Zwei trendstarke Titel aus unserer Global Trend Following-Liste USA 1000

Lange hat es gedauert, bis sich der höhere Leitzins an den US-Aktienmärkten bemerkbar gemacht hat. Weniger das aktuelle Niveau von 2,25 % bis 2,5 %, sondern eher die Prognose der Notenbanker vom Oktober, noch mindestens drei weitere Male an der Zinsschraube nach oben drehen zu wollen, brachte dann aber das Fass zum überlaufen. Würde Jerome Powell seine damalige Ankündigung tatsächlich umsetzen, lege man bei 25 Basispunkten pro Zinsschritt dann bei sicheren 3 bis 3,25 %. Bedenkt man, dass die langfristige Rendite an den Aktienmärkten im Schnitt bei 6 % liegt und das bei höheren Schwankungen als bei verzinsten Anlagen, nimmt das Aktien in der Tat etwas ihrer Attraktivität der vergangenen Jahre. Nur Aktien, die eine deutlich über 3 % liegende Dividendenrendite bei relativ stabiler Kursentwicklung aufweisen (also mit geringer Volatilität), hätten dann noch die Zuneigung vor allem der institutionellen Investoren. Alternativ bleiben bestimmte Branchen wie Biotechnologie oder spezielle Softwareanbieter mit höherer Ertragsfantasie auf dem Zettel der Anleger. Nicht zu vergessen ist natürlich auch der „Trump-Faktor“, die unberechenbarste Größe in der gesamten Börsenrechnung. Denn gerade der US-Präsident hat die aggressive Zinspolitik der Federal Reserve in jüngster Zeit offen kritisiert. Und trotz ihrer Unabhängigkeit scheint dies etwas Eindruck auf die Notenbanker gemacht zu haben, denn die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung in den USA im letzten Quartal 2019 ist an den Terminmärkten in der vergangenen Woche auf null gesunken. Nun sind auch trendstarke Titel wie jene Zwei aus unserer Global Trend Following-Liste USA 1000, nicht ganz vor dem volatilen Einfluss des „Trump-Faktors“ gefeit, aber dafür in der Regel etwas resistenter.

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(Andreas Wolf nutzt das vorgefertigte Trading-Desk „Global Trend-Following“ in der TraderFox Börsensoftware, um die trendstabilsten Aktien zu identifizieren)

Intuit (3-Jahres-Trendstabilität 15,02)


Die Umwälzungen in der Finanzbranche sehen vor allem Anbieter und Hersteller von spezieller Software in diesem Sektor als große Gewinner. Haben noch vor 20 Jahren Banken das Auskommen des einen oder anderen IT-Anbieters gesichert, so haben sich die Kräfteverhältnisse komplett verkehrt. Anbieter wie die deutsche Wirecard sind nicht mehr
Softwarehersteller sondern auch Bank. Beim 1983 in Kalifornien gegründeten Softwarehaus Intuit ist dies zwar nicht ganz so weit gediehen, doch hat sich der in Mountain View ansässige Konzern mit 9000 Mitarbeitern zu einer festen Größe unter den Anbietern in der IT-Finanzdienstleistungsbranche entwickelt. Einen Namen hat sich der Konzern vor allem im Online-Banking in den Achtziger Jahren mit seinem Produkt „Quicken“ gemacht. Ging es zu Beginn darum, den Nutzern eine einfache Software zur Finanzverwaltung an die Hand zu geben, so wurde dieser Bereich immer stärker auf das Thema Steuern/ Abrechnungen ausgedehnt. Um die Jahrtausendwende wurde der ungehemmte Wachstumskurs gebremst und Intuit begann sich vor allem auf die englischsprachigen Märkte zu konzentrieren. Heute ist das Unternehmen in 9 Ländern mit 19 Repräsentanzen vertreten, Hauptabsatzgebiete sind die USA, Kanada, Indien und Großbritannien. Zudem wurde der Fokus auf mittlere und kleinere Unternehmen sowie Selbstständige gelegt, denen die Kalifornier mit ihrer Software helfen wollen, die Buchführung und Steuerverwaltung kostengünstiger abzuwickeln. Darüber hinaus ist dieser Kundenkreis, anders als private Nutzer, eher bereit, für fortlaufende Betreuung und Verbesserung der Produkte höhere Lizenzgebühren zu investieren.

