rolle. Autoaktien stellen deshalb generell ein schwer planbares Investment dar.

 

FANG-Aktien: die Lieblinge der Anleger

Lange Zeit waren die sogenannten FANG-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix und Google) sehr begehrt und trieben aufgrund ihrer Größe sogar den S&P 500 nach oben. Doch nun kehrt gemäß der Schoellerbank die Realität an die Börse zurück: In den vergangenen Wochen haben die FANG-Aktien in der Spitze über 550 Mrd. USD verloren. Das ist zum Beispiel deutlich mehr, als die gesamte Marktkapitalisierung der großen drei deutschen Autohersteller. Rechnet man den aktuellen Börsenwert von Volkswagen, Daimler und BMW zusammen, kommt man gerade mal auf 200 Mrd. USD. Die Auswirkungen von Schwankung der FANG-Aktien auf den Gesamtmarkt sind demnach enorm. Die Gruppendynamik wirkt jedoch in beide Richtungen: Sowohl nach oben als auch nach unten.

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Nichts geht über Betongeld

Der Traum von den eigenen vier Wänden ist in Zeiten niedriger Zinsen für viele Menschen realistischer geworden. Allerdings sind die niedrigen Zinsen nicht nur Segen, sondern auch Fluch zugleich. Denn nicht nur für Sparer sind niedrige Zinsen ein Problem, sondern auch die Eigenheimbesitzer in spe haben mit unangenehmen Nebenwirkungen zu kämpfen: Die hohe Nachfrage nach Immobilien führt dazu, dass Bauunternehmen praktisch jeden Preis aufrufen können. Somit ist zwar die Zinsbelastung in den letzten Jahren erheblich gesunken, dafür sind die Baukosten dramatisch gestiegen, womit sich der günstige Zinseffekt praktisch egalisiert hat.

Darüber hinaus muss sich jeder Immobilienkäufer bewusst sein, dass eine Immobilie kein Selbstläufer ist und, dass sich eine Veräußerung in konjunkturell schwierigen Zeiten durchaus langwierig gestalten kann. Auch wenn die Immobilienpreise tendenziell steigen, kann es Phasen geben, in denen man sein Haus mit Verlust verkaufen muss. So geschehen in den USA während der Finanzkrise in den Jahren 2007 bis 2011. Mittlerweile ist die Immobilienkrise schon fast wieder in Vergessenheit geraten – zumindest lässt dies der von Standard & Poor‘s vertriebene Case-Shiller Home Price Index erahnen. Dieser hat bereits Anfang 2018 den ehemaligen Höchststand vor der Finanzkrise überschritten.

Immobilien zählen zu Sachanlagen und sind damit sicherlich keine Risikoanlage im eigentlichen Sinn. Aber eine Immobilie zu einem überteuerten Preis zu erwerben, stellt auch ein Risiko dar und dürfte sich für den einen oder anderen Investor bei einem Notverkauf als „Renditekiller“ erweisen, warnt die Schollerbank.

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Fazit:

Trotz des aktuellen Rückschlags ist die Begeisterung für Cannabis-Aktien immer noch groß. Der potenzielle Markt für das Gewächs scheint riesig – vor allem in medizinischer Hinsicht. Doch wie groß dieser Markt genau ist und ob man mit der Produktion schlussendlich nicht doch über das Ziel hinausschießt, ist nur schwer abzuschätzen. Die Schoellerbank bleibt diesem hektischen und volatilen Treiben fern.

Die Asset Manager beobachten diese Entwicklungen, wie auch jeden anderen Trend, jedoch ganz genau. Denn jeder große Markt hatte seinen Ursprung in der Nische, der Weg aus derselben ist allerdings meist sehr steinig. Sobald ein überzeugendes Investment in diesem Bereich zu identifizieren ist, kann daraus eine solide Veranlagung mit einem langfristigen Mehrwert entstehen.

Spekulanten versuchen bei Hypes immer einen Glückstreffer zu landen. Wie die Geschichtsbücher zeigen, sind die Chancen mit spekulativen Anlagen nachhaltig erfolgreich sein zu können jedoch äußerst gering. Die Anlageexperten der Schoellerbank vertrauen deshalb auf ihren jahrzehntelang erprobten und soliden Anlagestil unter dem Motto „Investieren statt Spekulieren“.



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