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Seit 2012 haben die Umsatz- und Gewinnschwankungen deutlich abgenommen, seit 2015 befindet sich Intuit wieder eindeutig auf einem Wachstumspfad. Die Fokussierung hin auf Unternehmenskunden und weniger auf Privatnutzer hat sicher zu dieser Stabilisierung beigetragen, die gute Wirtschaftsentwicklung in den Heimatmärkten ebenso. Die US-Steuersenkung mit Beginn der Präsidentschaft von Donald Trump hat zudem für einen zusätzlichen Schub gesorgt, der Brexit in diesem Jahr, so er stattfindet, könnte einen weiteren positiven Nachfrageschub für das Unternehmen bringen. Im nach eigener Zählung 1. Quartal des Geschäftsjahres 2018/19 (endet im Juli 2019) konnte man den positiven Trend fortschreiben. Der Umsatz kletterte um 12 % auf 1 Mrd. USD und mit einem Nettogewinn von 34 Mio. USD verließ man die Verlustzone (17 Mio. USD vor einem Jahr). Für das Gesamtjahr 2018/19 plant man einen Umsatz von 6 Mrd. USD und einen Nettogewinn von 2 Mrd. USD, vor allem weil man bei Quick Books (Buchhaltung für Selbstständige und Kleinunternehmen) und TurboTax (vereinfachtes Steuererklärungs-programm) weiter von starker Nachfrage ausgeht. Bis 2021 rechnet der Durchschnitt der Analysten mit einem jährlichen Umsatzwachstum von rund 10 % und einem Gewinnzuwachs von 12 bis 13 %. Die 2019/20er KGVs von 30 und 26 sind für einen Technologiewert fast schon als günstig zu bewerten.

ResMed (3-Jahres-Trendstabilität 15,0)


In den letzten Jahren waren vor allem (und sind es auch noch) Biotechnologiewerte gefragt, die sich vor allem der Bekämpfung schwerer Erkrankungen wie Krebs oder Alzheimer angenommen haben. Doch auch die erfolgreiche Behandlung vermeintlich leichterer Leiden verspricht lukrativ zu sein. Resmed ist ein 1989 in Kalifornien gegründeter Spezialist für medizinische Geräte und Therapien zur Behandlung von Schlafstörungen sowie Atemwegs- und Lungenerkrankungen. Der Konzern hat 6000 Mitarbeiter, ist in über 120 Ländern tätig und in die Betreuung von mehr als 6 Mio. Patienten involviert. Mehr als 70 % der Menschen mit Fettleibigkeit, Herzinsuffizienz oder Diabetes haben irgendeine Form der Schlafstörung. Rund ein Viertel aller Menschen sollen gelegentlich unter Schlafstörungen leiden und sind damit potenzielle Kunden des Konzerns. Resmed ermöglicht es die Pflege vom Krankenhaus nach Hause zu verlagern, wodurch die weltweit steigenden Kosten im Gesundheitssystem deutlich gesenkt werden können. Gerade 2017 hat das Unternehmen eine Reihe neuer Geräte auf den Markt gebracht, mit der Schlaf- und Atemstörungen im Rahmen einer langfristigen Therapie erfolgreich behoben werden sollen, einige lassen sich sogar über den Einsatz des Smartphones steuern und kontrollieren. In dieser Richtung sieht ResMed auch weitere Wachstumschancen, weshalb man im Dezember 2018 auch den Asthma-Spezialisten Propeller Health für 225 Mio. USD übernommen hat. Das Unternehmen kontrolliert seine Inhalatoren mit elektronischen Sensoren, die mit den Smartphones verbunden sind.

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Das 30 Jahre alte Unternehmen weist stabile Wachstumsraten vor, seit 2012 konnte man den Umsatz im Durchschnitt über 10 Prozent steigern. Beim Gewinn war die Schwankungsbreite höher, was allerdings auch der Implementierung neuer Produkte und der stärkeren internationalen Ausrichtung geschuldet war. Diese Investitionen machen sich nun seit 2015 mehr als bezahlt. Auch im abgelaufenen 3. Quartal 2018 waren die Produkte der Kalifornier stark gefragt, der Umsatz stieg um 12 % auf 588 Mio. USD, der Nettogewinn legte um 23 % auf 106 Mio. USD zu. Die Integration des für 126 Mio. USD zugekauften Softwareproduzenten HEALTHCAREfirst ist reibungslos verlaufen, zudem hat man 200.000 Aktien für 22,8 Mio. USD zurückgekauft. Die Strategie, neben dem organischen Wachstum auch gezielt im digitalen Bereich zuzukaufen wird das Management weiterverfolgen. Der Fokus wird dabei stärker auf Europa und Asien gelegt, wo ResMed auch der Demographie wegen von höheren Wachstumsraten ausgeht. Die Analysten gehen im Durchschnitt bis 2023 von einem jährlichen Umsatz- und Gewinnplus von 10 bis 11 % aus. Die 2019/20er KGVs von 28 und 26 zeigen eine noch faire, aber auch nicht mehr günstige Bewertung an.

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